Filmkaufen ...
Freitag, 30. März 2012, 11:44
... war für uns Teenager damals in den 80ern so aufregend wie das Beschaffen von Zigaretten: Was mag sich Verheissungsvolles da in der bunten Packung befinden? Herber, ausgeprägter Geschmack - stark! - oder eher sanfte Übergänge, harmonische Abstimmung, fein nuancierter Ausdruck? Und was war erst mit uns los, wenn es wieder einmal eine Neuvorstellung gab. Im Zigarettenautomat und im Fotogeschäft hinter dem Tresen in den bienenwabenförmigen Regalen! Wir konnten es kaum erwarten die Packungen an uns zu nehmen, ehrfurchtsvoll von allen Seiten zu betrachten und dann vorsichtig zu öffnen. Die ersten Bilder, die wir nachts im Heimlabor zur Welt brachten, waren so genussreich wie die ersten tiefen Züge an der Neueinfuehrung der Tabakregie. Große und weite Welt in unserer Hand!
Das ist alles lange her. Ich rauche seit Jahren nicht mehr und auch das Angebot an Filmen hinter dem Tresen der noch verbliebenen Fotofachgeschäfte ist sehr überschaubar geworden. Aber dieses besondere Gefühl beim Filmkaufen ist noch immer da.
Und das macht mich sehr froh :-)
Schöne Kamera, woher kommst du?
Sonntag, 11. März 2012, 20:19
Gerne sehe ich mir die Angebote meiner bevorzugten Foto-Gebrauchthändler an, insbesondere nach einem guten und ausgiebigen Sonntagsfrühstueck :-)
Was mich immer wieder erstaunt, ist der ständige Nachschub an minter Ware, deren Herstellungsdatum bereits Jahrzehnte zurückliegt, zum, Beispiel habe ich gerade mehrere Nikon F3 in Bestzustand gesehen. Die Kameras wirken auf dem Monitor, als wären sie eben erst von ihrem Jungfernausflug zurückgekehrt, satt schwarz glänzend und behütet wie Schmuckstücke aus Basalt, die nur an hohen Festtagen getragen werden, stolz und mit Bedacht. Und ich kenne Ware dieser Händler und weiß, dass sich Abbildung und tatsächlicher Zustand entsprechen.
Eine F3 kann 12 oder auch 32 Jahre alt sein. Wenn ich mir ähnlich alte Dinge in meinem Besitz ansehe, etwa wertig gebundene Bücher, Einrichtungsgegenstände, Werkzeug, Geschirr oder mein treues Küchenradio - nichts davon weist diese Frische auf, selbst wenn ich es sorgsam behandelt oder selten gebraucht habe.
Wie konnten beispielsweise jene F3 - aber auch andere Kamera-Schönheiten - diese vielen Jahre so scheinbar unbeeindruckt überstehen? Ist das der hohen - legendären - Fertigunsqualität zu danken? Oder der sorgsamen Verwahrung durch ihre Besitzer? Wurden all diese minten Fotogeräte tatsächlich nur im Schrank aufbewahrt, einzig und alleine, um - an hohen Festtagen - diesem vorsichtig entnommen und betrachtet zu werden, dazu vielleicht ein paar Verschlussauslösungen, aber nie zur Arbeit herangezogen, weder auf der glutstaubigen Straße, noch inmitten taufrischer Wiesen oder im Schneegestöber um verlassene Kapellen an alpinen Wegen?
Wenn alte Kameras sprechen könnten, was würden sie uns alles berichten? Gerade auch jene, die deutliche Gebrauchsspuren aufweisen?
Und müssen sie dazu überhaupt sprechen können? ;-)
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Danke an Alfred Brendel, Mozart Piano Sonatas, K 332, 333 und 457, Adagio in B minor, K 540





