Zeitloses Werkzeug
Mittwoch, 26. Mai 2010, 21:57
Ich mache zunehmend die Erfahrung, dass mir Kameras - wie zum Beispiel die Nikon F3 oder Nikon F4 aus den 1980er-Jahren - als aktuelle, "moderne" fotografische Arbeitsgeräte erscheinen, nicht aber als technische Relikte einer lange vergangenen Zeit. Vielleicht erinnert mich das Design an gewesene Tage, aber sonst sind das für mich topfitte Gerätschaften, die neben meiner digitalen Spiegelreflexkamera erstaunlich jung auftreten.
Ich denke, das hat damit zu tun, dass jedes durchdachte Werkzeug zeitlos ist und nur das weniger Geeignete rasch - manchmal bereits vor der Zeit - altert.
"Photographically uncool"
Dante Stella, den ich für seine Photographie und Blogs sehr schätze, schreibt dazu unter dem Titel "The day you became photographically uncool" unter anderem:
... I have my own theory on this, that everyone has a "Last Best Year." Your Last Best Year is, in your own unconscious opinion, when you were at the top of your game. In response to your Last Best Year, you will either ( i) stop updating things or (ii) update things in a way that lags behind the rest of the world and keeps you as close as possible to your state during the Last Best Year.
Also sinngemäß, dass jeder sein "letztes bestes Jahr" hat, ab dem er sich entweder kein neues Zeug mehr anschafft oder möglichst bei dem Stand bleibt, der seinem "letzten besten Jahr" entspricht ...
Freiheit und Fortschritt 2010
Sonntag, 23. Mai 2010, 8:56
Ich hab mir unlängst in meinem liebsten Fotoforum ein paar präsentierte Bilder näher angesehen. Es scheint einer großen Zahl an Mitgliedern Freude zu bereiten, Vögel und Blumen zu fotografieren. Das sind sicher schöne Themengebiete der Fotografie, wenn auch nicht die meinen ;-) Ich dachte mir jedenfalls dabei, dass ich bei diesen Sujets eigentlich kein Korn und keine Farbstoffwölkchen auf Bildern sehen möchte, da kann es für mich in der Wiedergabe gar nicht glasklar genug sein. Und so kommt für diese Motive heute wohl nur mehr die digitale Spiegelreflex in Frage, aber nicht mehr die analoge Filmkamera.
Andererseits Straßenfotos - da ist analoge Abstraktion (Korn + inzwischen geringere Auflösung von Film im Gegensatz zum Highend-Chip) für mich Bedingung, conditio sine qua non sozusagen, um die verbliebenen Reste meines Schullateins hier zur Anwendung zur bringen ;-)
Freiheit und Fortschritt
Ich weiß jetzt gar nicht, warum ich das so empfinde. Aber für mich ist es großartig, dass ich 2010 wählen kann, wie ich mein Motiv darstelle, inklusive der Möglichkeiten, die digitale Bildbearbeitung (auch hybrid, also vom gescannten Negativ oder Positv ausgehend) bietet. Das sind Freiheit und Fortschritt für mich, und wenn es die analoge Fotografie nicht mehr gäbe, würde der Fotografie ein wichtiges Gestaltungsmittel fehlen.
Und nein, digital lässt sich meiner Meinung nach Film nicht überzeugend emulieren. Ich habs redlich versucht, klappt nicht.
Die Welt - glasklar
Samstag, 22. Mai 2010, 21:30
Heute endlich den DW-21 Lupensucher für die Nikon F4 erhalten.
Dieser Sucher ist, zum Beispiel am Teleobjektiv, eine Offenbarung - die Welt glasklar und in der Tiefe auf den Punkt scharfstellbar. Am liebsten würde ich da den ganzen Tag durchschauen. Ganz etwas Besonderes.
Wirklich schade, dass das Konzept der Wechselsucher nicht bei den digitalen Spielreflexkameras weitergeführt wurde.
Bildkritik
Mittwoch, 19. Mai 2010, 21:25
Wenn ich schon in der Verlegenheit komme, Bilder anderer Fotografen zu besprechen (das gefällt mir besser als "kritisieren"), dann sollte meine Besprechung drei Ebenen abdecken:
- Wie wirkt das Foto auf mich ästhetisch?
- Wie wirkt das Foto auf mich technisch?
- Welche Aussage hat das Foto für mich?
ad 1) Das ist für mich eine reine Geschmacksfrage und daher nicht diskutierbar. Aber es kann dem Bildautor helfen, zu verstehen, wie sein Bild auf andere Betrachter wirkt.
ad 2) Hier gibt es vermutlich mehrere Schulen. Die eine will es "printfähig auf Normalpapier bei vollem Tonwertumfang", die andere vielleicht "immer knackig in Schärfe und Kontrast", die nächste gegebenenfalls das Gegenteil etc. Für mich gibt es auch hier keine Norm. Man kann sich der einen Sichtweise anschließen oder der anderen. Oder, noch besser, seine eigene entwickeln ...
ad 3) Der für mich wichtigste Part: Die Botschaft, oder der Impuls, die das Bild für mich haben. Wie kann ich das Bild in meine Bilderwelt einordnen, sagt mir das Foto etwas Neues, stellt es bisherige Sichtweisen in Frage, sehe ich etwa Gemeinsamkeiten mit meiner Fotografie oder eher Diskurs, was löst das Bild emotional in mir aus etc.
Diese drei Ebenen würde ich in einer Bildkritik besprechen. Sauber formuliert und frei von Polemik = möglichst sachlich.
Und immer wohlwollend natürlich :-)
Konformismus erzeugt konforme Bilder erzeugt Langeweile
Freitag, 14. Mai 2010, 23:20
An alle, die ihre Fotografie als frei und künstlerisch verstehen:
Wer darauf angewiesen ist, seine Fotos nach Regeln und kompositorischen Vorgaben zu gestalten, beweist damit nur, dass er
- keine eigenen Ideen hat, seine Bilder zusammenzustellen, oder
- keinen Mut dazu hat
Beides ist der Tod jedes schöpferischen Tuns.
Individuelles Sehen - meiner Meinung nach eine Voraussetzung für interessante Fotografien ("interessant" im Sinne von Aufmerksamkeit erzeugen) - ist das Wertvollste, was ein Fotograf besitzt. DAS muss gefördert werden und nicht die Anpassung an irgendwelche gestalterische Pseudo-Ideale, in denen manche dann ihr ganzen Fotografenleben lang stecken bleiben.
Welche Fotografen gelten über die Jahrzehnte als bedeutend? Die braven schul-gerechten Kompositeure, denen man neben soliden gestalterischen Konzepten womöglich auch eingeimpft hat, ein Bild müsse möglichst Vielen gefallen, damit es gut ist? Solche Fotografen hängen nicht in Galerien ...
Konformismus erzeugt konforme Bilder erzeugt Langeweile.
Erinnerungen (II) - "Partyaktivitäten"
Donnerstag, 13. Mai 2010, 10:20
Für uns Teenager damals war eine Nikon um den Hals die absolute Ausnahme. Wohl aus Kostengründen. Canon AE-1 Program,
Minolta X-300 und X-700 - wenn überhaupt eine Spiegelreflexkamera.
Im Herbst 1986 wird es gewesen sein, als ich eine liebe Freundin zum Kauf eines gebrauchten Canon FD 35-70mm f/4 AF begleitete, für ihre AE-1 Program. Autofokus, das war damals was, und dieses Trum ruft auch heute noch Staunen hervor, wenn auch aus anderen Gruenden, nämlich ob seiner Dimensionen und seines Gewichts ... Aber mit diesem Objektiv wurden unsere zahlreichen Partyaktivitaeten in Wiens Studentenheimen festgehalten, und das in ausgezeichneter Qualität, oft "zu
ausgezeichnet" ... ;-)
1991 hatte ich wohl zum ersten Mal eine Nikon F3 in der Hand, ein Freund, Fotograf aus Schweden in Wien, hatte sie als Zweitgehäuse neben seiner Nikon F4. Beide Kameras waren unendlich weit entfernt von meinen finanziellen Möglichkeiten als Student, und ich kann mich noch gut erinnern, wie ich ehrfurchtsvoll und vorsichtig die Hebel und Schalter an den beiden schwarzen Schwestern bewegte (beziehungsweise versuchte, die Verriegelungen ...)
Die massive Bauweise, die Schlankheit des F3-Gehäuses und die solide Haptik fielen mir damals besonders auf, wenn auch noch nicht so bewusst wie heute. Referenz war meine Minolta X-700. Aber das war eine andere Welt und ich bin wohl nur einmal auf die vermessene Idee gekommen, mir eine F3 zu leisten. Aber schon beim ersten Durchrechnen wischte ich diesen Traum schnell wieder weg - das war einfach nicht realistisch ...
Dafür kaufte ich 1986 meine eigene Dunkelkammer: Durst BW 670 (Kondensor-Vergrößerungsgerät) mit Rogonar 50 mm (Dreilinser-Objektiv). Sparen, Zuwendungen meiner Mutter, der Lohn als Ferialarbeiter in einer Steyrer Fabrik und die erste Studienbeihilfe machten es möglich ...
Erinnerungen (I) - "Handgriff für Handgriff"
Donnerstag, 13. Mai 2010, 9:53
1989 (!), als ich im fünften Wiener Gemeindebezirk Margareten den langsamen Niedergang eines einst renommierten Fotogeschäfts mitansehen musste und mich bereits damals wunderte, dass seit Jahren eine Nikon F-301 in der Auslage verstaubte.
"So wird das nichts mehr werden, mit dem alten Zeug da" dachte ich mir und sah mit Abscheu, wie sich bunte Schlüsselanhänger, Plastikpüppchen und kitschige Fotorahmen mehr und mehr um die F-301 breit machten.
Ich hätte die 301 damals wohl kaufen sollen. Und nicht im Schaufenster bemitleiden. Aber sie erschien mir so unendlich alt ... Und ebenso teuer.
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1985, als ich mich in Steyr/Oberösterreich nicht und nicht an einer
Canon A-1 neben einer Minolta X-700 sattsehen konnte, in einem Fotogeschaeft am Stadtplatz. Die schwarze A-1 gefiel mir optisch besser, aber die Minolta war das aktuelle Modell. Den Tag, als ich das begehrte Stück, nämlich die 700, dann nach Hause trug und von der weiß-blauen Verpackung - Handgriff für Handgriff - entledigte, werde ich nie vergessen. Großes Erlebnis!
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1981, als ich, voll Bewunderung und Auch-Haben-Wollen, auf das
Canon FD 24-35/3.5 L eines Freundes starrte. 24 mm! Damals eine absolut exotische Brennweite, wo 35 mm (bezahlbarer) Standard waren ...
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Die Nikon F Photomic Tn, die mein Vater 1969 in den Haushalt brachte. Sie begleitete mich die ganze Kindheitlang und heute steht sie hinter mir auf dem Regal als guter "Nikon-Stern". Sie flüsterte mir auch die Idee zu diesem Blogeintrag zu ... ;-)
Zuviel bezahlt für die hübsche Gebrauchte?
Dienstag, 11. Mai 2010, 22:21
Stellen Sie sich gerade diese Frage?
Vielleicht hilft Ihnen dieser Blogeintrag über Ihre momentane Verstimmung hinweg. Ich würde es mir wünschen :-)
Also: Mint beziehungsweise near mint und beim Händler kostet es mehr - man zahlt buchstäblich für Kratzerfreiheit und Rücknahmegarantie, was aber auch nichts Schlechtes ist.
Ansonsten denke ich, dass das mit den Preisen für gebrauchte Kameras, Objektive und Fotoausrüstung sehr relativ ist.
Sehen wir uns die Sache einmal genauer an.
Liebhaberpreise sind irrational
Wer bereit ist, für ein lange gesuchtes, seltenes oder besonders gut erhaltenes Stück mehr (oder viel mehr) als den durchschnittlichen Marktpreis zu bezahlen, warum nicht? Der Markt und seine Teilnehmer sind frei, jeder muss wissen, was er tut.
Wer über ein eher kleines Budget für Nicht-Notwendiges verfügt,
wird sich vermutlich keine Hobbies wie "den Sammler-Schrank" leisten. Oder er kauft besonders preisgünstig beziehungsweise wenig ein. Wer sich jeden neu erschienenen S-Mercedes oder 7ener BMW leistet, sobald dieser beim Händler verfügbar ist, wird sich über die Preise, die wir hier besprechen, vermutlich wenig Gedanken machen ...
Wer ein schlechtes Gewissen hat,
weil er wieder an seiner Frau eine "sinnlose" Beschaffung vorbeigeschummelt hat, könnte sich überlegen, für welche Sinnlosigkeiten er sonst Geld ausgibt: Zigaretten, Auto, teures Essen, Urlaube ohne Erholungswert, teure Kleidung, hochpreisige Wohnungseinrichtung etc. (was keine Wertung bedeutet, das sind für mich Sinnlosigkeiten, die ich einspare, jeder hat da seine eigene Liste ).
Das, was ihm Schrank steht, kann durchaus als Wertanlage gesehen werden.
Die Preise fuer analoge Fotogerätschaft sind meiner Beobachtung nach stabil beziehungsweise ziehen sie gerade etwas nach oben an. Stücke können jederzeit verkauft werden, auf ebay kann jedermann sein kaufmännisches Talent unter Beweis stellen ... Das Geld ist also nicht verloren beziehungsweise nur zu einem Teil.
Und es gibt, denke ich, Wichtigeres,
als stets und immer nur Euros zu zählen: Die Freude am Sammeln, die Freude am Arbeiten mit der gebraucht erworbenen Fotoausrüstung, die Freude an der Beschäftigung damit, die Freude, hier darüber einen Blogeintrag zu schreiben usw.
Fazit:
Jeder wie er kann, mag oder sich sein Leben sonst einteilt.
Hören Sie beim Thema "Sammeln" nur auf Ihre eigene Stimme im Inneren. Die ist vernünftiger, als Sie es ihr beim ersten Hinhören vielleicht zutrauen mögen ... ;-)
Rechtfertigen - wozu bitte?
Freitag, 7. Mai 2010, 17:34
Muss man sich als Sammler für das rechtfertigen, was man tut? (Replik auf einen Diskussionsbeitrag in einem Foto-Forum)
"Ein lieber Freund von mir sammelt beste Weine - mehr, als er vernünftig trinken kann. Er ist glücklich dabei - was zählt da sonst noch für ihn?
Ein anderer Freund sammelte Uniformen. Im zugehörigen Zimmer roch es nach Mottenkugeln, Tageslicht kam keines herein, weil das Fenster mit Uniformteilen verstellt war. Es machte ihm riesigen Spass - was zählte da sonst noch für ihn?
Ich sammelte als Kind Airfix-Figuren (Scale HO), vorzugsweise der WK-II-Armeen. Dazu Flugzeugmodelle von Stuka bis Spitfire und Panzermodelle von Panther bis Sherman. Beim Zusammenbauen der Modelle war ich selig. Mit dem versammelten Heer samt Waffenpark hätte ich jeden Spielzimmerkrieg gewonnen. Lustig war das, und mein ganzes Taschengeld ging dafür drauf. Was hätte sonst noch fuer mich zählen sollen?
Der nächste Sammler, der so freundlich ist und sich die Mühe macht, hier seine Kamera-Schätze durch hervorragende Fotos zu zeigen, soll Anerkennung erhalten, aber nicht ein psychologisches Attest!"
Fernweh und Sehnsucht nach neuen Ländern
Mittwoch, 5. Mai 2010, 21:25
Am 3. Mai fragte ich mich hier:
Kann man seinem eigenen fotografischen Stil 'entkommen', wenn man davon überzeugt ist, diesen bereits vor langer Zeit gefunden zu haben? Konkret: Lässt sich die eigene Motivwahrnehmung grundlegend verändern, um fortan völlig andere Bilder zu machen als zuvor?Was ist die Vorausetzung dafür? Ist das alleine eine Sache des Denkens und Reflektierens, oder muss dazu nicht vielmehr eine Veränderung in der eigenen Seelenlandschaft stattfinden? Wenn ja, lässt sich diese bewusst 'induzieren'?
Interessante Fragen, vielleicht finde ich eine Antwort ...

Ausgangspunkt - bzw. Werkschau seit 1985 - war und ist meine subworld.at.
Das bin ich und das sind meine Fotos, ich fühle mich hier, "zu Hause", sehr wohl und werde hier auch bleiben.
Der technische Workflow (Aufnahme + Bildbearbeitung) steht nach jahrelangem Verbessern, Experimentieren, Ausprobieren, Scheitern und Suchen - hybride Fotografie und digital, RAW und Photoshop. Hier sehe ich zur Zeit keinen Änderungsbedarf.
Es geht mir nicht um verbessern, ich bin mit meinen Bildern zufrieden, ich habe keine Vorbilder, denen ich gerecht zu werden versuche. Mein Thema ist meine Sichtweise von außen und innen und die Verknüpfungen, Zusammenhänge, "Dialoge" die ich sehe. Anders möchte ich das alles gar nicht machen, es stimmt für mich.
Was ich aber sehr wohl suche, sind neue Standpunkte, meine Fähigkeit zu erweitern, dort Zusammenhänge und Motive zu sehen, wo ich heute noch einfach weitergehe, ohne die Kamera zu heben.
Es gibt keine fotografisch uninteressanten, unergiebigen - "wertlosen" - Motive, Gegenden, Stätten. Es liegt immer und alleine am Fotografen, wenn er keine Motive sieht. Und schon gar nicht liegt es an seiner Ausrüstung.
Dennoch denke ich an weitere Themengebiete - das ist ein bisschen so wie Fernweh und Sehnsucht nach neuen Ländern. Und ich bin inzwischen davon überzeugt, dass das nur mit einer neuen Sichtweise innen möglich ist - wenn es nicht bloß reines fotografisches Klischee sein soll.
Direkte Konfrontation mit Menschen auf der Straße wäre ein Thema. Alle möglichen Konflikte, Spannungen, Eskalationen, Risken, aber auch schönen Momente, Verbindungen, Harmonie. Dazu muss man bereit sein um das auszuhalten. Die radikalste Form wäre hier die Weitwinkelfotografie - dicht ran, formatfüllend, ohne Sicherheitsabstand, aber immer respektvoll. Und ohne vorher zu fragen. Rechtliche Aspekte (Veröffentlichung) einmal ausgenommen.
Ich glaube, darüber denke ich weiter nach. That could be the way?
Bildbearbeitung - "Objektivität"?
Montag, 3. Mai 2010, 22:59
Für die Bilder, die ich zeige, bin alleine ich als Fotograf (und Bildbearbeiter) zuständig und verantwortlich. Wie meine Fotos zustandegekommen sind, ist alleine meine Sache, hier bin ich frei - ebenso frei ist mein Publikum, das zu glauben, was es sieht oder auch nicht. Und sich seinen Teil dazu zu denken, oder eben nicht.
Das gilt für die künstlerische Fotografie.
Bildreporter, Sachfotografen, "Dokumentare" sollten sich über "Objektivität" mehr Gedanken machen.
Ich bin froh, dass ich keiner dieser Gruppen angehöre ;-)
Digitale und analoge Fotografie: zwei Medien
Montag, 3. Mai 2010, 22:47
Also ich entferne mich immer weiter von der Annahme, dass die digitale Fotografie ein besserer Ersatz für die analoge sei.
Das sind für mich mehr und mehr zwei unterschiedliche Medien, auch wenn sie auf den ersten Blick fast ident zu sein scheinen.
Meine Vollformat-Digitale macht (RAW + entsprechende Nachbearbeitung) konkurrenzlos klare, detailreiche, farbneutrale, "reine" Fotos. Ich staune immer wieder, was da an technischer Qualität möglich ist - traumhaft!
Fr Dokumentationen, "Sachfotografie", Veranstaltungsfotos etc. nehme ich deshalb nur die Digitale, auch deswegen, weil die Bilder rascher verfügbar sind als aus der analogen Kamera. "Rascher" heisst in meinem Fall bei weitem nicht "sofort", denn ohne Nachbearbeitung (die auch bei teilweiser Automatisierung des Workflows dauert) sieht es mit der Qualität nicht besonders toll aus.
Aber will ich immer diese Bildqualität?
Klares Nein!
Fotografieren auf Film
bedeutet für mich bereits eine gewisse Abstraktion. Sei es durch Korn, bestimmte Farb- und Kontrastwiedergabe, gegebenenfalls geringere Detailaufloesung etc. Und genau das schätze ich für meine "private" Fotografie, die "künstlerische".
Ich wäre froh, wenn ich für meine digitale und hybride Fotografie die alten Filme und Wiedergabetechniken der Kleinbildfotografie der 1930er und 1940er Jahre digital emulieren könnte: beschränkte Wiedergabe von Kontrasten, fast schon mangelhafte Detailauflösung, Unschärfen, grobes Korn ... Das gibt den Fotos einen Zauber, der mit aktuellen Filmen nicht mehr, und mit digital Vollformat schon gar nicht, erreicht werden kann. Simulation von Filmeffekten digital überzeugt mich nicht - und ich hab da sehr viel ausprobiert.
Darum heute für mich die glückliche Situation, zwischen beiden Medien je nach Anforderung wählen zu können.
Fragen
Montag, 3. Mai 2010, 21:52
Kann man seinem eigenen fotografischen Stil "entkommen", wenn man davon überzeugt ist, diesen bereits vor langer Zeit gefunden zu haben? Konkret: Lässt sich die eigene Motivwahrnehmung grundlegend verändern, um fortan völlig andere Bilder zu machen als zuvor?
Was ist die Vorausetzung dafür? Ist das alleine eine Sache des Denkens und Reflektierens, oder muss dazu nicht vielmehr eine Veränderung in der eigenen Seelenlandschaft stattfinden? Wenn ja, lässt sich diese bewusst "induzieren"?
Interessante Fragen, vielleicht finde ich eine Antwort ...
Musikempfehlung für Bildbearbeiter: Edward Elgar - "Enigma Variations"
Sonntag, 2. Mai 2010, 22:17
Positionierung der Analogfotografie als eigenes Medium?
Sonntag, 2. Mai 2010, 17:52
Ein herausforderndes Thema: nachhaltige Positionierung der Analogfotografie als eigenes Medium - über reine Nostalgie und Spaß an der Sache hinaus.
Wozu?
Wenn die Positionierung klappt, dann ist damit ein Beitrag zum Überleben der Analogfotografie geleistet.
Spannend auf jeden Fall die Argumentation, warum die Analogfotografie ein eigenes Medium sein soll - wo sie doch vorgeblich von der Digitalfotografie überflüssig gemacht worden sei.
Natürlich keine polemische Abhandlung, sondern eine streng sachliche. Das wäre sogar etwas für eine Dissertation! :-)
Wie ist das eigentlich, ...
Samstag, 1. Mai 2010, 12:34
... wenn Sie mit Kameras, Objektiven und Zubehör fotografieren, die schon lange nicht mehr hergestellt werden? Finden Sie dafür Verständnis im Familien-, Freundes- und Bekanntenkreis? Oder müssen Sie sich da schon einmal ein paar sarkastische Bemerkungen anhören?
Bei mir ist es so, dass die meisten Leute recht interessiert zuhören, wenn ich ihnen beispielsweise von den Vorzügen einer Nikon F3 erzähle oder dass mir das Fotografieren auf Film aus vielen Gründen Spaß macht. Nur weiß ich nicht immer sicher, ob das nicht nur Höflichkeit, sondern bereits der Anflug milden Mitleids ist ... ;-)
Für viele sind es jedenfalls (und sichtbar) Erinnerungen an die eigene fotografische Vergangenheit und das sorgt so gut wie immer für lebhafte Diskussionen.
Manchmal, denke ich, ist nur ein kleiner Schritt nötig, damit sich der eine oder der andere wieder einmal eine analoge Kamera umhängt, aber da fehlt inzwischen wohl schon der Bezug. Schade, wenn eine alte - ja - Kulturtechnik, nämlich die Filmfotografie, offenkundig langsam in Vergessenheit gerät ...








