Ein Tag fotografische Freiheit!
Sonntag, 28. Mai 2006, 15:39
Ausgebrannt? Keine Fotoideen mehr? Die Beschäftigung mit Fototechnik macht die Lustlosigkeit nur noch schlimmer? Zweifel an sich selbst als Fotograf?
Vergessen Sie für einen Tag, was Sie über Fotografie und Fototechnik wissen und drehen Sie das Modus-Wahlrad Ihrer Kamera auf AUTO oder "P" für "Programm". Jetzt steht Ihrer Erholung und Wiederherstellung nichts mehr im Wege. Drücken Sie anschließend einfach auf den Auslöser sobald es Sie überkommt und denken Sie nicht über das Ergebnis nach. Die Kamerautomatik wird Ihnen in fast jedem Fall brauchbare Resultate liefern.
Aber heute, an diesem besonderen Tag, geht es gar nicht so sehr um das Ergebnis, sondern um das Wiedererwachen Ihrer Lust am Fotografieren. Die ist Ihnen nämlich mit großer Wahrscheinlichkeit durch zuviel Beschäftigung mit der Technik und Ihren Fotomotiven ("bewusstes Fotografieren") beziehungsweise mit der unseligen Frage, ob Sie als Fotograf vor sich selbst oder anderen bestehen können, vorübergehend abhanden gekommen.
Machen Sie Ihre Fotos an diesem Tag so fröhlich, staunend und unbeschwert wie damals, als Sie Ihre erste Kamera in Händen hielten, Sie in die Welt stürmten und voller Erwartung alles aufnahmen, was Ihnen gerade vor das Objektiv kam. Und sich über die Fototechnik oder die Frage "was ist ein gutes Foto?" keine Gedanken machten.
Gönnen Sie sich diesen einen Tag fotografische Freiheit! Ihre Arbeit als "ernsthafter Fotograf" wird davon mit Sicherheit profitieren.
Die Erinnerung an den Tod inmitten der Stadt
Freitag, 26. Mai 2006, 17:30
Bei meinen Wanderungen durch die Stadt komme ich oft an alten Geschäftsportalen vorbei, viele noch aus Holz mit handgemalten Schildern, die blass und blätternd über den Namen des Inhabers und die Art seines Gewerbes Auskunft geben. Verschlossen und verbarrikadiert durch grau-rostrote Rollläden, die vor Jahrzehnten für immer hinabgezogen wurden, in Ritzen und Mauerwerk der Staub der Stadt, wie er ein Menschenleben lang und länger sich leise angesammelt hat. Besonders an Sommertagen nimmt man bisweilen einen kühlen Modergeruch aus zerfallenden Kellerfenstern wahr, der einen unwillkürlich zum Verharren und Lauschen anhält, als ob man die Vergänglichkeit hören könne.
Die meisten Menschen die hier vorbeikommen, nehmen meiner Beobachtung nach das Besondere des Ortes nicht wahr, und wenn, dann schauen sie wohl, möglichst rasch vorbeizukommen - die Düsternis und die Erinnerung an den Tod inmitten der Stadt passen nicht zu Betriebsamkeit, polyphonen Klingeltönen und Einkaufserlebnis am Samstagnachmittag. Für viele der Passanten ist es wohl im Unbewussten eine Erlösung, wenn endlich wieder so eine nicht sterben wollende Ruine abgetragen und an ihrer Stelle etwas Neues, Modernes, Lebendiges errichtet wird.
Mich hingegen ziehen diese Lokale an, immer versuche ich, einen fotografischen Bezug zu ihnen zu finden, sei es eine Interaktion mit der Gegenwart oder eine Metapher. Hier wird für mich für eine kurze Zeit die Vergangenheit zum Jetzt, ich versuche mir vorzustellen, wie hier vor vierzig, fünfzig Jahren oder länger das Leben schillerte, was gekauft und dabei gesprochen wurde, was die Leute in und um dieses Geschäft bewegte und was in der Zeitgeschichte damals gerade passierte. Wie schade jedoch, wenn es außer der Besonderheit des Ortes fotografisch nicht mehr festzuhalten gibt. Ich denke mir dann, ich hätte eigentlich die Verpflichtung, hier zu dokumentieren, fotografisch Partei zu ergreifen für Überkommenes, das nicht vom Denkmalschutz zur Konservierung vorgesehen ist und damit zum Abriss freisteht.
Aber dieses "nur Dokumentieren" gelingt mir nicht, es muss für mich inhaltlich mehr sein als ein bloßes Abbild. Und immer kommt dann Trauer in mir auf und die Frage, ob es tatsächlich nur das Motiv ist oder in diesem Fall nicht vielmehr meine Unfähigkeit, Zusammenhänge zu erkennen und in Bilder umzusetzen, die mich am Auslösen hindert.
Solche Begegnungen sind bedrückend aber sie geben mir auch Kraft und Fortschritt im Erkennen, weil es hier für mich immer auch um die Frage nach Wahrheit geht.
Wiederkommen
Sonntag, 21. Mai 2006, 20:03
Es lohnt sich immer, Plätze, die man bereits aus fotografischer Sicht begutachtet hat, nach einigen Monaten oder Jahren nochmals mit der Kamera aufzusuchen. Denn der Ort selbst hat sich inzwischen verändert und die eigene Wahrnehmung und Erkenntnisfähigkeit haben sich weiterentwickelt.
Woran man also gestern noch vorbeiging oder was man nicht als Bild erkannt hatte, wird heute vielleicht zu einem der besten Fotos, das man je gemacht hat.
8000er Photoshop
Samstag, 20. Mai 2006, 22:21

... und wer nicht samt seinem Enthusiasmus
zu Tode gestürzt ist, versucht es kurz darauf
aufs Neue ...
Der letzte unbezwungene 8000er dieser Erde heißt Photoshop. Jeden Tag und jede Nacht stürmen weltweit ungezählte Scharen ehrgeiziger Bildbearbeiter die steilen Flanken des Programmes, krallen sich in eisige Histogrammzacken, schinden sich durch dreidimensionale Farbräume, schlagen Messpunkte in Bilddateien, fluchen, verzweifeln, rutschen ab - und wer von diesen Verwegenen nicht samt seinem verzweifelten Enthusiasmus zu Tode gestürzt ist, versucht es kurz darauf aufs Neue:
Den Gipfel der Bildbearbeitung zu erklimmen, den 8000er Photoshop zu beherrschen.
Ich habe noch von keinem gehört, dem das gelungen sein soll.
Tatsächlich gibt es wohl wenige Programme,
die so herausfordernd und fordernd sind wie Photoshop. Eine Vielzahl an Werkzeugen, Techniken, Vorgehensweisen und natürlich auch Ansichten zur Fotografie ergeben in Kombination mit PlugIns eine unüberschaubare Zahl an Varianten, um Bilder zu bearbeiten und zu gestalten.
Es macht daher Sinn, bereits zu Beginn der Sitzung mit Photoshop eine konkrete Vorstellung zu haben ("Visualisation"), was das Ziel der Arbeit sein soll. Geht man ohne dieses "Bild vom Bild" zu Werke, ist die Gefahr groß, sich in Experimenten oder, schlimmer noch, in ungezielten, redundanten beziehungsweise gegenläufigen Bearbeitungsschritten zu verlieren, die die technische Qualität der Bilddatei ohne Nutzen vermindern.
Experimente sind grundsätzlich nichts Schlechtes und bringen neue Erfahrungen und Einsichten, aber sie kosten auch Zeit und führen labile Bildbearbeiternaturen schon einmal in Krisen, weil für viele experimentell erzeugte Bildphänomene im Nachhinein die rationale Erklärung - und damit die Reproduzierbarkeit - fehlt. Manch einer soll sich bereits für immer von Photoshop verabschiedet haben weil er das Programm - zu gut Wienerisch - intellektuell nicht "derpackt" hat (oder das zumindest von sich annahm). Ausgesprochene Künstlernaturen ohne besondere technische Kenntnisse und Bekümmerung haben es hier sicher leichter, allerdings ist ihre Aufstiegshöhe begrenzt, da es am Berg ohne Technik nicht weitergeht.
Ich denke, man sollte bei der Arbeit mit Photoshop einen Mittelweg gehen, der - wenn schon nicht zum Gipfel - durchaus zu höheren Regionen führen kann:
Weg mit der Vorstellung, alles verstehen und machen zu müssen, Zusammenstellung von wenigen Einzeltechniken (die einem praktisch wie theoretisch geläufig sind) zu einem individuellen und sinnvoll angelegten Workflow1, Optimierung und Ausbau dieses Workflows von Projekt zu Projekt und nicht zuletzt natürlich auch Vertrauen in die eigene Intuition und Übung.
Es bleibt so zwar der Blick ganz nach oben zur - unerreichbaren - Spitze. Aber was wäre das Leben, wenn man keine Ziele und Sehnsüchte (und Illusionen!) mehr hätte - auch in der Bildbearbeitung! ;-)
--
1 Lektüreempfehlung zum Thema "Workflow in der digitalen Bildbearbeitung":
Bettina und Uwe Steinmüller, Die digitale Dunkelkammer, Vom Kamera-File zum perfekten Print. Arbeitsschritte, Techniken, Werkzeuge, dpunkt.verlag, Heidelberg, 2004
Glücklich über das verflixte erste Jahr hinaus
Donnerstag, 18. Mai 2006, 22:09

Die Antworten müssen Sie natürlich selbst für sich finden ...
Angesichts des mittlerweile so gut wie unüberschaubaren Angebots an Digitalkameramodellen kann die Auswahl schon einmal zu einer regelrechten Tortour ausarten. Schließlich möchten Sie für Ihr Geld ja einen entsprechenden Gegenwert erhalten und nicht in elektronische Nutzlosigkeit investieren.
Bevor Sie sich dem nächstbesten - geschulten - Verkäufer anvertrauen oder jede Kontrolle über sich im Webshop verlieren, machen Sie sich bewusst, dass Ihnen ein paar wenige, aber dafür gezielte, grundlegende Fragen die Entscheidung wesentlich erleichtern können. Sie erhöhen mit dieser Selbstbefragung zudem dramatisch die Wahrscheinlichkeit, mit Ihrem Kauf auch über das "verflixte erste Jahr"1 hinaus noch glücklich zu sein. Fragen Sie sich:
Warum will ich fotografieren?
Was will ich fotografieren?
Wieviel bedeutet mir Fototechnik?
Was soll mit meinen Digitalfotos nach der Aufnahme geschehen?
Und: Ist mir ausreichend klar, dass Qualität immer ihren Preis hat und aus dem Verkaufserlös chiquer kleiner Kameras auch stets deren Designer bezahlt werden muss?
Die Antworten müssen Sie natürlich selbst für sich finden. Starten Sie aber nicht gleich ihre bevorzugte Internet-Suchmaschine, sondern lehnen Sie sich ein paar Minuten zurück und lassen Sie die Fragen entspannt durch ihre innere Bilderwelt ziehen. Eine Tasse guten Wiener Kaffees wird Ihnen dabei behilflich sein. Je weniger Sie aktiv nachdenken, desto überraschter werden Sie über das Ergebnis sein!
Ich wünsche Ihnen interessante Einsichten und eine befriedigende Kaufentscheidung!
Herzlichst Ihr
Andreas Thaler
--
1 Bei der derzeitigen rapiden Entwicklung gilt jede aktuelle Digitalkamera spätestens nach einem Jahr als technisch überholt.
Der Einstieg in die wunderbare Welt der digitalen Fotografie und Bildbearbeitung
Sonntag, 14. Mai 2006, 22:17

Die Älteren leiden mehr als die Jüngeren, die
bereits im Digitalen aufgewachsen und
zu Hause sind ...
Was kann, soll man jemandem raten, der - ohne besondere Vorkenntnisse - in die wunderbare Welt der digitalen Fotografie und Bildbearbeitung eintreten möchte, aber nicht weiß, durch welche Pforte er dafür gehen soll?
Ist es besser,
sich auf seinem Weg den schrillen Fotoillustrierten am Kiosk anzuvertrauen oder sind es doch eher deren - nicht minder bunten - elektronischen Pendants im Web, die zu Wissen und Erkenntnis führen? Oder lohnt es sich, den Multimedia-Seiten der diversen Tageszeitungen zu folgen, immerhin berichten solche Medien doch auch in anderen Ressorts "objektiv"? Und wie sieht es mit Freunden und Bekannten als Informationsquelle aus, die, die so lässig-souverän auf Firmenfeiern, Schihütten und in thailändischen Bungalows ihre silbrig glänzenden Digitalkameras vor sich herhalten und ihre Bilder zu Hause dann gigabyteweise auf DVDs brennen, können die das Richtige raten? Dann gibt es auch noch das Fortbildungsangebot der Volkshochschule, wenngleich 150 Euro für "Grundkurs Photoshop" und die darauffolgenden je 250 Euro für die "Photoshopmodule 1 bis 5" doch recht happig sind? Ach ja, fast hätten wir es vergessen, da gibt es ja noch die Bücher, aber welches davon vermittelt wirklich fundierte Information? (Wenn man sich schon die Mühe macht, sich abends unter die Leselampe zu setzen.) Und wenn ich mir einfach irgendeine Digitalkamera und irgendein Bildbearbeitungsprogramm im Multimedia-Store kaufe und die Sache ohne viel Nachdenken ausprobiere?
Wenn das alles nur nicht so unübersichtlich und daher so kompliziert wäre!
Um 1985 herum,
als ich begann, mich für die damalige analoge Fotografie zu interessieren, gab es im Vergleich zu heute ein recht überschaubares Angebot an Informationsquellen. In der Trafik einige Fachzeitschriften auf unterschiedlichem Niveau (aber gleich welche, ohne mindestens ein zwei Aktfotos kam interessanter Weise keine aus), Fotogeschäfte noch mit Fachberatung, die Produktkataloge der Hersteller - und Bücher, die man im Buchgeschäft und nicht online bei Amazon kaufte.
Die Produktzyklen der analogen Fototechnik verliefen gemächlich da die Technik im Wesentlichen ausentwickelt war, viel Neues gab es nicht mehr zu erfinden. Über die ersten Gehversuche der digitalen Fotografie lachte man bestenfalls, das war bestenfalls ein Thema für sonderliche Computerfreaks, die das, was sie "Bilder" nannten, auf kreischenden Nadeldruckern zur Welt brachten, in einer - im Vergleich zu den Produkten der hochgezüchteten Silberfotografie - lächerlichen Qualität.
Ein großes und viel diskutiertes Thema um diese Zeit war die Einführung der ersten analogen Spiegelreflexkameras mit Autofokus, was aber an den Grundlagen der analogen Fototechnik nichts änderte.
Man hatte als Amateur also genug Zeit, sich in aller Ruhe einzulesen und sich mit den Themen der Analogfotografie und der Dunkelkammertechnik auseinanderzusetzen, bevor man sich für eine bestimmte Kamera, einen bestimmten Film und eine bestimmte Verarbeitungsmethode in der Dunkelkammer entschied. Wahre Enthusiasten begnügten sich dabei nicht mit Kenntnis und Verständnis der kamerainternen Belichtungsmess- sowie der konventionellen Dunkelkammertechnik, sondern wagten sich mutig an die Lehrsätze und Begriffe des Zonensystems von Adams heran, damals wie heute in der analogen Fotografie das Nonplusultra an Kontrolle und Aufwand, um Bilder der eigenen Vorstellung in Bilder der Realität umzusetzen. Der Kauf eines Spotbelichtungsmessers mit 1-Grad-Messwinkel zur exakten Bestimmung der Zonen im Motiv war für mich damals Höhepunkt meines Qualitätsstrebens in der Chemiefotografie. Und bis auf die detaillierten chemischen Vorgänge bei Filmbelichtung und -entwicklung hatte ich die analoge Fotografie technisch verstanden, die optische Mathematik großzügig einmal ausgenommen.
Das war einmal und heute ist es völlig anders:
Eine digitale Kamera, eine vermeintliche Sensor-Sensation jagt die andere, was heute um viel Geld an Fotoausrüstung angeschafft wird, ist morgen nicht einmal ein Viertel wert, wer seine Bilder bearbeiten will, braucht einen leistungsfähigen Computer und muss sich mit dem Gerät und allem was dazugehört auch auskennen. Egal was man mit dem Rechner macht, auf Virenschutz, Firewall, Softwareupdates und Backups darf man auf keinen Fall vergessen - um was geht es dabei eigentlich? Bildbearbeitungssoftware gibt es in allen möglichen Ausführungen und Preisklassen, klar, dass man am Laufenden bleiben muss und alle paar Wochen auf die jeweils neue Version aufrüstet. Und was sind jetzt bitte wirklich Pixel, haben Artefakte etwas mit Kunst zu tun und wie schaffe ich es, dass meine Fotos farbrichtig aus dem Heimdrucker kommen?
Konfusion und Orientierungslosigkeit sind die Folgen. Die Älteren leiden darunter mehr als die Jüngeren, die bereits im Digitalen aufgewachsen und zu Hause sind. Ahnungslosigkeit in fotografischen Angelegenheiten ist die Konsequenz - man braucht sich nur x-beliebige "Fotogalerien" im Web ansehen, wo in technischer und gestalterischer Hinsicht nichts zu scheusslich ist, um nicht mit Stolz und der ernsthaft gemeinten Aufforderung, doch bitte das Gezeigte zu kommentieren, ausgestellt wird.
Ich kann nur zu einem raten: Vertrauen Sie auch 2006 den Altmeistern der Fotografie! Lesen Sie die Bücher von Feininger und Adams, nehmen Sie die Techniken und gestalterischen Richtlinien der analogen Fotografie als Referenz und entwickeln Sie auf dieser Basis Ihren persönlichen Umgang mit der digitalen Fotografie und Bildbearbeitung.
Denn erst wenn Sie die analoge Fotografie und deren Zeit verstanden haben, können Sie die digitale Fotografie als nächsten Schritt der fotografischen Evolution wirklich "ermessen".
Und wenn Sie das alles
lediglich als altkluges Geschwätz eines Mittelalten sehen, dann schreiben Sie mir - wie immer über !
Herzlichst Ihr
Andreas Thaler
Courage!
Samstag, 13. Mai 2006, 19:59
Es gibt viele mutige Fotografen.
Der mutigste, dem ich bis jetzt begegnet bin, kam nach einem langen Tag mit der Kamera in der Stadt ohne eine einzige Aufnahme nach Hause. Er hatte nichts gesehen - oder konnte nichts sehen - was seinen hohen fotografischen Ansprüchen genügt hätte und blieb sich so treu. Ganz selbstverständlich.
Courage!
Freude am Wunder
Donnerstag, 11. Mai 2006, 0:03

Das neue Fotoland in seiner Komplexität ist nicht mehr
überblick- geschweige denn unterwerfbar ...
Das Faszinierende an der digitalen Fotografie sind die sofort verfügbaren Resultate in durchwegs annehmbarer Qualität, die quasi nicht existenten Aufnahmekosten und die Möglichkeiten, die die digitale Bildbearbeitung im Anschluss bietet. Wer als Fotograf mit diesen Vorteilen aufwächst, wird das alles als selbstverständlich empfinden. Für alle anderen, die noch das analoge Fotografieren praktizierten, ist jeder Tag mit der Digitalkamera ein Tag der Weihnachts- und Wunderkerzen, Feuerwerke und bildfeudalen Tafelfreuden.
Fototechnisch möglich ist nun theoretisch alles - praktisch nur begrenzt durch das eigene Wissen und Können (was sehr gut ist so).
Mit diesem Potential muss man erst umgehen lernen ohne angesichts dessen Mächtigkeit in depressive Verstimmung zu geraten. Das neue Fotoland in seiner Ausdehnung, Vernetzung und Komplexität samt allen künstlerischen Implikationen ist ganz einfach nicht mehr überblick- geschweige denn unterwerfbar.
Ich rate als Prophylaxe zu vorsichtigem und bewusst-bewusstem Umgang mit Digitalkamera und Computer. Die Freude am Wunder soll ja möglichst lange und produktiv bestehen bleiben!
Geheimformel Xe847
Sonntag, 7. Mai 2006, 13:40

Einfache Optimierung von "Tagebuchfotos" -
hier die Vision eines Kaffeesüchtigen ...
Das Angebot an PlugIns, also kleineren oder größeren Zusatzprogrammen für Bildbearbeitungssoftware wie zum Beispiel Photoshop, ist groß. Der Markt ereignet sich fast ausschließlich im Web, was es den meist als One-Man-Show auftretenden Unternehmen ermöglicht, kostengünstig direkt dem Endabnehmer anzubieten und sofort per Download zu liefern.
Viele der aktuellen PlugIns ermöglichen neue Funktionen im Bildbearbeitungsprogramm oder machen Abläufe und Bearbeitungsschritte einfacher - ein guter Grund, sich nach geeigneten "Helferlein" (Copyright Daniel Düsentrieb ;-) umzusehen, wie hier bereits vor einiger Zeit geschehen.
Unlängst machte ich mir Gedanken,
wie ich meine Alltagsfotos, also Aufnahmen für mein privates fotografisches Tagebuch, die nicht für subworld.at bestimmt sind, mit möglichst geringem Aufwand optimieren könnte. Für das Tagebuch fotografiere ich nämlich nicht im RAW-, sondern im JPEG-Modus, das heisst, nicht ich, sondern die Kamera kümmert sich automatisch um Kontrastkorrektur, Weissabgleich, Helligkeitsanpassung und so weiter. Die Ergebnisse sind in der Regel ganz ordentlich, für meinen Anspruch jedoch nicht ausreichend.
Die Techniken, die für die Optimierung der subworld.at-Fotos zum Einsatz kommen, sind für die Tagebuchfotos wenig geeignet, da sie präzise und zeitaufwändige Interaktion erfordern, um technisch das beste Ergebnis zu erreichen. Es müsse vielmehr ein Workflow sein, der es mir ermöglicht, auch mehrere Fotos im Batchbetrieb rasch und unkompliziert zu bearbeiten, ohne dafür Stunden aufzuwenden. Dass das nicht mit einem Knopfdruck beziehungsweise durch ein Universaltool alleine zu erledigen sein wird, war mir klar, daher sollte der Arbeitsablauf als Photoshop-Aktion (Makro) zusammengefasst und damit halbautomatisch abzuwickeln sein. Fixstarter für die Aktion waren Neat Image, PT Lens und Nik Sharpener Pro, was ich noch suchte war ein Tool für einfache Kontrast-, Helligkeits- und Farboptimierung. Sicher, Photoshop hat dafür bereits mehrere Automatikfunktionen an Bord, die mich aber nicht wirklich zufrieden stellten. Mir fehlte jeweils die Möglichkeit, die Automatik manuell und einfach nachzukorrigieren wenn erforderlich.
Mehr oder weniger durch Zufall
stieß ich auf www.Xe847.com. Hier fand ich genau das, was ich mir vorstellte, ein PlugIn, das in eine Photoshop-Aktion eingebunden werden kann, Kontrast, Helligkeit und Farbe automatisch mit hoher Trefferquote korrigiert und bei Bedarf einfach zu übersteuern ist. Das Ganze dazu noch unkompliziert und intuitiv dank einer ausgezeichneten Benutzeroberfläche (Xe847 Pro Plus).
Xe847 arbeitet nach Algorithmen, die der menschlichen Wahrnehmung nachempfunden sein sollen. Wie das im Detail genau funktioniert, bleibt für den Anwender mehr oder weniger hinter der "Geheimformel Xe847" verborgen, in der Praxis - und nur diese zählt hier - funktioniert es jedoch erstaunlich gut.
Mein fotografisches Tagebuch hat nicht zuletzt dank dieser Technik erheblich an Ausdruckskraft gewonnen - ein Beitrag um zu verhindern, dass meine Erinnerungen allzu rasch verblassen! ;-)
Demoversionen von Xe847 (PC und Mac) sind verfügbar - highly recommended!
Sehnsucht nach den Nächten
Samstag, 6. Mai 2006, 21:19

Und stets die Angst, dass die ganze digitale
Arbeit eines Tages und sehr plötzlich nicht
mehr sein könnte ...
Damals,
in den 80ern - ja, da war das Fotografieren noch eine recht mühsame aber auch übersichtliche Angelegenheit: 36er-Film in die Kamera spulen, fluchen, weil die Filmzunge einmal mehr nicht von der Aufwickelspule eingezogen wurde, fummeln bis es endlich geklappt hat, Film belichten, nach der letzten Aufnahme rückspulen und aus der Kamera nehmen, Film entwickeln beziehungsweise entwickeln lassen, warten, den Film in Streifen zu je fünf Bildern schneiden und die Streifen in Pergamin-Taschen stecken. Abends in die Dunkelkammer und die zwei, drei besten Aufnahmen vergrößern.
Zwischen Aufnahme und fertigem Bild vergingen mindestens Stunden wenn nicht Tage.
Heute
ist das Fotografieren eine recht komfortable aber auch unübersichtliche Angelegenheit: CF-Karte in die Digitalkamera stecken, fluchen nicht erforderlich, weil die Karten dank Sicherung nicht verkehrt herum eingeschoben werden können, Fotos machen, Karte aus der Kamera nehmen und in Kartenlesegerät am PC einstecken, Bilder von der Karte auf den Rechner kopieren, in Bridge die besten Aufnahmen selektieren, in Adobe's RAW-Konverter vorbearbeiten, danach in Photoshop optimieren, als TIFF mit Schärfungsebene speichern, die Bilddateien vom generischen RAW-Format in DNG umwandeln (man will seine RAW-Dateien ja auch in Zukunft noch öffnen können), aus den DNGs JPEGs zum bequemen Anschauen in der Bilddatenbank rechnen, die Dateien in die entsprechenden Ordner verschieben, schreibschützen, aus den TIFFs per Aktion JPEGs für die Website wandeln, Daten sichern, hoffen, dass das Aufnahmedatum in den EXIF-Informationen nicht wie beim letzten (und unerklärlichen Mal) von irgendeinem der beteiligten Programme in Nonsens gewandelt wird - schließlich baut die ganze Bildverwaltung insbesondere auf korrektes Aufnahmedatum weil sonst die Chronologie durcheinandergebracht wird und so weiter.
Nur fünf Tage Absenz von der Bildbearbeitung genügen und ich kämpfe mit dem von mir selbst geschaffenen Workflow, weil ich nicht mehr so ganz die Übersicht habe. Und stets die Angst, dass die ganze digitale Arbeit eines Tages und sehr plötzlich nicht mehr sein könnte, weil sich das Backup nach Plattencrash oder Malware-Befall nicht mehr einspielen lässt, aus vielerlei Gründen, die ich mir gar nicht vorstellen möchte ...
Zwischen Aufnahme und fertigem Bild vergeht allerdings gar keine Zeit mehr, weil das Foto bereits unmittelbar nach der Speicherung in der Kamera fertig (wenn auch nicht optimiert) ist und betrachtet werden kann.
Manchmal
habe ich Sehnsucht nach den Nächten in der Dunkelkammer, die tagsüber ein Badezimmer war, und meinen 5er-Streifen Film in den Pergamintaschen. Die Filmstreifen in den knisternden Taschen waren zwar allesamt Unikate und für sie gab es kein "Backup", aber sie ließen sich dafür so schön angreifen und in der Hand halten.
Und das Pergamin, das roch so gut.
Warum sich mit der Kamera plagen?
Montag, 1. Mai 2006, 20:42
Unlängst meinte ein Freund, warum sich mit der Kamera plagen für einzelne Fotos, mit der heutigen Qualität der Videoaufzeichnung müsse es doch ein Leichtes sein, nachträglich am Rechner aus dem Video diejenigen Szenen als "Standfotos" herauszuschneiden, die das jeweilige Motiv am besten zur Geltung brächten.
Was ich von dieser Möglichkeit hielte, als Fotograf?
Genauso gut könnte ja der Jäger mit dem Maschinengewehr in den Wald jagen gehen und nachher aus der Strecke das auswählen, was er für wertvoll hielte, dachte ich.
Ich antwortete nicht.






