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L?

Fortsetzung folgt

Dienstag, 28. Februar 2006, 19:27

Damals, als sich Chruschtschow und Kennedy in Wien trafen.

Damals, als sich Chruschtschow und Kennedy in Wien trafen.



Man wird Wien ganz einfach nicht gerecht,

wenn man diese Stadt bloß auf ihre Prachtbauten und kulturellen Leistungen längst verstorbener Bauherren und Planer reduziert. Sicher, die Hofburg, Schönbrunn, die Ringstraße sowie die großen Kirchen und sonstigen architektonischen Sensationen soll man sich auch als hier ansässiger Bürger mit dem gehörigen Respekt ansehen und entsprechend würdigen, schließlich sind es Exponenten ihrer jeweiligen Epoche. (Und dabei immer auch der United States Air Force danken, dass sie 1944 und 1945 nichtsdestotrotz das meiste davon stehen ließ.)

Allen diesen Bauten ist gemeinsam, dass Österreich zu ihrer Entstehungszeit tatsächlich eine Großmacht war, wahrscheinlich auch deshalb ist der Wiener in der Regel bis heute stolz auf "seine" baulichen Juwelen, ungeachtet der grundsätzlichen gesellschaftlichen Wende 1918 sowie des Umstandes, dass das Proletariat in Wien unter etwas ungünstigeren Verhältnissen zu leben hatte als die Bewohner der genannten Baulichkeiten.

Nein, die österreichische Bundeshauptstadt hat mehr zu bieten als vergoldete Dächer und gemeißelte Wappen auf den Fassaden prächtiger Stadtpalais, den Kohlmarkt mit weltbekannter Konditorei und die wenigen noch verbliebenen tradtionsreichen und teuren Flaniermeilen diesseits des Rings, selbstverständliche Pflichtstationen jedes organisiert reisenden Touristen.


Was ist zum Beispiel

mit den zahlreichen Höfen und Wohnanlagen, die in den 20er und 30er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts im "Roten Wien" entstanden? Eindrucksvolle Bauten, benannt nach verdienten Sozialdemokraten, zu ihrer Zeit revolutionär in Design und Funktionalität. Im Bürgerkriegsjahr 1934 zwar teilweise vom Bundesheer schwer zerschossen aber 2006 noch immer eindrucksvoll als symbolische Trutzburgen der politischen und kämpfenden Arbeiterschaft.

Oder die Wohnbauten, die zwischen 1947 und 1969 entstanden sind, von kleinen Häusern mit Spitzdach zur glatten Fassade genormter Plattenbauten, oft noch im Originalzustand und nicht überholt, davor Wege aus bröckelndem Beton und Lampen in blass gelben und roten Gehäusen, viele davon schon schief und verwittert im Ablauf der Jahrzehnte. Die Atmosphäre für den Fotografen ist besonders, zumal diese Wohnhäuser ja nicht leer stehen, sondern bewohnt sind, nur könnte man nicht sagen, dass sich dadurch etwas geändert hätte am Äußeren, lediglich der jeweilige Grau- beziehungsweise Ockerton des Gesamtambientes lässt auf die Gegenwart schließen.

Stätten besonderer fotografischer Anziehungskraft und Spannung sind auch die drei Parks in Wien, von denen aus im Zweiten Weltkrieg die Luftverteidigung der City organisiert und mehr schlecht als recht durchgeführt wurde. Die Flakturmpaare jeweils im Augarten, Arenberg- und Esterházy-Park beherrschen als Monolithe die Umgebung, schaurige Endzeitstimmung vermittelt insbesondere das Paar im Augarten, der kleinere Leitturm mit Einschüssen um Eingänge sowie auf der Galerie, der große Geschützturm vis-à-vis mit angehobener Plattform und tiefen, meterlangen Rissen, verursacht durch im Inneren gelagerte und hochgegangene Flakmunition kurz nach dem Krieg. Man hat die "Hochbunker" bis heute im Wesentlichen belassen wie sie sind, der große Turm im Arenbergpark dient als Lager, im kleinen Turm Esterházypark schwimmen schon seit vielen Jahren Haifische ("Haus des Meeres"), außen üben sich Kletterer an der senkrechten Betonwand. Nur das Pendant in der Stiftkaserne erfuhr umfangreichere Veränderungen und soll der Regierung als Zufluchtsort im Krisenfalle dienen.


Weitere hundert Plätze gibt es in Wien,

die Geschichte und Vergangenheit weit intensiver vermitteln als die hochglanzrenovierten Vorzeigebauten entlang der Zugrouten geführter Wien-Besucher. Eine Hausfassade im dritten Bezirk mit Bombensplitterschäden, gegenüber ein Neubau aus den 1950ern, erzählt mir als geschichtlicher Platz weitaus mehr als die Gedenktafel auf einem geputzten Stadtschlösschen, in dem angeblich einst Mozart das Spinett bediente und die Damen der Gesellschaft darob reihenweise in Ohnmacht fielen.

Oder ein verrotteter Rolladen in einem morschen Holzportal, einst bunt lackiert jeden Morgen hochgezogen, um Kundschaft in die ansässige Greißlerei einzulassen. Heute über dem Eingang noch die Umrisse "Lebensmittel" zu erkennen, seitlich darunter rostige Haken die einst Werbeschilder hielten ("Trink Libella"), sogar noch das Namensschild des einstigen Inhabers an der Tür, überzogen vom Staub der Dekaden aber noch lesbar - ein Vornamen, den man heute seinen Kindern wohl nicht mehr geben würde, da Ingeborg, Hans, Grete oder Traudl doch zu sehr an die Großeltern erinnern; Jennifer, Kevin oder Marvin konstrastieren dagegen nicht mit dem TV-Nachmittagsprogramm und sind beliebt weil kompatibel.

Das ist Wien, ebenso wie die eleganten Namenszüge aus Chrom und Messing, heute längst schon blind und einzelne Buchstaben ausgefallen wie schlechte Zähne, aber damals, als sich Chruschtschow und Kennedy in Wien trafen und im Café Coralle in der Porzellangasse die Ober mit weißen Handschuhen servierten, standen sie stolz und blitzend über Bonbongeschäften und den Lokalen emsiger Friseurmeister, nachts erleuchtet durch pulsierende Neonkaskaden.

Die deutschen Pioniere elektronischer Musik und Schöpfer eigentümlich schöner und melancholischer Harmonien, die Gruppe Kraftwerk, setzten übrigens in den 70er-Jahren dieser verblassten Welt mit dem Titel "Neonlicht" ein großartiges Denkmal ("... und wenn die Nacht anbricht ist diese Stadt aus Licht ...").


Dieser Blogeintrag

ist unversehens recht lang geworden. Danke an alle, die hier noch mitlesen, einen Schluss gibt es heute nicht, da dieses Thema die Subwelt.at in ihrem Kern betrifft. Daher das klassische Versprechen von "Mickey Mouse" oder auch des "Phantoms" aus der Neuen Kronen Zeitung:

"Fortsetzung folgt".

Gegenthesen

Montag, 27. Februar 2006, 22:55

Wien bei Sonnenschein und ein bisschen positiver 
Grundeinstellung zum Leben ...

Wien bei Sonnenschein und ein bisschen positiver
Grundeinstellung zum Leben ...



Für mich gehört es ja mittlerweile bereits zur positiven Rückmeldung bezüglich Subworld.at, wenn mich selbst Freunde und gute Bekannte schlichtweg für verrückt erklären. Nein, nicht etwa wegen der hier präsentierten Fotos und Texte - an deren Eigenheit hat man sich ja offenkundig schon gewöhnt -, sondern vielmehr wegen des vermeintlichen Zeitaufwands, den ich fortgesetzt und augenscheinlich in deren Produktion und Erstellung investiere. Dass ich mein Auskommen durch geregelte Arbeit in einem Unternehmen finde, ist auf dieser Website unter dem Kapitel "Fotograf" ja zu erfahren, also bleiben mir folglich nur Wochenende, Feiertag und Urlaub sowie die Nachtstunden für meine Umtriebe.

Und genau das ist wohl der Umstand, der zu Kommentaren reizt, denn wer die ganze Woche und länger hackelt (wie es so schön auf wien-österreichisch heißt), der hat sich in seiner Freizeit doch gefälligst und "zum Ausgleich" untätig auszuruhen, Familie und TV zu ergeben oder sich zumindest dem Hund zu widmen, aber ganz sicher nicht zusätzlicher Arbeit! Und das könne ich doch nun wirklich niemandem weismachen, dass das Fotografieren und das Schreiben hier keine Arbeit wären.

Verschärft wird mein notorisch absurdes Verhalten insbesondere durch die Auswahl der Gegenden Wiens, in denen ich vorzugsweise meiner fotografischen Passion nachgehe, also Lokationen, zu denen es den ästhetisch gesund empfindenden Menschen einfach nicht hinzuziehen hat, schon gar nicht sonn- und feiertags! (Interessanterweise werden in diesem Zusammenhang jedoch so gut wie nie meine Motive kritisiert.)

Meine Familie - und natürlich auch der imaginierte Hund - seien, hüstel, nur zu bedauern, gerade auch, weil doch Wien so viele schöne, kulturell hochstehende Plätze und Aussichten zu bieten habe, die man gemeinsam und gerade bei Sonnenschein sowie mit ein bisschen positiver Grundeinstellung zum Leben und so weiter.


Hierauf - durchaus gedacht auch als kleine Provokation - folgende Gegenthesen:


a) "Hackeln" und "Arbeiten" haben nur herzlich wenig gemeinsam.

b) Freizeit und Passivität gehen nicht unbedingt zusammen.

c) Wer den Schatten nicht sehen will, leugnet auch das Licht.



Über , sehr gerne auch der emotionalen Art ;-) , freut sich wie immer herzlichst

Ihr

Andreas Thaler

Die Herrschaft sichern

Samstag, 25. Februar 2006, 22:04

Herrschaftsinstrument mit sprödem Charme:
Gradationskurve in Photoshop CS2

Herrschaftsinstrument mit sprödem Charme:
Gradationskurve in Photoshop CS2




Die Herrschaft über das Reich der Lichter, Schatten, dazwischenliegenden Tonwerte, Kontraste und Farbdominanten sichert man sich nahezu vollständig mit nur einem einzigen Instrument in Photoshop: der Gradationskurve.

In Verbindung mit Einstellungsebenen, Auswahlen, Ebenenmasken und weichem Pinsel zur Maskenbearbeitung, die insbesondere die selektive und variable Bearbeitung von Bildern ermöglichen, ist die Gradationskurve unangefochten das mächtigste Werkzeug zur Optimierung, auch und ganz besonders von Schwarz-Weiß-Fotos. Ich kann nur jeden Bildbearbeiter ermutigen, sich von ihrer anfänglichen sphinxhaftigen Unnahbarkeit und ihrem sprödem Charme nicht abhalten zu lassen sie für sich zu gewinnen, nach und nach und mit großer Geduld, auch sich selbst gegenüber.

Bei regelmäßiger Arbeit mit der Kurve und den genannten ergänzenden Optionen wird die Bildoptimierung zum nahezu intuitiven Vorgang, inneres Bild vom Bild und Monitoranzeige werden unmittelbar eins - sicher der höchste Grad der Erfüllung beim Arbeiten mit Photoshop! :-)

Subworld.at feiert!

Mittwoch, 22. Februar 2006, 23:35

Nach fast genau zwei Monaten ist der Aufbau von Subworld.at als Website nun abgeschlossen. Als, bis auf weiteres, letzte Neuerung hat Webmaster und Programmierer Dr. Günther Rezniczek heute im Textkapitel die Standardnavigation der Website ("Pfeilchen") eingebaut, mit deren Hilfe nun in der Textliste seitenweise und - wie wir glauben - auch sehr komfortabel geblättert werden kann.

Ich bin sehr stolz auf die Site und danke Günther für seine erstklassige Arbeit, seinen unermüdlichen Einsatz (der Aufbau von Subworld.at geschah zum größten Teil in den Nacht- bis frühen Morgenstunden ...), seine Kreativität, die er scheinbar mühelos in webtechnische Lösungen umsetzen kann, sowie seine Geduld, denn ich war wirklich alles andere als ein leichter Kunde ;-) Schade übrigens, dass das von Günther eigens für Subworld.at programmierte Contentmanagement-System für Sie nicht einsehbar ist - es ist nicht nur optisch hervorragend gelungen, sondern auch ausgezeichnet durchdacht und das Verwalten der Website damit ist eine wahre Freude! Hat nicht jemand unlängst bemerkt, dass Günther Programmcode am Rechner schreibt wie andere Texte, nur schneller und mit wesentlich weniger Fehlern? Auf jeden Fall Respekt und nochmals ein großes DANKESCHÖN an dich, Günther!

Meine Arbeit in diesem Jahr konzentriert sich nun völlig auf die Fotografie und das Schreiben der Blogeinträge und Begleittexte zu den Bildern. Das Hauptthema wird 2006 wieder Wien sein, denn diese Stadt ist auch die Hauptstadt der Subworld.at und für mich fotografisch ungemein attraktiv. Hier ist für die Fotografie - in unserem Sinn - erst wenig gehoben, ungeheure Motivschätze warten noch auf Ihre Entdeckung und Umsetzung in Bilder!

Ich wünsche Ihnen weiterhin vergnügliche Minuten auf Subworld.at und freue mich über Ihr Feedback! Bleiben Sie dran, es wird hier noch mehr als nur einiges zu sehen geben! :-)

Herzlichst Ihr

Andreas Thaler

Danke!

Sonntag, 19. Februar 2006, 14:14

Dass Subworld.at sich so munter und vielbeachtet durch das virtuelle Fotouniversum dreht und dabei nach nur eineinhalb Monaten seit Going online bereits die österreichischen, deutschen und schweizerischen Google-Trefferlisten anführt (ja, bei Google.at/de/ch liegen wir aktuell jeweils auf Platz Nr. 1!) ist ein schöner Erfolg, der uns, Dr. Günther Rezniczek als Webmaster und Programmierer von Subworld.at und natürlich mich als Fotografen, Bildbearbeiter und Autor, sehr motiviert.

Herzlichen Dank an Sie, unsere geschätzten Besucher, für Ihr Interesse und Ihre Rückmeldungen, die seit Start im Dezember 2005 zahlreich bei uns eingegangen sind! Ihr Feedback zu Fotos, Texten und Webauftritt ist wichtig und bringt wertvolle Anregungen sowie Ideen für unsere Arbeit.

Selbstverständlich bleibt Subworld.at auch weiterhin zu 100 Prozent unabhängig und geht als rein privates Projekt künstlerisch seinen eigenen Weg. Unser Anliegen ist, Ihnen das Surreale an der scheinbar so vertrauten Wirklichkeit sichtbar zu machen und Ihnen so neue Sicht- und Verständnismöglichkeiten nahezubringen, wobei wir dabei durchaus auch ein bisschen Unruhe in Ihre bisherigen Betrachtungsgewohnheiten bringen wollen.

Besonders den Fotografen unter Ihnen möchten wir zeigen, dass auch mit verhältnismäßig einfachem, qualitativ selbstverständlich jedoch erstklassigem, Aufnahmegerät gute im Sinne von berührender und interessierender Fotografie möglich ist. Denn maßgeblich ist immer der Handwerker/Künstler, der das Werkzeug führt, nicht jedoch das Werkzeug selbst. Und schon gar nicht gibt uns das Werkzeug unsere Bildideen oder die Art und Weise der jeweiligen Interpretation vor.

Dasselbe gilt natürlich auch für die anschließende elektronische Bildbearbeitung, bei der es nicht um Dramatisierung oder Manipulation geht (jedes Bildbearbeitungsprogramm hat dafür eine eigene, viel zu leicht anzuwendende Werkzeugsammlung, die zumeist unter dem verlockenden Menüpunkt "Filter" zu finden ist ...), sondern einzig und allein um das subtile Verfeinern und Herausarbeiten der "Seele" des zuvor Gesehenen. Ganz gemäß dem Motto, dass schlechte Bilder auch am Rechner zu keinen besseren werden; in der konventionellen Dunkelkammer war es ja nicht viel anders.

Schrilles und Vordergründiges sowie bloße fotografische Klischees werden Sie auf Subworld.at auch in Zukunft nicht sehen, und wenn - vermeintlich auf den ersten Blick -, dann nur als Persiflage. ;-)

Im Übrigen wollen wir es mit Andreas Feininger, einem der großen Fotografen und Fotodidakten des 20. Jahrhunderts, halten, der in seiner "Großen Fotolehre" so treffend bemerkt:

Erst wenn Technik und Kunst zusammenwirken, erwächst aus der Sachkenntnis praktischer Erfolg.


Bleiben Sie uns auch weiterhin treu, fotografisch hat das Jahr auf Subworld.at eben erst begonnen!

Herzlichst Ihr

Andreas Thaler

Fuck (crossed) aufwärts

Sonntag, 19. Februar 2006, 0:56

Nach kältesten Wochen gestern Samstag ganz unvermittelt ein Gruß vom Frühling an die Stadt!

Das ist für dieses Mal schon die Hauptaussage, mehr habe ich nicht zu berichten, außer, dass es fotografisch ein ganz besonders ergiebiger Tag in Hietzing und dann auch in Meidling war, siehe bei den Fotos ab
"Fuck (crossed)" aufwärts.

Nein, für den Bildtitel entschuldige ich mich nicht, warum auch.

Antai - Ruhe, Frieden, Sicherheit

Donnerstag, 16. Februar 2006, 22:41



Für den Straßenfotografen sind Fitness und Verteidigungsfähigkeit im Ernstfall kein Nachteil. Ersteres erweitert den Aktionsradius zu Fuß, Zweiteres erhöht die Chancen, heil auch aus eher abgelegeneren Stadtteilen heimzukehren beziehungsweise nicht seiner Kamera inklusive gefüllter Speicherkarte durch Raub verlustig zu gehen.

Jiu Jitsu, basierend auf der Kampfkunst der japanischen Samurai, fördert bei regelmäßigem Training beides und wirkt sich darüber hinaus vorteilhaft auf Konzentrationsfähigkeit und seelische Ausgeglichenheit aus. Ich selbst bin seit 1999 als "Jiu Jitsuka" aktiv und empfehle allen Interessenten, auf eine Schnupperstunde im Jiu Jitsu Club Antai, Floridsdorf, vorbeizuschauen ("Antai" - japanisch für "Ruhe, Frieden, Sicherheit").

Informationen zu Jiu Jitsu und Trainingsmöglichkeiten in Wien gerne über meine Kontaktadresse.

Rei!

Guter Rat muss kostenlos sein!

Dienstag, 14. Februar 2006, 21:30

"Guter Rat muss nicht teuer, sondern kostenlos sein!" Schön, dass drei (englischsprachige) Fotowebsites diesen klassischen Anspruch an das Web auch 2006 noch in vorbildlicher Weise erfüllen!


www.dpreview.com

und

www.imaging-resource.com

bieten vollständige und übersichtlich aufbereitete Rezensionen zu aktuellen und älteren Digitalkameramodellen - und das völlig kostenfrei. Wer im Fachgeschäft seiner Wahl das Verkaufsgespräch drastisch abkürzen möchte, informiert sich am besten vorher auf diesen beiden Websites über die Pros und Cons der in die nähere Auswahl gekommenen Kameramodelle. Wer gar keine Idee hat, was er sich kaufen soll, wird durch sinnvolle Entscheidungshilfen auf einen festen Weg gebracht und blättert danach mit Sicherheit viele Kameraprospekte recht gelassen durch - wenn überhaupt noch.


photoshopnews.com

berichtet aus der großen Welt von Adobe Photoshop und verschiedener angrenzender kleinerer Teil- und Parawelten, wie zum Beispiel die der regen Plug-in-Szene, die alle möglichen Erweiterungen für "PS" programmiert und zumeist online verkauft. Man bleibt so aktuell informiert und versäumt unter anderem auch kein Programmupdate mehr, das Adobe für seine Software herausgibt. Das Bildbearbeiterleben bleibt also auch nach dem Kauf von Photoshop & Co spannend!

Alle drei Websites "highly recommended".

Neue fotografische Sichtweisen!

Sonntag, 12. Februar 2006, 22:04



Bekannte Orte und Plätze, am besten solche, welche dick mit süßem Klischeesirup überzogen sind, sollte man als Fotograf dann und wann aufsuchen, mit dem Ziel, sich neue fotografische Sichtweisen zu erschließen. Ich habe mir diese Aufgabe heute in Schönbrunn gestellt.

Der Anmarsch zur Gloriette erfolgt im Konvoi der Touristen und sonntäglichen Spaziergänger, auf ordentlich vom Schnee geräumten und gestreuten Wegen. Am Ziel angelangt verteilt sich der Strom der Besucher auf verschiedene, offenkundig fix vorgesehene, Plätze und Aussichtspunkte. Selbstverständlich verlässt man diese Positionen nicht und betritt auch trotz Schneedecke nicht den Rasen, das verbietet schon alleine der Respekt vor der kulturellen Höhe des Ortes.

Als Fotograf ist man hier einer unter vielen, das hat zumindest den Vorteil, dass man nicht auffällt und es keiner übel nimmt, wenn man ihn in den Sucher nimmt - hier ist schließlich internationale Fotozone! Ein erster Griff zur Kameratasche, ein klein wenig Drängelei mit anderen Besuchern, die genau dasselbe Anliegen haben, nämlich die Gloriette genau in der Mitte ausgerichtet zu fotografieren. Bei allem Streben nach fotografisch neuen Sichtweisen, aber von diesem Platz aus zeigt sich das Bauwerk doch am schönsten! Und eigentlich hätte man den Standort für den besten Ausblick selbst gar nicht besser aussuchen können als ihn die Verwaltung von Schönbrunn oder vielleicht sogar bereits der geniale Planer dieser Anlage vorgesehen haben.


Aber bevor noch die Kamera angesetzt ist

passiert plötzlich Merkwürdiges, das jede weitere fotografische Aktivität wie selbstverständlich sinnlos, ja sogar als Anmaßung erscheinen lässt. Vor mir sehe ich nicht die Gloriette, so, wie sie sich heute an einem Sonntag im Winter präsentiert, sondern Bilder dieses Bauwerkes, wie ich sie bereits mein Leben lang in Bildbänden, auf Plakaten, in Prospekten oder Schulbüchern gesehen habe. Jedes einzelne davon schöner, erhabener, prächtiger, dem Orte und seiner Geschichte angemessener, als ich es jemals mit meiner kleinen Kamera und mit meinen durchschnittlichen Bildbearbeitungskenntnissen selbst zustandebringen würde, eingekeilt zwischen zwei Dutzend anderen, die ebenso wie ich die Gloriette genau in der Mitte ausgerichtet fotografieren wollen.

Eine jäh aufkommende depressive Verstimmung nimmt mir jede weitere Lust, meine mühsam erkämpfte Position in diesem drängelnden Haufen weiter zu behaupten. Als würde mich der Pulk zu Recht für mein Versagen ausstoßen, finde ich mich im nächsten Augenblick im knietiefen Schnee wieder und stehe nun doch auf dem Rasen, den ich zuvor aus Respekt nicht betreten habe. Einige Meter von mir entfernt piept und summt es digital, pro Sekunde wird die Gloriette mehrfach auf Speicherkarten festgehalten, italienische Touristen kichern und rufen sich im Stakkato einige Worte zu, worauf lautes Gelächter folgt. Kälte steigt in mir hoch, warum verbringe ich diesen Nachmittag eigentlich hier!


Missmutig suche ich nach einer Möglichkeit,

der Schneefalle zu entkommen und blicke dabei, ohne es zu wollen, noch einmal zu den Bögen der Gloriette, die jetzt, seitlich versetzt von meinem ursprünglichen Standort, im bereits flach einfallenden Licht der Wintersonne liegt. Und dann sehe ich mit einem Mal alles zu einem Bild zusammengefügt: Das imposante Gebäude, die Wolken vor der Sonne, die sich daraus ergebende sanfte Düsternis die zur Stimmigkeit dieser Szenerie beiträgt und kurz darauf auch den noch fehlenden Goldläufer. Sonst nichts, keine perfekten fotografischen Hommagen aus schweren großformatigen Kunstbüchern, würdigen Jubiläumsprachtbänden oder aufwändig gestalteten Prospekten, die mir alle nur mein eigenes Bild vorenthalten.

Das Foto ist rasch gemacht und ich finde nun ohne Anstrengung auf den breiten und geräumten Gehweg zurück. Zufrieden verlasse ich das kaiserliche Schönbrunn, um eine Erkenntnis reicher.

"Farbmanagement in der Digitalfotografie" von Andreas Kunert

Samstag, 11. Februar 2006, 20:18



Wer als Fotograf eine deutschsprachige Einführung in das Thema "Farbmanagement" inklusive leicht nachvollziehbarer Anleitungen für das Profilieren und Kalibrieren von Monitor und Drucker sucht, wird mit "Farbmanagement in der Digitalfotografie" von Andreas Kunert eine ausgezeichnete Wahl treffen.

Auch für den Einsteiger verständlich beschreibt Kunert den digitalen Farbmanagement-Workflow, beginnend mit der Aufnahme über die Bildbearbeitung bis hin zur Präsentation des Fotos, zum Beispiel als Print vom Tintenstrahldrucker. Den für das Verständnis von Farbmanagement unbedingt notwendigen Theorieteil hält der Autor vom Aufbau her systematisch und auf das Wesentliche reduziert. Das ist - angesichts der Komplexität des Themas - für den eher an der praktischen Anwendung interessierten Leser sicherlich erfreulich.

Nach Lektüre des Buches sollten hinsichtlich der Anwendung von Farbmanagement in der Praxis sowie der theoretischen Grundlagen keine wesentlichen Fragen mehr offen sein.

"Echte Perlen sind selten!"

Freitag, 10. Februar 2006, 18:17

Die Fachliteraturproduktion zu den Themen Digitalfotografie und digitale Bildbearbeitung ist mittlerweile so richtig auf Touren gekommen, angeboten wird reichlich, die echten Perlen sind jedoch (wie immer) selten. Drei dieser Pretiosen möchte ich hier kurz vorstellen, ergänzende Rezensionen finden sich leicht im Web.

Bruce Fraser gilt nicht nur im englischsprachigen Teil des Photoshopuniversums als Autorität in Sachen Technik der digitalen Bildbearbeitung. Dass er auch hervorragend, im Sinne von verständlich und unterhaltsam, schreibt, mehrt seinen Ruhm und freut den interessierten Leser. Umso mehr, als Fraser mit drei sich ergänzenden Büchern einen Großteil des Fachgebietes abdeckt. Die Werke sind derzeit nur in den englischen Originalversionen erhältlich aber das soll den German native nicht abschrecken, sondern von ihm vielmehr als lohnende Herausforderung verstanden werden! ;-)

Real World Photoshop CS2 beschreibt alle Komponenten des "führenden Bildbearbeitungsprogrammes" von Adobe vollständig und in den wesentlichen Details, wobei anschauliche Erläuterungen zur jeweils zugrunde liegenden Technik beim Verständnis helfen. Der Autor schreibt für den Leser und so sollten die ca. 900 Seiten in einem überschaubaren Zeitraum zu bewältigen sein (so man eine vollständige Lektüre wünscht). Das Buch eignet sich dank seiner klaren Gliederung jedoch auch hervorragend als Nachschlagewerk, wobei ein ausführlicher Index die Suche wesentlich erleichtert.

Real World Color Management führt in das als kompliziert und nur schwer vermittelbar geltende Thema Farbmanagement ein und bleibt dabei nicht an der Oberfläche. Auch hier geht es behutsam vom Einfachen zum Anspruchsvolleren und das Einrichten eines Farbmanagement-Workflows am eigenen Arbeitsplatz sollte dank der anschaulichen Erläuterungen und Hinweise kein Problem mehr darstellen. Farbmanagement stellt sicher, dass Farbe im digitalen Aufnahme- und Verarbeitungsprozess konstant bleibt, was nicht nur für Berufsfotografen, sondern auch für Amateure von Bedeutung ist, spätestens dann, wenn das am Monitor angezeigte Bild auch farblich übereinstimmend am Drucker ausgegeben werden soll.

Real World Camera Raw schließlich beschreibt die Vorzüge des "digitalen Negativs" und wird für engagierte Bildbearbeiter von Interesse sein, die die bestmögliche Qualität ihrer Ergebnisse sicherstellen möchten. Stellt man an seiner digitalen Kamera den RAW-Modus ein, so nimmt die Kamera - im Gegensatz zum JPEG-Modus - nur sehr wenige Änderungen an der Bilddatei vor und hält damit das Potential für Optimierungen per anschließender Bildbearbeitung am Rechner offen. Auch hier versteht es Bruce Fraser, seine Leser locker aber gleichzeitig informativ und gründlich an dieses nicht ganz einfache Thema heranzuführen. Nach der Lektüre verfügt man, wie bei den anderen beiden Büchern auch, über ein fundiertes fachliches Wissen und ist somit der weit verbreiteten Halbwahrheit nicht mehr schutzlos ausgeliefert.

Die genannten Bücher sind nicht billig, die Investition lohnt sich aber auf jeden Fall und erspart eventuell teure Fehlkäufe!

Zu Relationen finden

Donnerstag, 9. Februar 2006, 21:10

Kriegsberichterstattung als Fotoreporter heisst im Regelfall sein Leben zu riskieren, denn das Grauen lässt sich umso authentischer vermitteln, je näher man als Fotograf an ihm dran ist.

James Nachtwey hat viele der alten und neuen internationalen Krisenherde mit der Kamera dokumentiert und steht damit ganz in der Tradition von Robert Capa, der den Vormarsch der Allierten in Europa während des Zweiten Weltkrieges als Fotoreporter begleitet hatte. Beide beweisen durch ihre eindrucksvollen fotografischen Zeitdokumente außergewöhnlichen Mut bis hin zur letzten Konsequenz: Robert Capa starb 1954 als Bildberichterstatter in Indochina als er auf eine Landmine trat.

Wer als Friedensfotograf bisweilen Hemmungen hat, auf der Straße zu fotografieren, weil dies so gut wie immer Blicke anwesender Passanten provoziert, sollte die Arbeiten dieser beiden Fotografen studieren, um rasch wieder zu Relationen zu finden.

Übrigens bevorzugen beide Fotografen das Weitwinkelobjektiv, was die Dramatik der Aufnahmen unterstreicht, im Gegensatz zum Teleobjektiv jedoch das Fotografieren aus relativ sicherer Entfernung unmöglich macht.

Fine-Art in Schwarz-Weiß

Mittwoch, 8. Februar 2006, 19:34


Eindrucksvolle Schwarz-Weiß-Aufnahmen, die teilweise eine surreale Stimmung vermitteln, zeigt der deutsche Fotograf Wolfgang Mothes auf seiner Website www.wolfgangmothes.de. Der fotografische Bogen des Online-Portfolios reicht dabei von Architektur, Technik, Infrarot bis hin zum Sonderthema "Unfallklinik". Wolfgang Mothes arbeitet mit analoger Fototechnik nach dem Zonensystem.

Sehenswert!

Konsequent sein!

Sonntag, 5. Februar 2006, 21:17

Fototag ist, man hat sich schon darauf gefreut, erwartungsvoll geht es mit der Kamera auf der Schulter bei der Türe raus, hinein in das Fotoland, möge die Ausbeute heute eine hohe sein!

Nach drei Stunden des Herumziehens immer noch kein Motiv gesehen das den Druck auf den Auslöser rechtfertigt. Die Sonne leuchtet schon aus dem Horizont, Unruhe, Nervosität kommen auf. Vielleicht doch noch etwas Interessantes mit Schatten? Oder dort drüben - das alte Fahrrad an der Mauer, halb im roten Efeu versunken - klau ich als Motiv zwar geistig dem Fotoclub, aber besser, als gar nichts nach Hause bringen?

Hier kann es nur eine Antwort geben und die muss sofort erfolgen: NEIN!

Bilder, die dem eigenen Qualitätsmaßstab nicht entsprechen, kommen nicht ins Portfolio. Auch wenn ich, wie in diesem Fall, als Fotograf heute einfach nichts gesehen habe (an den Motiven liegt es nicht, die sind immer vorhanden, egal wo man sich aufhält), so gibt es kein Abweichen vom eigenen Anspruch, sondern nur ein Akzeptieren, dass diesmal die Speicherkarte eben leer geblieben ist.

Das ist hart, schmerzt und macht schlechte Laune, aber konfrontiert auch - in heilsamer Weise - mit der Tatsache, dass wir als Fotografen das Sehen nicht erzwingen können.

Heute blieb die Subworld eben unter sich - beim nächsten Ausflug kann es schon ganz anders sein!

Bilder, die berühren

Samstag, 4. Februar 2006, 21:34

Ich stand in dieser Zauberwelt ...

Ich stand in dieser Zauberwelt ...




Als ich letztes Wochenende die Mauer des Lainzer Tiergartens entlangstolperte und dabei buchstäblich in ein kleines Waldstück rutschte - Wien ist seit Wochen gefroren - wollte ich sie auch machen: Bilder über die Natur, wie sie mein Freund Rainer Mirau so meisterhaft anzufertigen versteht. Immerhin sind mir die dazu notwendigen fototechnischen Voraussetzungen und Vorgangsweisen ja zumindest bekannt wenn schon nicht in allen feinen Details vertraut. Ich blieb also stehen und sah mich um in diesem kleinen Waldareal, die Kamera unter Strom gesetzt, bereit zum digitalen Schuss.

Ich schaute.


Da funkelten Schneekristalle

im schon schrägen Frühnachmittagslicht der Wintersonne, winzige blau-rot-gelbe Feuer wie sie sonst nur Sterne hoch droben in eisig kalter Winternacht versprühen. Zarte Äste in Raureif gefasst, so feine Muster, dass die Augen sie auch bei mehrmaligem Hinschauen nicht gänzlich auflösen können in ihrer unglaublichen Komplexität. Ein kleiner Bach, erstarrt zu dickem milchigen Glas, der sich dem Frost ergeben hatte und dort, einige Schritte weiter, eine rote Beere, die aus einem verschneiten Gebüsch leuchtete, so grell, dass sie trotz der Entfernung nicht zu übersehen war.

Es waren also genug Themen vorhanden, um eine schöne Geschichte über den Winter zu schreiben, teilweise schon so deutliche Motive, dass es schier unmöglich schien, daraus nicht gute Fotos zu machen. Ganz in der Art, wie sie Rainer auf seiner Website zeigt. Also!


Ich stand in dieser Zauberwelt,

schaute und verstand ihre Bilder, sah die Pracht und fotografische Fülle - aber ich konnte kein einziges Foto machen. Hilflos wie bei meinem allerersten Foto drehte ich die Kamera zwischen Hoch- und Querformat hin und her, fingerte unsicher am Zoomhebel, fokussierte auf Details, kalkulierte Belichtung und notwendige Korrekturen, ja, ich sah das fertige Bild schon innerlich vor mir, wie es in wenigen Stunden auf meinem Monitor zu Hause leuchten würde. Aber ich drückte den Auslöser nicht durch. Es ging einfach nicht. Als wäre der Zeigefinger gefroren wie der kalte knirschende Schnee unter meinen Füßen.

Resigniert und wütend zugleich packte ich die Kamera hastig in ihre Tasche und verließ rasch diesen Ort, der so überreich an Motiven war, die ich trotz Erkennens fotografisch nicht umzusetzen vermochte. Ein Gefühl des Versagthabens und Nichtskönnens kroch kalt an mir hoch, unangenehmer als die Winterkälte, die ich trotz meiner dicken Jacke und Vermummung spürte.

In düsterer Stimmung machte ich mich auf den Weg nach Hause, die erst am Ende der langen Hermesstraße langsam einer helleren Nachdenklichkeit wich. Was war geschehen, warum konnte ich keines dieser wunderschönen - so überdeutlichen! - Motive auf der Speicherkarte meiner Kamera festhalten? Erst als ich am Areal des Lainzer Krankenhauses anlangte und schräg vor mir zwei alte Schornsteine mit einer Vielzahl an aufgesetzten Mobilfunkantennen aufragen sah, die eigentümlich, fast schon bizarr, in der gelblichen Jännersonne blitzen - sofort kalkulierte ich alle möglichen Aussagen durch, die dieses Motiv aus der Subworld ergeben könnte - wurde mir klar, was da vorhin in diesem kleinen Waldstück mit mir vor sich ging. Die Erkenntnis war so banal wie klar und brach in ihrer Endgültigkeit derart jäh über mich herein, dass es mich schreckte:

Die zuvor gesehenen Naturmotive berührten mich ganz einfach nicht ausreichend genug, um sie in Fotos umzuwandeln.

Obwohl ich das fotografische Potential der Motive sah und auch sicher über die für die Umsetzung notwendigen fototechnischen Kenntnisse und Fertigkeiten verfüge, war es mir aus diesem Grund nicht möglich, die Fotos letztlich auch zu machen.


Mir fehlte einfach dieser jähe Adrenalinschub

der sich immer dann einstellt, wenn ich ein Motiv der Subworld sehe. Egal wo ich bin, vergesse ich in so einem Moment meine Umgebung fast völlig und bin nur noch auf das Motiv und seine Umsetzung konzentriert. Geschieht das auf befahrenen Straßen, so kann es schon vorkommen, dass mich nur die Hupe eines herannahenden Autos rettet, auch wenn es mich harsch aus der gerade ablaufenden Umsetzung wirft. Aber rasch bin ich wieder dran und wenn dann schliesslich der Moment des Auslösens kommt, wandelt sich die aufgekommene Euphorie für kurze Zeit in ein stilles Glücksgefühl der völligen Verbundenheit mit dem Ort an dem ich mich gerade aufhalte. Vielleicht, es wäre ja immerhin denkbar, hatten John Lennon und Paul McCartney ähnliche Empfindungen als sie "Across the Universe" schrieben? Auf jeden Fall passiert hier eine Art von fotografischer Klimax, das steht außer Zweifel.

Ich glaube, insbesondere nach dieser kleinen Geschichte, dass man ganz einfach nur dann gute im Sinne von berührenden Fotos machen kann, wenn man auch tatsächlich etwas für seine jeweiligen Motiven empfindet. Gefühl und fotografische Umsetzung sind demnach untrennbar verbunden und teilen sich dem Betrachter als "gutes" Foto mit. Dabei ist es völlig unerheblich, ob man als Fotograf von Naturmotiven, von verfallenden Mauern, Mode oder Kriegsszenen berührt ist. Wichtig ist nur die Emotion selbst. Der fototechnische Vorgang der Aufnahme und die anschließende Nachbearbeitung sind nur insoweit von Bedeutung, als sie über ausreichende "Leitfähigkeit" für die Gefühle des Fotografen bei der Aufnahme verfügen.


Eine Erkenntnis,

die mir als Fotograf ungemein hilft aber gleichzeitig auch meine Grenzen aufzeigt und mich auch ein wenig mutlos macht.

Oder ist da noch eine Botschaft dabei die sagt, dass Barrieren da sind um überwunden zu werden, auch wenn es schwer fällt und Kraft kostet? Man müsse es nur immer wieder und wieder versuchen, solange, bis es gelingt?