Andreas Feininger - zeitlose Referenz
Sonntag, 27. Juli 2008, 12:14
Auch in der Fotografie gilt selbstverständlich: Wer in Technik und Aussage weiterkommen möchte, braucht neben einer eigenen Vorstellung von der Sache gute Lehrer und Ratgeber.
Für mich war und ist Andreas Feininger ein ständiger Bezugspunkt in Sachen Fotografie, der in seinen zahlreichen Lehrbüchern und Bildbänden kompromisslos und klar zu fototechnischen und gestalterischen Fragen Stellung bezieht, ohne den Leser zu bevormunden. Seine in den 1930er- bis 1980er-Jahren erschienen Werke sind - auch und gerade in der Digitalfotografie - zeitlose Referenz und wurden seitdem mehrfach neu aufgelegt.
Jedes Buch von Andreas Feininger ist eine uneingeschränkte Empfehlung - wenn Sie die Gelegenheit haben eines zu erwerben, tun Sie es!
Vielleicht etwas Spirituelles?
Dienstag, 8. Juli 2008, 22:06
Die analoge Filmfotografie ist alles andere als tot. Die digitale Umwälzung in der Fotografie hat zwar den Massenmarkt an sich gerissen, anspruchsvolle Analogfotografie hat jedoch nach wie vor ihre Freunde und Adoranten, siehe zum Beispiel nach bei Google. Wenn auch das Angebot an analogen Fotoapparaten drastisch reduziert ist (abgesehen vom riesigen Gebrauchtmarkt), das Angebot an Filmen und Ausrüstung für Selbstverarbeiter ist nach wie vor umfangreich, spezialisierte Händler liefern wie je altbewährte Produkte von Ilford, Kodak, Fuji, Jobo, Paterson, Kaiser etc.
Erstaunlich, denn für mich sah es bis vor kurzer Zeit noch so aus, als ob die Filmfotografie den tragischen Weg von Super-8 gegangen sei - buchstäblich über Nacht ins Nichts verschwunden. Und das zu Recht meinte ich, denn spätestens seit der Verfügbarkeit digitaler (Kleinbild)Vollformatkameras wie zum Beispiel der Canon EOS 5D mit ihrer herausragenden Bildqualität gäbe es für das Einlegen von Film doch wirklich kein Argument mehr, so mein Denken nach rund fünf Jahren ausschließlicher Digitalfotografie. Heute fotografiere ich sowohl digital als auch - wieder - analog, scanne meine Filme ein und fühle mich als Fotograf endlich wieder komplett.
Ich bin der Überzeugung, dass Film Qualitäten hat, die digital ganz einfach nicht zur Verfügung stehen. Zum Beispiel Schwarzweiß - Kontraste und Tonwertunterschiede, wie sie mir beispielsweise der chromogene BW400CN von Kodak oder der ebenso auf Farbfilmtechnologie basierende XP2 Super von Ilford liefern, kriege ich rein digital so ganz einfach nicht auf Monitor und Papier. Damit meine ich nicht, dass es technisch nicht möglich wäre, Schwarzweiß digital klappt sogar hervorragend. Nein, es ist vielleicht eher etwas Spirituelles, rational nicht Erklärbares, vielleicht auch nur Nostalgie - ich nenne es jedenfalls die Seele der Filmfotografie.
Film lebt,
zeigt Unregelmäßigkeiten, verhält sich (als Negativfilm) gutmütig gegenüber hohem Beleuchtungskontrast, riecht gut nach Lösungsmittel, verschwindet nach der Belichtung raschelnd in seiner Patrone, kann in die Hand genommen und staubig werden, zeigt Kratzer und Entwicklungsfehler, stapelt sich im Kühlschrank und versteckt seine Qualitäten bisweilen unter einer orangefarbenen Maske. Die Belichtung einer Filmrolle ist ein Erlebnis - die Belichtung einer Speicherkarte ebenso, aber es ist nicht dasselbe.
Probieren Sie es am besten selbst aus, vielleicht haben Sie ja ihre alte analoge Fotoausrüstung noch im Schrank liegen? Und schämen Sie sich bitte nicht, wenn Sie sich öffentlich zu Film bekennen, im Gegenteil, genießen Sie es, mit ihrer analogen Kamera im Mittelpunkt zu stehen! Es geht - auch wenn es die Umstehenden nicht glauben wollen - auch ohne Display! ;)
Viel Spaß und "spirituelle" Einsichten dabei wünscht Ihnen herzlichst
Andreas Thaler







