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L?

Rekreation

Sonntag, 17. Februar 2008, 19:57

Können Sie in Begleitung fotografieren? Ich meine nicht das Bildermachen im Familienkreis oder das Fotografieren von Portraits, sondern das Aufnehmen Ihrer ganz speziellen Motive, sei es in der Stadt oder in der Natur.

Ich kann es nicht, da Fotografieren für mich eine Art von Selbstversenkung ist, ein stilles Betrachten und Aufgehen in der Umgebung. Ein innerer Dialog mit der eigenen Vergangenheit, um zu verstehen, warum ich heute und hier ein Motiv erkenne und fotografieren möchte. Immer ist es ein langer und tiefgehender Ausflug in das Selbst dem oft, nach Stunden, ein beglückender Ausstieg in Frieden und Versöhnung mit dem Vergangenen folgt.

Wahrhaftige Rekreation - dafür muss ich allein sein.

Kein Wunder ...

Samstag, 16. Februar 2008, 23:41

Bildbearbeitung ist wie Jiu-Jitsu - man lernt zu Beginn einzelne Techniken, die man dann nach und nach intuitiv als Ganzes anwendet, dem jeweiligen Bild, der jeweiligen Situation angepasst.

Voraussetzung, diese Fähigkeit zu erlangen und zu halten, ist ständige Übung, Offenheit gegenüber der besseren Alternative und schonungslose Selbstkritik. Nicht nur heute, nicht nur morgen, sondern ein ganzes Leben lang - im Bewusstsein, dass man sich der Meisterschaft bestenfalls nur nähern, diese aber niemals erreichen kann.

Kein Wunder, dass man dann und wann von dem ganzen Krempel nichts mehr wissen möchte! ;-)

Unseren eigenen Weg finden!

Dienstag, 12. Februar 2008, 21:45

... und uns nicht auf die Bretter unserer
 kreativen Ambitionen schicken lassen ...

... und uns nicht auf die Bretter unserer
kreativen Ambitionen schicken lassen ...



Unlängst sah ich im TV ein ausgezeichnetes Portrait über Jim Rakete, inzwischen legendärer deutscher Fotograf, der nicht nur prominente Musiker zu Film und Fotopapier bringt, sondern auch als Musik-Manager deutscher Bands tätig war. Charme und Wortwitz des Meisters beeindruckten mich ebenso wie viele seiner Fotos, die gezeigt wurden. Großen Respekt - das nenne ich Persönlichkeit und fotografisches Können!

Sinngemäß habe ich die Bemerkung von Rakete in Erinnerung, dass er, als Analog-Fotograf, die digitale Bildbearbeitung unter anderem deshalb nicht besonders schätze, da sie für ihn zu viele Möglichkeiten eröffne und er lieber beim "realen Abbild" bleibe, das seiner Meinung nach nur die analoge Fotografie liefern könne und welches er gar nicht überbieten möchte.


Das hat was für sich,

angesichts der tatsächlich unzähligen Möglichkeiten, ein Bild digital zu bearbeiten (ich schreibe nicht von Manipulation), kann einem in der (immer etwas dubiosen) Gesellschaft von Photoshop schon einmal bang werden. Und je mehr Erfahrung man in der Bildbearbeitung hat, desto mehr Varianten beim Pixel-Einstellen eröffnen sich einem - da kann man sich, hopp-tropp, tatsächlich unversehens in technischen Spielereien verlieren. Aber ich finde es den falschen Ansatz, dafür das Medium verantwortlich zu machen. Solange noch der Mensch die - digitalen - Regler zieht, liegt es nur, und ganz alleine!, an ihm, dies auch nach seinen ganz konkreten Vorstellungen zu tun.

Niemand kann mich zwingen, alle Photoshop-Werkzeuge und Verfahren auf ein Bild loszulassen, wenn ich es nicht will. Niemand hindert mich jedoch auch daran, mir aus dem Angebot an Bearbeitungsmöglichkeiten und Werkzeugen diejenigen herauszusuchen, die meiner Arbeitsweise entsprechen und die mir beim Umsetzen meiner Vorstellungen nützlich sind. Vorausgesetzt natürlich, dass ich überhaupt konkrete Vorstellungen habe, wie das jeweilige Bild denn dann im Ergebnis aussehen soll.


Machen wir uns nichts vor

und hadern wir schon gar nicht damit: Die digitale Bildbearbeitung mit all ihren Möglichkeiten stellt tatsächlich weitaus höhere Anforderungen an die Vorstellungskraft und (künstlerische) Disziplin des "Laboranten", als dies in der klassischen Dunkelkammer der Fall war.

Ich sehe die digitale Fotografie und Bildbearbeitung nicht nur als einen bloßen technischen Fortschritt, sondern auch als Herausforderung, meine Fähigkeit zur Imagination ständig zu fördern und zu entwickeln. Ganz besonders angesichts des Umstandes, dass wir heute, 2008, in Bildern geradezu zu ersaufen drohen: Zum alten Familienalbum mit Fotoklebeecken kommen die privat-exhibitionistschen Bilder(an)sammlungen im Web, die Picture communities mit ihren endlos-bunten Bilderfluchten, die Fotowebsites arrivierter Fotografen und Fotokünstler, die mit Fotos gepflasterten Portale von Nachrichten-Sites, die Online-Bildkataloge mit ihren Thumbnails-Teppichen usw. Von der Bilderflut in herkömmlichen Papierzeitungen/-magazinen und in Prospekten-aus-dem-Hausbrieffach gar nicht zu sprechen.


Alles ist, so scheint es,

schon einmal gesehen, fotografiert und bildbearbeitet worden - alles ist mühelos verfügbar. Eigentlich eine fatale Situation, eine Situation zum Resignieren.

Und damit ein ganz klarer Auftrag, ein unentrinnbarer Appell!, an unsere kreativen Ressourcen: Wir müssen in diesem Bilderwust unseren eigenen Weg finden, an unsere eigenen Bilder - und damit an uns! - glauben, ohne uns von gelegentlich auftretenden Sinnlosigkeitsgefühlen oder Anflügen von Depression auf die Bretter unserer Ambitionen schicken zu lassen. Das Heer der Passiven, Resigniert-Habenden und Nur-mehr-Rezipierenden ist ohnehin schon groß genug, bleiben wir auf der Seite derer, die Stoff zur Anregung, Unterhaltung, Zerstreuung - im günstigen Fall - zum Nachdenken und Auseinandersetzen produzieren!


1986,

in der Abgeschiedenheit meiner Badezimmer-Dunkelkammer, stellten sich mir solche Themen und Fragen nicht. Das kann aber auch daran gelegen haben, dass ich damals schlicht und einfach jünger war.

Oder hatte es doch mit dem Medium und seiner Zeit zu tun?

Ich weiß es nicht.

Josef Schöner: Wiener Tagebuch 1944/1945

Sonntag, 3. Februar 2008, 19:55

Eben lese ich zum zweiten Mal die Tagebuchnotizen des österreichischen Diplomaten Dr. Josef Schöner, die er im Zeitraum September 1944 bis Dezember 1945 in Wien niedergeschrieben hatte.1 Klar, präzise und sorgfältig in der Schilderung der Details, beschreibt Schöner die Zeit der schweren Luftangriffe als Auftakt zur "Schlacht um Wien", die mit der Eroberung der Stadt durch die Rote Armee im April 1945 endete, sowie die ersten Monate der Besetzung, als sich Österreich bereits wieder politisch zu konstituieren begann.

Man erhält durch die Aufzeichnungen Schöners ein ungewöhnlich deutliches Bild einer geschichtlich hochinteressanten Epoche, als sich mit dem Niedergang der siebenjährigen nationalsozialistischen Herrschaft die politische Zukunft Österreichs und seiner Bevölkerung als noch weitgehend ungewiss darstellte, während der Zweite Weltkrieg in Europa noch nicht beendet war. Josef Schöner beschreibt nicht nur das was er sieht und erlebt, sondern kommentiert zusätzlich die Ereignisse aus der Sicht des diplomatisch geschulten Beobachters hinsichtlich ihrer möglichen politischen und gesellschaftlichen Bedeutung für die Zukunft Österreichs. Trotz Verbots während der NS-Zeit fotografierte er heimlich die durch Luftangriffe (und später durch Kampfhandlungen während der Eroberung) verursachten Zerstörungen - eine Auswahl der Fotografien, die die schweren Schäden in der Innenstadt zeigt, ist im Buch abgebildet.

Das "Wiener Tagebuch" beeindruckt und macht betroffen. Meine Stadtwanderungen erfahren durch das erneute Lesen eine große Bereicherung, viele Straßen und Adressen sehe ich jetzt, auch fotografisch, aus einer neuen Perspektive. Man kann sich einfach nie genug mit Geschichte, insbesondere der des eigenen Wohnortes, befassen.

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1Josef Schöner: Wiener Tagebuch 1944/1945, Eva-Marie Csáky, Franz Matscher, Gerald Stourzh (Hrsg.), Wien/Köln/Weimar: Böhlau, 1992,
491 S.