< September • 2006 >
S M D M D F S
1 2
3 4 5 6 7 8 9
10 11 12 13 14 15 16
17 18 19 20 21 22 23
24 25 26 27 28 29 30

L?

"B/W Styler" - das Beste aus zwei Welten

Freitag, 29. September 2006, 20:09

Während der letzten Monate war es recht still auf dem Markt für digitale Bildbearbeitungstools. Da und dort Produktpflege bekannter Hersteller, die Vorstellung einiger neuer Plug-ins mit jedoch eher bescheidenem Nutzen für die ernsthafte Anwendung, das mittlerweile zum Dauerlauf und langweiligen Permanent-PR-Event mutierte Entwicklungsrennen von Apples Aperture und Adobes Lightroom als künftige Alternative (??) zum bewährten Photoshop-Workflow, das übliche Warten auf die nächste Version von Photoshop - aber sonst für engagierte Bildbearbeiter wenig Neues, das es sich auf den Rechner zu laden lohnte. Fast schien es, als seien den Programmentwicklern die Ideen abhanden gekommen beziehungsweise wäre alles schon geschrieben, was an Software für die feine Bearbeitung von Bildern am Rechner notwendig ist.

Das ist nun Vergangenheit, endlich sorgt wieder eine echte Innovation für Begeisterung und neue Möglichkeiten im digitalen Fototuning! Möglichkeiten in einer Fülle, die insbesondere auch den professionellen Anwender ansprechen werden:

"B/W Styler", ein neues Plug-in aus der Softwareschmiede von Harald Heim ("The Plugin Site"), das die ausgefeilte Konvertierung von Farbfotos in Schwarz-Weiß ermöglicht und dabei Denk- und Arbeitsweisen der klassischen Film-/ Papierdunkelkammer mit jenen des digitalen Fotolabors zusammenführt. Das beste aus zwei fototechnischen Welten wird so für den Bildbearbeiter in einer Anwendung zugänglich.

Ähnliche Ansätze gab es bereits in Form durchaus brauchbarer Lösungen als Plug-ins für Photoshop, B/W Styler ermöglicht jedoch in einer bisher einzigartigen Weise, beide Konzepte ganz nach Belieben in einem einzigen Workflow zu kombinieren und so digitale Techniken mit (emulierten) Verfahrensweisen der "Chemie-Duka" zu vereinen. Für den Anwender steht damit ein mächtiges Tool zur Umwandlung digitaler Farbbilder zur Verfügung, das dank einer übersichtlichen und logisch strukturierten Benutzeroberfläche sofort intuitiv einsetzbar ist und mit Features wie Effektfiltern, Infrarotfilm-Simulation, getrennter Schatten- und Lichterkontrolle, Maskierungen, digitalem Filmkorn, Tönungen, Emulation klassischer Schwarz-Weiß-Filme und anderem mehr, weit über das hinaus geht, was bisher für die anspruchsvolle Schwarz-Weiß-Konvertierung am Rechner zur Verfügung stand.


Erfreulich,

dass Harald Heim sein bewährtes Konzept von Laien- und Expertenmodus (bekannt zum Beispiel aus seinem Plug-in FocalBlade zum fortgeschrittenen Schärfen von Digitalfotos) auch in B/W Styler beibehält. Damit ist für ein erstes Ausprobieren des Tools die Lektüre des mitgelieferten übersichtlichen und ausführlichen Handbuches eigentlich nicht notwendig.

So wird der Bildbearbeiter im "Photography Mode", der die - sicher vielen Anwendern noch vertraute - klassische Schwarz-Weiß-Dunkelkammer simuliert, auf Wunsch von graphischen Symbolen unterstützt, die die Bearbeitung seiner Bilder mit nahezu allen aus der "Duka" bekannten Techniken auf einfache Weise ermöglichen. Jederzeit ist dabei der Switch in andere Modi möglich, um beispielsweise die Tonwerte bestimmter Farben anzupassen oder Kontrast und Helligkeit einzustellen. Dabei wird man selbstverständlich von einem Histogramm (15 Anzeigearten), einer Lichterkontrolle sowie einer Infoanzeige (RGB-/HSL-Werte jeweils im 8- beziehungsweise 16-bit-Modus, Anzeige Cursorposition) unterstützt. Features, die man für die kontrollierte Bearbeitung seiner Fotos unbedingt benötigt, jedoch üblicherweise nur in den großen Bildbearbeitungsprogrammen tatsächlich dann auch findet. Eine interaktive Hilfefunktion sowie die Möglichkeit, verschiedene Einstellungen individuell anzupassen, runden B/W Styler überzeugend ab.


Highly recommended!

Eine Demoversion von B/W Styler ist auf The Plugin Site erhältlich. Der Preis von rund EUR 50,- ist für den Leistungsumfang des Programms mehr als angemessen.



Screenshots B/W Styler (Mausklick zur vergrößerten Darstellung)


Expert Mode, hier zur selektiven Steuerung von Tonwerten sowie zur Simulation von Filmkorn

Expert Mode, hier zur selektiven Steuerung von Tonwerten sowie zur Simulation von Filmkorn



Emulation klassischer Schwarzweiß-Filme (eingestellt ist der HP5  von Ilford) kombiniert mit Histogrammanzeige, hier im RGB-Modus.

Emulation klassischer Schwarzweiß-Filme (eingestellt ist der HP5 von Ilford) kombiniert mit Histogrammanzeige, hier im RGB-Modus.



Zahlreiche vorgegebene Sets für Tönungseffekte inklusive Möglichkeit zur individuellen Anpassung von Farbton und Sättigung

Zahlreiche vorgegebene Sets für Tönungseffekte inklusive Möglichkeit zur individuellen Anpassung von Farbton und Sättigung

Identitätsverlust

Sonntag, 24. September 2006, 20:11

Die Stadt wandelt sich und verliert dabei zunehmend an Identität, mit jeder neu renovierten Fassade geht sie weiter eines Teils ihrer Geschichte verlustig.

Es ist der Zeitraum ab den späten 40er-Jahren, der noch nicht (und auch in Zukunft nicht?) als historisch gilt und deshalb bewahrt wird. Und so verfallen, fallen oder verblassen Woche für Woche ehemalige Gaststätten, verchromte Geschäftsportale, Erholungsanlagen, kopfsteingepflasterte Trottoirs, Neonschriftzüge und Feuerwandmalereien. Wo sich die Stadtgeschichte gerade verschämt bemüht, den architektonischen Nachlass der NS-Herrschaft zu erhalten und sich damit aufrafft, auch unbequeme Historie zu dokumentieren, entschwinden die architektonischen und gestalterischen Leistungen der Nachkriegszeit ohne weiteres Aufsehen, indem sie dem Zweckbauen der Gegenwart ohne jede Diskussion weichen müssen.

Das es besser geht, zeigen die Wohnhausanlagen Wiens der 50er, 60er und 70er-Jahre, die weiterhin ihrem einstigen Bestimmungszweck genügen. Sie vermitteln in ihren stillen Höfen und in ihren schon in die Jahre gekommenen patinierten Grünanlagen noch etwas vom Leben und den sozialen Visionen damals - die Gedenktafeln in den Einfahrten und Eingängen eines jeden Wohn-Hofes nennen dazu akribisch, wer hier jeweils politisch und architektonisch Kopf und Hand anlegte; wer wüsste sonst noch etwas mit den großen Namen der Wiener Sozaldemokratie dieser Zeit und ihren beauftragten Technikern und Architekten anzufangen.

Wien wäre gut beraten, sich auch dieser, seiner jüngsten Zeitgeschichte, samt ihrer architektonischen und gestalterischen Zeitdokumente mit mehr Wahrnehmung und Sensibilität zu besinnen. Geschichte reicht schließlich nicht bis 1945, sondern durchaus schon bis gestern.

Kopf und Schrank entlasten

Samstag, 23. September 2006, 13:21

Vier waren - insgesamt gesehen - dann doch
 zuviel ...

Vier waren - insgesamt gesehen - dann doch
zuviel ...


Ich hätte es mir bis vor Kurzem nicht vorstellen können, jetzt ist es aber bereits schon wieder einige Tage Realität und ich wundere mich nur, dass ich es nicht schon viel früher getan habe: Ich habe zwei Kameras aus meinem Equipment abgegeben, zwei Technikpersönlichkeiten, mit denen ich über Jahre gerne gearbeitet hatte und die mir so ans Herz gewachsen waren.

Der Entschluss kam plötzlich und mir ging es dabei gar nicht so sehr um ein gutes Verkaufsergebnis, als darum, Kopf und Schrank von Technik zu entlasten, die ich letztendlich nicht mehr in Verwendung hatte. Zusätzlich empfand ich es mittlerweile als richtiggehende Belastung, das notwendige Wissen zur Bedienung von vier Kameras im Kopf mit mir herumzuschleppen und stets à jour zu halten, was ja ohnehin bei der jeweiligen Komplexität der Geräte nicht mehr sinnvoll zu machen war, mit der Konsequenz, dass ich keine der Kameras mehr vor Motiv intuitiv bedienen konnte, wie es für eine ebensolche Fotografie unbedingt erforderlich ist. Dass ich inzwischen auch bereits Probleme hatte, aus dem Schrank auf Anhieb das richtige Ladegerät für die jeweiligen Akkus hervorzuziehen, trug dazu bei, mir den Entschluss leicht zu machen, hier einmal ordentlich aufzuräumen (von "Ausmisten" schreibe ich bewusst nicht, weil es ja nicht um eine Entrümpelungsaktion ging).

Überraschend schnell ging es dann, geeignete Abnehmer zu finden, und das Gefühl der Erleichterung, dass sich nach jedem "Deal" einstellte, war ebenso angenehm wie jenes, wenn ein eben gekauftes, neues Gerät zu Hause ausgepackt wird.

Meine beiden verbliebenen Kameras heissen Canon EOS 5d und Canon Powershot S60 - eine digitale Spiegelreflex- und eine digitale Kompaktkamera, ein ideales Gespann für nahezu jede Aufnahmesituation.

So wünsche ich meinen beiden abgegebenen einstigen Begleiterinnen noch ein langes und produktives Leben in engagierter Fotografenhand und freue mich über die gemachte Erfahrung und viel Geld, das ich mir dadurch in Zukunft sparen werde. Denn ich möchte nicht mehr in die Situation kommen, aus vier Kameras, vier Ladegeräten und vier Handbüchern auswählen zu müssen, um dann letztendlich doch nur das Gefühl zu haben, mit eigentlich nichts wirklich mehr Vertrautem in der Hand fotografieren zu wollen.

Bis jetzt ...

Freitag, 15. September 2006, 21:34

... äh - war ich ja der Meinung, interessante und anregende Diskussionsforen im Internet zu grundsätzlich Allem findet man eher jenseits der virtuellen Landesgrenzen denn bei uns. Mit rot angelaufenem Gesicht korrigiere ich hiermit öffentlich meine Fehlmeinung: Wenn Sie sich nicht nur für Fotografie interessieren (hier, bei subworld.at, sollten Sie diesbezüglich ja einigermaßen gut bedient werden), sondern auch für Motive und den Weg dorthin, darf ich Ihnen www.gipfeltreffen.at sehr ans Herz legen. Dort finden Sie interessante Diskussionen zu allem, was mit Bewegung durch die Natur im engeren und weiteren Sinn zu tun hat sowie zu den Dingen, die man dabei braucht und brauchen kann. Selbstverständlich tun sich auf gipfeltreffen.at nur nette Leute um und treffen; meine Sprudeleien dort, vorwiegend zu technischen Angelegenheiten, finden Sie übrigens unter dem Nick Ando.

Natürlich nur, wenn Sie das interessiert.

Und: Sie sollten - so wie ich gerade - öfters einmal Coldplay via Kopfhörer erleben! %-)

SchöWE!

Andreas Thaler

Jetzt, im Spätsommer ...

Sonntag, 10. September 2006, 21:05



... offenbart sich das Wesen dieser Stadt am eindrucksvollsten und unmissverständlichsten. Eine tiefe Melancholie liegt ihr zugrunde die auch heute noch aus ihren imperialen Bauten, Kirchen, Denkmälern und Gedenktafeln schimmert. An sonnigen Tagen ist es ein goldenes Leuchten, das diese Traurigkeit als heitere Koketterie mit der Vergänglichkeit und dem Tod erscheinen lässt. Nirgendwo erlebe ich Verzweiflung und Hoffnung zugleich und intensiver als hier in Wien.

Abdrücken für Voyeure

Samstag, 9. September 2006, 12:31

Draufstürzen auf Schicksale zur Bedienung
 des Voyeurismus

Draufstürzen auf Schicksale zur Bedienung
des Voyeurismus


Ich habe in den letzten Wochen wenig fotografiert. Ein paar private Bilder zur Erinnerung an Ausflüge, Blick-in-die-Ferne-Richtung-Bratislava, grüne Wiesen und blauer Himmel, Sonnenflecken im stillen Mittagswald - nichts davon nahm ich aber bewusst auf um es auf subworld.at zu zeigen.

Flaute, Fadesse, Müdigkeit, Interesse am Werk verloren?

Nein, ich glaube, mein relativ fotoloser Sommer 2006 war für die eigene Ausrichtung wichtig und es ist gut, dass ich mir die Zeit dafür genommen habe. Es sind neue Ideen entstanden, andere verworfen worden, die Fotoausrüstung wurde im Sinne der "technischen Komplexitätsreduktion" durchforstet, nicht mehr benutzte Gerätschaft wurde ausgemustert. Es belastet mich, wenn leistungsfähige Technik im Schrank untätig dahindämmert und dennoch Aufmerksamkeit beansprucht, und sei es nur, nicht versehentlich das falsche Ladegerät hervorzuziehen.

Aber da war in den letzten Wochen noch etwas, das mich die Kamera nur selten in die Hand nehmen ließ.

Es war der Ekel vor dem, was Fotografen, die über die gleiche oder ähnliche Ausrüstung wie ich verfügen, damit anstellen.

Ja, ich meine diese Sensationsfotografie, dieses Draufstürzen auf Schicksale, wo es nicht um Anteilnahme, Mitfühlen oder zumindest respektvolles Interesse geht, sondern um gezieltes Abdrücken zur Bedienung des Voyeurismus jener, die bei der Betrachtung der Bildresultate wohlig erschauern und dabei genüsslich ihren Sonntagnachmittagkaffee schlürfen.

Aufgenommen wird genau mit den Kameras und "verfeinert" mit genau der Bildbearbeitungsoftware, die auch wir für unsere Fotografie verwenden, die wir achten und bisweilen heimlich auch lieben.

Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass man durch ein Objektiv immer von zwei Seiten blicken kann. Der Fotograf der glaubt, nur er sehe sein Motiv, belügt sich selbst. Genauso wird der Fotograf selbst durch sein Objektiv sichtbar und jedes Bild erzählt folglich auch etwas über die Beziehung von Motiv und Fotograf.

Und das lässt mich für die Fotografie hoffen und nicht an ihr verzweifeln.