"Die Blechbox" und eine Vision von Ostern
Mittwoch, 31. März 2010, 23:02
"081115_B16" ... ist ein bemerkenswertes Ablageblatt in meinem Negativordner - die fotografische Dokumentation eines langen Aufenthaltes im Wien-Fünfhaus am 15. November 2008.
In meiner Erinnerung ist das eine der gelungenen Expeditionen in die subworld.at: Stetig zunehmende Versenkung mit jedem Schritt, leises Aufgehen der inneren Bilder- in der äußeren Motivwelt und umgekehrt, Wahrnehmung der Umgebung von einem weit nach innen versetzten Beobachtungspunkt aus, Erkennen von Motivketten - ein sehr seltenes Ereignis!
Der 15. November - ein klarer Spätherbsttag, azur-cyanblauer Himmel in nur leichter Dämpfung, starkes Streiflicht - golden und kühl, grelle Lichtreflexe von Fenstern auf Hausmauern, Schatten, gleissend-spiegelnde Firste, stärkste Kontraste.
Mit dabei: Canon EOS 1V-HS mit EF 14/2.8, Belichtung auf Kodak Ektar 100 - treue Begleiter auf langen Wanderungen.
Kurze Erinnerungen an den Sommer, plötzliches Öffnen der Zeit - Steyr 1981: Fünf-Uhr-Tee im Stadtsaal, schmale Wollkrawatte mit Schottenkaro, Lambswool zitronengelb, weiße Halbschuhe, Cola-Rotwein - "Schnitt", ausgelassenes Tanzen im Kreis, Visage - Fade to Grey ...
Parallelwahrnehmung der Bilder ohne Überschneidung und Töne - stumme Betrachtung und nahezu Auflösung im Raum.
Stille.
Für subworld.at hatte sich diese Sequenz ergeben:
"Ein Unfall, 15. November 2008"
"Auftauchen"
blechbox.blogspot.com
Fast widerwillig stieg ich von innen auf, als ob ich am Grunde des Schlafsees läge und jemand weit über mir gegen eine Tür klopfte, langsam und beharrlich. Eine intuitive Wahrnehmung des Motivs vor mir war mir zwar möglich, aber keine Einordung in einen Sinnzusammenhang, Denkleistung war gefordert, der Verstand lief träge an - "Was ist das?" blieb als Frage unangenehm lange in mir stehen.
Völlig unvermittelt vor mir ein Ausschnitt aus einem Badezimmerensemble in einer roten, ausgebeulten Box aus Blech, angebracht an einer grauen Hauswand mit Staub in den Ritzen der Verputzes. Kartonzahnbürste, Seife, Waschlappen, Puppenspiegel sorgfältig angeordnet und ausgerichtet von einer, so schien mir, unendlich geduldigen Hand.
Mein Überlegen
wandelte sich in Verwirrung. In immer wieder beginnenden Loops konnte ich das Ensemble vor mir nicht begreifen. Seit Jahren in Wien vorwiegend an entlegenen Orten mit der Kamera unterwegs - und jetzt sollte keine Deutung möglich sein? Und was mir völlig unverständlich war: Nichts an diesem Ensemble war gegen Zugriff und Entwendung gesichert, festgeklebt oder angeschraubt! Und nichts davon war zersprüht, ausgerissen, zerstört!
Den in der Box angebrachten, erklärenden Text nahm ich zwar wahr, las ihn, die Lektüre blieb jedoch ohne Erinnerung. Ratlos überprüfte ich die Installation auf ihre fotografische Qualitäten und fand keinen besseren Zugang, als mich selbst mit der Kamera vor dem Gesicht im kleinen Spiegel abzulichten.
Unruhig, ohne Erklärung und Abschluss, verliess ich den Ort.
Es folgten an diesem Tag noch
"Ein Brief"
"Ausbruch"
Nach Erhalt
der entwickelten Negative aus dem Fachlabor und dem Scannen, arbeitete ich die Bilder dieses Tages am Computer aus.
Neugierig tippte ich die Internet-Adresse, die auf den Rahmen der Box geschrieben war, in meinen Webbrowser und landete auf dem Blog einer mir unbekannten Illustratorin, der die Box mit verschiedenen Inhalten und in unterschiedlichen Ensembles zeigte. Liebevoll waren Gedanken und Fotos zu den Installationen angeführt, über einen längeren Zeitraum hinweg. Besucher konnten die Einträge kommentieren.
Im Juni 2009 schrieb ich an Carla Müller, Initiatorin und Autorin des Projekts, und bot an, die "Blechbox" fotografisch zu dokumentieren. Wir verblieben unverbindlich.
Im März 2010 lud mich Carla überraschend ein, ihre neu konzipierten Nachfolgeprojekte mit der Kamera festzuhalten.
Und bereits am 27. März fotografierte ich Carlas Vison von Ostern in Wien-Landstraße, nahe dem Rochusmarkt.
Jetzt einmal liebe Grüße an dich, Carla, und bitte weiter so! :-)
Nikon-Fotografie-Forum: "Die analoge Werkstatt ist eröffnet!"
Sonntag, 28. März 2010, 13:31
Hoffentlich ein weiterer Beitrag zu Erhalt und Förderung der analogen Fotografie :-)
Nikon F3: zeitloses Design
Sonntag, 28. März 2010, 10:06
Unter dem Begriff "zeitloses Design" verstehe ich die Gestaltung eines Gebrauchsgegenstandes derart, dass er weder zum Zeitpunkt seines Erscheinens noch Jahrzehnte später, als optisch revolutionär beziehungsweise veraltet gilt.
Wenn ich mir die Nikon-F-Reihe ansehe - und ich bin kein Design-Experte - dann ist das fuer mich besonders bei der F3 gelungen.
"Was ist analoge Fotografie?"
Samstag, 27. März 2010, 18:34
... frage ich im Nikon-Fotografie-Forum und habe bereits - ohne lange zu überlegen! - meine Kreuzeln gesetzt ;-)
[ ] ein Überbleibsel aus längst vergangenen Tagen
[x] ein eigenständiges Medium neben der digitalen Bildaufzeichnung
[ ] ein aktueller - aber nur kurzlebiger - Retro-Trend
[ ] Garantie fuer authentische Bilder
[ ] für Nostalgiker, Fortschrittsverweigerer oder Fotografen mit wenig Geld
[x] ein Medium mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft
[ ] Luxus und Zeitverschwendung
Und, JA, ich will Sie beeinflussen! :-))
Brotberuf - Butter aufs Brot
Freitag, 26. März 2010, 21:14
Heute in der Früh, 6:00 Uhr leuchtet die LED-Uhr cyanblau am Küchenherd, verschlafen die immer gleichen Handgriffe an der Kaffeemaschine, Brotschneiden, Nachrichten aus dem Radio, Steuererhöhungen, Skandale, Barack Obama in seiner grössten Mission, Raub in der Pokerrunde ...
Licht blendet grell und spitz aus Reflexionen durch das Fenster, Butter aufs Brot, Honig, schon dreht sich das Ei im sprudelnd kochenden Wasser, die Gedanken noch halb im Traum, an der Oberfläche eines Objektivs bricht sich ein Lichtpunkt in tausendfachen feinen Farbvariationen, schillerndes Kaleidoskop - ich versuche, gleichzeitig durch das Kaleidoskop zu schauen und dabei meine Zuckerwatte zu essen, aber das Karussell dreht sich zu schnell, aus einer grellbunten Hochschaubahn winken Leute - "... der Bundeskanzler versichert erneut ..." Ich drehe am kurzen Scharfstellring und möchte durch das Fischauge auf die Pupille des hübschen Maedchens fokussieren, ein leiser, weicher Gong ...
Langsam schiebt sich der Morgen ins Denken, der beginnende Arbeitstag wird deutlicher, nimmt Konturen an, wie von selbst verschiebt sich die innere Betrachtung auf aktuelle Projekte, E-Mails, Probleme, Termine ... "Brotberuf - Butter aufs Brot" fällt mir plötzlich ein und ich kichere lautlos in den Honigtopf vor mir.
Das Licht gegenüber ist stärker geworden und gewandert, die Hauswand strahlt jetzt weiss und die Fenster sind dunkle Höhlen ohne Reflexe aus denen blutrot Vorhänge leuchten. Am Horizont, weit über dem Dach des weissen Hauses, spannt sich samtblau mit zartrosa Einschlüssen der Himmel über den auslaufenden Wienerwald, im Garten unten hat sich die versammelte Vogelschar zur Big-Band formiert und swingt unglaublich fröhlich den Tag ein.
Jetzt nicht zur Arbeit müssen, jetzt die Kamera nehmen und geradeaus durch die Stadt, in den Wienerwald hinauf, erstes durchbrechendes Grün suchen, Lichtflecken fangen und eine leise Ahnung vom Frühling bekommen, einatmen, verschmelzen! Vielleicht hat schon das Wirtshaus im Lainzer Tierpark geöffnet, eineinhalb Stunden zu Fuß im silbrig-goldenen Morgenlicht unterwegs, nur selten ein Wanderer der entgegenkommt, lange Pausen auf der hohen Lichtung mit dem Blick durch das Objektiv in die Ferne, wo weiss-blaue Bergspitzen durch den feinen Morgendunst schimmern ...
Die ersten E-Mails treffen quäkend am BlackBerry ein, das Ei ist fertig gekocht, die Uhr lautlos aber plötzlich vorgerückt. In einem Satz verflüchtigt sich das Bild der zweisamen Morgenwanderung mit Kamera, die Bergspitzen zerfließen zu trüb-braunen Milchkaffeeseen und auch heute leises Bedauern. "Brotberuf - Butter aufs Brot" wiederhole ich und weiss in dem Moment nicht, wer besser dran ist - der freie Fotograf, den ich kurz vor mir gesehen hatte auf seinem Weg aus der Stadt hinaus, oder der Wochenarbeiter mit Tagesablauf, Verpflichtungen aber dafür festem Einkommen.
Das Telefon schrillt auf, das Büro ist schon sehr munter und lebendig - jetzt hat mich der Tag endgültig und kurz winkt das Wochenende freundlich und tröstend durch den Wochenkalender - laut Wetterbericht soll es ein strahlender, warmer Sonntag werden.
Und nun ist auch der Kaffee getrunken.
Alsdann!
"Frühling" bedeutet für mich Analogfotografen ...
Sonntag, 21. März 2010, 10:24
endlich wieder genug Licht zu haben draußen, um meinen geliebten
Kodak Ektar 100 unbesorgt in die Kamera einlegen zu können
vielleicht wieder einmal mit dem Gelbgrünfilter ein bißchen zu experimentieren
mit meiner Nikon F3 noch innigeren Kontakt zu haben, weil keine dicke Winterjacke mehr dazwischen ist
im Volksgarten zu Wien zu sitzen und den Tag und seine Passanten durch ein mittleres Teleobjektiv beobachten
mich wieder zwischen Sonnenbrille und Sucherokular entscheiden zu müssen
einen Liter mehr Ausrüstung zu schleppen in Form von Trinkwasser
Endlich wieder Überschuss an Licht! :-)
Im Jahr 2025 ...
Samstag, 20. März 2010, 17:37
Wer möchte nicht wissen, wie es in 15 Jahren auf seinem Lieblings-Interessengebiet aussieht?
Wenn man doch nur in die Zukunft blicken könnte ... ;-)
Und so habe ich im Nikon-Fotografie-Forum folgende Umfrage gestartet:
Im Jahr 2025 ...
kostet ein tiefgefrorener Kleinbildfilm aus 2010 so viel wie ein Kilogramm frische Trüffeln aus dem Wald
beträgt der durchschnittliche Marktpreis für eine funktionsfähige Nikon F3 EUR 5.000,-
wurde eine Dunkelkammer im Keller eines Wohnhauses entdeckt und unter Denkmalschutz gestellt
erreicht die internationale Produktion an Kleinbildfilm ihren historischen Höchstwert
wurde die Nikon F10 vom Enkel Giugiaros*) in Tokyo als rein mechanische Kamera präsentiert
fotografieren Nostalgiker wieder digital
ist alles genauso wie heute
Ich bin auf das Ergebnis sehr gespannt! ;-)
--
*) Georgio Giugiaro, Designer verschiedener Nikon-F-Kameras
Film never ever will die ...
Sonntag, 14. März 2010, 12:06
... as long as we are buying film!
Und wenn - für mich wären grundsätzlich bei allen Herstellern immer der Farbnegativfilm und der Diafilm Kandidaten für Sortimentsbereinigung, killed by digital.
Aber Schwarz-Weiß-Film für Selbstverarbeiter ist ein kleiner, dafür stabiler/wieder aufstrebender Markt - warum sollte man da die Sense schwingen, außer, für die großen Hersteller ist dieser Markt zu klein.
Und wenn die big producers bereinigen sollten, um so besser für die kleinen, alternativen Anbieter. Für die sollte der Markt auch jetzt schon groß genug sein!
Nur Mut, es geht weiter! :-)
Danke, Nikon F3!
Samstag, 13. März 2010, 11:39
Ich habe mich für die Nikon F3 in der Fototasche entschieden und meine digitale Spiegelreflexkamera vorläufig in den Schrank gestellt.
Warum greife ich weit zurück in die Vergangenheit? Zu Technik, die vor rund 30 Jahren das Nonplusultra war, aber heute verstaubt und verkratzt hinter realen und virtuellen Schaufenstern lagert? Kameratechnik mit geradezu primitiver Elektronik, Technikgeschichte, attraktiv bestenfalls nur für ältere Herren, die mit zitternden Händen über staubige Erinnerungen streichen?
Was ist geschehen?
Ich lief durch die Straßen Wiens,
immer das neueste Firmwareupdate in meiner Digitalkamera, ich war mir stets des Privilegs bewusst, digitales Highend um den Hals zu tragen und ich beherrschte die aktuelle digitale Kameratechnik, wie ich meinte.
Die technische Qualität meiner RAW-Aufnahmen war hervorragend, noch besser wurde sie durch anschließende Politur in einem ausgeklügelten Bildbearbeitungs-Workflow, in dem Photoshop der König war, der ständig forderte, meist nachts.
Ein einziger Rausch, ein einziges Fest - Digital über alles, alles machbar, alles perfekt, technische Grenzen setzten nur Budget, RAM im Rechner und die Produktentwicklungszeit der Hersteller. Und natürlich die zur Verfügung stehende Zeit, denn Arbeiten und Geldverdienen im Brotberuf mussten ja auch noch stattfinden.
Mit einem Mal war die Faszination vorbei
Der digitale Funkenzauber berührte mich einfach nicht mehr, die Faszination war plötzlich und ohne jede Vorankündigung verschwunden, die digitale Hightech-Kamera blieb im Schrank.
Das war eine depressive - aber glücklicher Weise nur kurze - Zeit für mich. Denn es geschah ein kleines Weihnachtswunder:
Mein Vater schickte mir - völlig überraschend - seine analogen Nikon F4 und Nikon F5, die ich zuerst einem Freund schenken wollte - ich wusste nicht, was ich damit anfangen sollte.
Der Freund lehnte ab - und ich lehnte mich zurück, betrachtete die beiden Kameras, begann mich zu interessieren für ihre Technik, ihre Geschichte.
Die Erinnerung kam, dass mich die Vorgängerin der F4 und F5, die Nikon F3, schon als junger Mensch faszinierte, aber damals für mich jenseits jeder Beschaffungsmöglichkeit lag, denn mit der F3 fotografierte nur die vermögende Elite ...
Und heute ...
... kann ich es nicht erwarten, einen Film zu belichten mit meiner F3, geniesse endlich wieder das Gefühl, mit der Kamera auf der Strasse sein, warte oft noch immer vergeblich auf die Rückmeldung des Autofokus im Sucher, wundere mich, dass ich schon wieder vergessen habe, den Film zu transportieren. Dazu fluche ich laut, wenn ich es nicht schaffe, im Hochformat gleichzeitig die Messwertspeichertaste zu halten und dazu den Zoom- und Fokusring des Objektivs zu drehen. Und warum braucht man überhaupt soviel Kraft zum Drücken der Abblendtaste, dieses scharfkantige Ding?
Die F3 hat mich wieder dorthin zurückgeführt, wo ich 1985 begonnen hatte, mit einer Minolta-Reflex. Es gilt, wieder den Umgang mit Halbautomatik und manuellen Einstellungen zu lernen.
Nicht das sichere Aufrufen des fünften Menübildschirmes über die vierte Taste von Rechts ist gefragt, sondern das sichere Verständnis für die grundlegenden technischen Vorgänge der Fotografie.
Dabei steht gar nicht die Frage digital - analog im Vordergrund, ja nicht einmal die Fototechnik an sich, sondern der Umstand, dass eine Kamera wie die F3 einen zwingt, über jeden Schritt nachzudenken. Und dabei alle Funktionen bietet, das Denkergebnis umzusetzen, dabei jedoch keine Funktion zuviel und vor allem keine Vollautomatik, die einem diese Arbeit abnimmt.
Fotografieren wird damit wieder zu einem Handwerk
Handwerk bedeutet immer Konzentration auf eine Sache, einen Vorgang - Geist und Körper arbeiten synchron, der Mensch wird ganz, Verstörungen, neurotische Verstimmungen und Verirrungen lösen sich auf.
Der Fotograf wird mit der F3 wieder einfach - und damit wird er als Mensch ganz.
In diesem Sinne verstehe ich die F3 nicht nur als hervorragendes Fotowerkzeug, sondern auch als Wegstück einer Therapie, die mich wieder Tritt fassen hat lassen auf meinem Weg als Bildjournalist in eigenem Auftrag.
Diesen Weg gehe ich - ich bin gespannt, was mir weiter begegnen wird. Auf der Strasse und in mir, was ja für mich immer dasselbe ist.
Auch dafür: Danke F3, und danke deinen Konstrukteuren!
Canon FD 50/1.4 auf Canon AE-1 Program belichtet ...
Sonntag, 7. März 2010, 11:47
... Kodak Ektar 100.
Und so schön kommt das aus dem Nikon Super Coolscan 5000 - automatisch, ohne jeden manuellen Eingriff:
Leider habe ich bei der Aufnahme die Arbeitsblende nicht notiert, hatte aber wohl nur schwach abgeblendet. Das Motiv poppt geradezu hervor bei augenrichtiger Normalperspektive.
Ein Traumobjektiv, nicht ohne Grund war es Canons Referenz in der viel zu früh dahingeschiedenen FD-Linie! Neuwertig beim ebay-Haendler um ca. EUR 80,- zu haben. Da muss ich mich doch gleich selbst zitieren:
"Nie gings uns Fotografen besser!" ;o)
Analogue to digital: Hybrider Workflow in der analogen Fotografie
Sonntag, 7. März 2010, 11:36
Wer auch immer behauptet, die Fotografie auf Film sei von vorgestern und damit tot, ist selbst ein Opfer der geballten Marketing-Macht im Dienste der Digitalfotografie. Stimmt nämlich überhaupt nicht - in Wahrheit ist Film nachwievor ein erstklassiger Informationsspeicher, aus dem mit einem geeigneten Workflow feinste Details herausgeholt werden können.
Es gibt in der analogen Fotografie heute drei Möglichkeiten:
Vergrößerung der Filme in der klassischen Dunkelkammer (Prints, Fotochemie)
Fotografie auf Diafilm
Scannen der Filme und digitale Weiterbearbeitung (zB in Photoshop) = hybrider Workflow
Hochwertige analoge Fotoausrüstungen werden aktuell zu Schandpreisen zB auf ebay verkauft. Profi-Outfit wie Nikons F3, F4 oder F5 mit Motor MD-4 und Spitzenoptik gibt es heute zum Preis einer Mittelklasse-Digital-Spiegelreflex. Dafür bekommt man Werkzeug, das praktisch nicht kaputtmachbar ist ;o) Fotoreporter und Kriegsberichterstatter haben mit diesen Kameras täglich ihr Brot verdient!
Mein Workflow:
Kodak BW400CN oder Kodak Portra 400 NC
Nikon Super Coolscan 5000 ED
Scan ganzer Film > Vorschaubilder (JPEGs) mit Belichtungsautomatik fuer das Archiv
"Rohscan" der Auswahl > Deaktivierung Belichtungautomatik und Nikon-Farmanagement, 16 Bit, hohe Auflösung, ICE-Staubkorrektur ein
Konvertierung der gescannten Negative mit ColorNeg in Photoshop
festgelegte Bearbeitung (Vorschärfen, Retusche, Korrektur Verzeichnung, Schwarz-/Weißpunkte setzen, Helligkeit und Kontrast anpassen, Detailkorrekturen. Vieles davon in Adobe Camera RAW, das auch JPEGs und TIFs verarbeiten kann = kleine-feine Bildbearbeitung für sich!)
durchgängiges Farbmanagement
Ablage der bearbeiteten Bilder als 8-Bit-TIFFs (Master-Files), Schärfen flexibel je nach Ausgabe mit Einstellungsebene PhotoKit Sharpener, die danach wieder gelöscht wird
Fotos, die zur Präsentation auf subworld.at vorgesehen sind, werden mit Photoshop-Aktionen passend heruntergerechnet (Nachschärfen inklusive)
Fotografieren auf Film macht heute fast mehr Spaß als früher. Probieren Sie es aus! :-)











