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L?

Wo nimmst du nur die Zeit her?

Dienstag, 31. Januar 2006, 22:06

Jeder ist im Grunde ein Selbstdarsteller.

Jeder ist im Grunde ein Selbstdarsteller.


... fragen mich oft Freunde, Bekannte und Arbeitskollegen, nachdem sie die Subworld besucht haben und wir ins Gespräch kommen. "Das sieht doch alles nach viel Arbeit aus, die Fotos, die Texte, die Präsentation, wie schaffst du das neben deinem Vollzeit-Job?"

Am Anfang verstand ich diese Fragen nicht. Natürlich kostet die Subworld Zeit, natürlich müssen die Fotos aufgenommen und bearbeitet, die Texte geschrieben und der Webauftritt betreut werden. Aber ich empfinde das nicht als Arbeit, sondern als völlig selbstverständliche Vorgänge und Abläufe. Fotografiert wird am Wochenende, an freien Tagen und während des Urlaubes. Eigentlich immer und in den letzten Monaten ohne Ausnahme, Krankheit und Regenstürme ausgenommen.

Das ist keine Entscheidung zwischen "soll ich oder soll ich heute besser nicht", bestenfalls überlege ich, ob ich mir die schwere oder doch - wie meistens - die leichtere Kamera umhängen soll. Auch gibt es in der Regel keine Planung, wohin der jeweilige Ausgang führen wird. Es ist eigentlich auch völlig egal, denn interessante Motive finden sich zu jeder Zeit an jedem Ort, es hängt ganz von der jeweiligen seelisch-geistigen Verfassung ab, ob man sie auch erkennt oder daran vorbeiläuft. Das wird viel zu wenig oft betont, dass Fotografie die Visualisierung innerer Bilder durch gegenständliche äußere Objekte bedeutet. Die Imagination des Fotografen bestimmt, was er mit der Kamera in welchem Kontext aufnimmt und so für andere sichtbar macht. Wer das Depressive nicht kennt, wird keine depressiven Bilder aufnehmen können. Wem Frohsinn und Leichtigkeit fremd sind, dem werden keine entsprechend heiteren und leichten Fotos gelingen. Ändert sich der grundlegende Stil eines Fotografen, so hat sich der Fotograf grundlegend geändert und nicht seine Umgebung. Die verwendete Kamera und angewandte Technik sind dabei völlig nebensächlich, lediglich Arbeitsmittel zum Zweck, die man zu einem gewissen Grad beherrschen muss um deutliche Visualisierungen hinzubekommen. Mehr nicht.


Ehrlich gesagt

habe ich keine andere Wahl als, wann immer es mir möglich ist, zu fotografieren und meine Bilder am Rechner zu bearbeiten. Es ist absolute Sucht, Drang, stärker oft als Hunger und das Bedürfnis nach Schlaf. Vielleicht ist in meinem Fall auch ein kräftiger Schuss Exhibitionismus dabei. Jeder, der eine Website mit eigenen Werken unterhält, ist im Grunde ein Selbstdarsteller, der - aus welchem Manko heraus auch immer - sich auf diese Weise anderen mitteilen muss oder es nur so wirklich kann. Anders ist die Vermittlung von Kunst wohl auch nicht möglich, vom Kommerz abgesehen.

Dazu kommen noch die Texte und die verlangen eine ganz andere Form von Konzentration und Hinwendung als die Fotografie. Die Texte entstehen meist nachts direkt am Rechner, der als Arbeitsmittel selbst wenig anregend ist. Assoziativ versuche ich, Themen zu finden und meine Gedanken dabei möglichst wenig selbst zu zensieren. Berufsbedingt fällt mir die anschließende schreiberische Umsetzung erfreulicher Weise nicht schwer, wobei ich bei jedem Satz den Anspruch habe, dass er für meine Leser nicht nur verständlich, sondern auch gehaltvoll ist. Nett vorsichhinzuschwadronieren ist kein Problem - ein sinnvolles Ganzes zu schaffen sehr wohl.


Ein gelungener Text

ist immer mit Leid verbunden das nie endet, da ein Text aus sich heraus nie abgeschlossen sein kann. Außer, man ist ein Narr und sperrt seine Gedanken auf einem Blatt Papier oder eine Webpage ein. Im Gegensatz zu einem Foto, das mit Aufnahme und anschließender Bearbeitung fertig ist und durch nachträgliche "Verbesserungen" höchstens an Substanz verliert. Mehr als ich heute gesehen habe kann ich auch morgen nicht zeigen, wohingegen das Denken in Texten nie zu Ende zu bringen ist.

Und so ist die eingangs gestellte Frage, woher ich denn die Zeit nehme, einfach beantwortet: Ich nehme mir nicht die Zeit, sondern ich nutze sie. Ohne darüber viel nachzudenken oder buchzuhalten. Entscheidend ist für mich dabei nur, ob und in welcher Weise ich mich als Fotograf und Autor weiterentwickle. Solange ich innere Bilder habe werde ich sie visualisieren, solange ich denke, werde ich schreiben. Jedes Wochenende und jede Nacht aufs Neue. Und ich hoffe dabei auf das Verständnis meiner Lieben für meine Sucht und für mein freiwilliges Leiden, die ich so genieße. Denn Exhibitionisten sind nicht nur Selbstdarsteller, sondern auch besserungsunwillige und sture Egozentriker.

Kinderwelt

Sonntag, 29. Januar 2006, 19:53

Kosmonauten

Kosmonauten


Bereits über eine Stunde lang unterwegs und kein Anlass, die Kamera aus ihrer Tasche zu holen. Dieser Teil von Wien ist eine aufgeräumte Gegend, fotografisch interessante Widersprüche ereignen sich hier wohl nicht so oft. Grell blendet die Sonne aus dem Schnee. Ziemlich rutschig hier, ob ich heute dazukomme, die Fallschule aus dem Jiu Jitsu anzuwenden, unfreiwillig? Wahrscheinlich würde ich statt mich selbst zuerst meine Kamera schützen, instinktiv, und mir dabei die Hand brechen. Kaum gedacht rutscht mir schon der Stiefel weg - gerade noch ausbalanciert. Leise verfluche ich diesen bildlosen, kalten Sonntag.

Zuerst ist da nur eine Garageneinfahrt in die der Wind allen möglichen Müll hineingeweht hat. Eine Tür, halb mit Brettern gesichert. Fenster, jedoch erstaunlicher Weise ohne devastierte Scheiben wie sonst fast immer bei leerstehenden Gebäuden. Dahinter weitere Häuser - eine ganze Anlage. Ziemlich ausgedehnt das Ganze. Das muss einmal eine Herberge, ein Sanatorium oder so etwas gewesen sein. In schon deutlich besserer Stimmung gehe ich eine lange Fensterfront ab und schaue in

die Kinderwelt.

Wann ist man ein "guter Fotograf"?

Samstag, 28. Januar 2006, 22:52

"Wenn man die Fototechnik beherrscht" hört man darauf oft als Antwort. Und eine unübersehbare Zahl an Fotomagazinen, Fotolehrbüchern, Internet-Diskussionsgruppen und Medienberichten zur Fotografie scheint diese Aussage zu bestätigen.

In endlosen Wiederholungen werden die technischen Grundlagen des Bildermachens erörtert, Kameras und Objektive verglichen, Fotos hinsichtlich ihrer Bildschärfe, Detailauflösung und Kontrasteigenschaften besprochen, ja sogar Regeln vorgegeben, wie ein Bild nach bestimmten kompositorischen Vorgaben angefertigt werden soll, um "gut" oder gar "professoniell" (was immer damit gemeint sein mag) zu sein. Zahlreiche Fotos von erfolgreichen, mit Preisen ausgezeichneten Fotografen, geben dabei anschaulich vor, was man selbst in seiner Bildarbeit anstreben soll um sich zu einem ebensolchen Könner zu entwickeln. Die Fotoindustrie unterstützt dieses Streben mit immer ausgefeilteren und vollautomatisierten Fotowerkzeugen, die solche Ergebnisse sogar ganz ohne Zutun des Fotografen ermöglichen sollen. Eindrucksvolle Beispiele werden gleich passend in den zugehörigen Prospekten und Webauftritten geliefert.

Fototechnik und Fotokomposition als Selbstzweck - und fast alle machen mit. Dementsprechend austauschbar und wenig einprägsam sind die Ergebnisse. Kein Wunder, denn man vergisst rasch was einen nicht berührt.

Wie eindrucksvoll wäre wohl eine der berühmtesten Aufnahmen von Robert Capa tatsächlich, wenn sie technisch und kompositorisch nach den geltenden Regeln für "gute Bilder" angefertigt worden wäre? Ich glaube, man könnte sich nach ein paar Stunden an das Foto nicht mehr erinnern. Eben eines der zahlreichen Bilder von der Landung in der Normandie im Juni 1944 wie man schon viele gesehen hat. Arme Kerle dort, Glück gehabt, dass man nach dieser Zeit geboren wurde. Aber eben weil dieses Bild von Capa gegen sämtliche Normen verstößt die ein technisch sowie kompositorisch gutes Bild vorgeben, ist es so berührend und bleibt in der Erinnerung haften.

Es scheint so, als müsse man sich als Fotograf erst von diesen Vorgaben befreien um gute = berührende Fotos machen zu können.

Arbeiten wir daran, um in diesem Sinne "gute Fotografen" zu werden.

Avenue Hasner

Mittwoch, 25. Januar 2006, 21:47

Was treibt mich eigentlich jedes Wochenende mit der Kamera auf die Straße, während andere vor dem Fernseher ihre Chips genießen oder mich verständnislos durch die Fensterscheiben verrauchter Sonntagskonditoreien anstarren? Warum gerade in Teile der Stadt, die still vor sich hinmodern und verfallen? Warum nicht in die City, wo alles so adrett ist und es kokett-gepflegt über das Pflaster trippelt?

Ich habe in 15 Jahren kein einziges Foto in der Innenstadt gemacht und der Stephansplatz ist für mich überhaupt nur zu ertragen, weil über die Rotenturmstraße eine rasche und direkte Flucht in den zweiten Bezirk möglich ist. Kaum auf der Marienbrücke und die vergraute 50er-Jahre-Architektur vor mir und schon bessern sich meine asthmatischen Beschwerden schlagartig. Ich vermute, dass es meiner Kamera ähnlich geht. Oder die Hasnerstraße in Ottakring. Der Charme dieser Avenue deplatziert den mächtigen Verbund Kärntnerstraße - Graben - Kohlmarkt elegant, geradezu spielerisch und ohne jede Mühe. Ja, im Versunkenen und Zerbröckelnden fühle ich mich als Fotograf wohl, dort passe ich hin mit meinen staubigen Stadttretern und modisch inkompatibler aber warmer Winterjacke. Dort gelingen mir Fotos, die die anschließenden Stunden zu Hause in Photoshop mehr als rechtfertigen. November, Sonntag, Hochnebel, 16:00 Uhr, Hasnerstraße/Ecke Brüßlgasse - und danach mit einer Punschschnitte aus der Sonntagskonditorei heim zum Kaffee!

Der 16. Bezirk ist überhaupt ein Dorado für die Fotografie. Hier ist Wien dankenswerter Weise nicht für den Tourismus erschlossen. Vielleicht auch ein Grund, dass der Kubaner, dort im "Arbeiterbezirk", auch heute noch wie selbstverständlich sein Plätzchen hat. (Zugegeben, im ersten Bezirk sieht man ihn auch, freilich umgewidmet zum fashionablen Accessoire im Angebot exquisiter Boutiquen, auf teuren T-Shirts etwa oder Handtäschchen im Retrostyle.)

Wer über meinen Vergleich der Plätze den Kopf schüttelt, den lade ich ein, mich auf einem Ausgang zu begleiten. Treffpunkt U 6 Thaliastraße, gleichnamiger Exit, Sonntag, Hochnebel, 16:00 Uhr. Von dort ist es nur ein Sprung in die Hasnerstraße. Kamera nicht vergessen!

Exzellente Fotografie ...

Montag, 23. Januar 2006, 23:08



... in Farbe und Schwarz-Weiß sowie Beispiele für gekonnte digitale Bildoptimierung bietet John Beardsworth auf seiner auch ästhetisch sehr ansprechenden Site. John ist ein Multitalent, er fotografiert nicht nur, sondern schreibt auch ausgezeichnete Fachbücher zu den Themen Fotografie und Bildbearbeitung, arbeitet als Web-Designer und als IT-Consultant.

Highly recommended!

Dann und wann ...

Sonntag, 22. Januar 2006, 1:20



... tut es ganz gut die Subworld zu verlassen und sich zum Beispiel der Natur und ihrer fotografischen Interpretation zu widmen. Das Interpretieren überlasse ich in diesem Fall gerne Fotografen, die dazu berufen und befähigt sind. Einer davon (und lieber Freund) ist Rainer Mirau, der auf seiner Website Naturfotografie vom Feinsten bietet.

Enjoy!

Freuen wir uns schon jetzt darauf!

Donnerstag, 19. Januar 2006, 22:08

Bildvorstellungen mit Farbe und Pinsel realisieren.

Bildvorstellungen mit Farbe und Pinsel realisieren.



Die analoge Fotografie scheint nun doch schneller abzutreten als es manche gedacht/gehofft/gefürchtet haben. Indizien: Einer der führenden Kamerahersteller hat dieser Tage verkündet, künftig so gut wie ausschließlich nur mehr Digitalkameras entwickeln und fertigen zu wollen. Die Absatzzahlen von Film sind weltweit stark rückläufig, klassische Fotolabore passen sich entsprechend an, erst kürzlich wurde in Wien ein renommiertes Labor für die Entwicklung von Umkehrfilm geschlossen.

Alles digital!


Für den Gelegenheitsfotografen und "Knipser"

ändert sich dadurch nicht viel. Lieferte er in der Analogzeit seine belichteten Filme beim Fotohändler ab, so sind es heute eben elektronische Speichermedien, die für die Ausbelichtung von Prints über die Theke wandern. Wenn überhaupt, denn technisch versiertere Kunden brauchen dazu gar keinen Verkäufer mehr, der ihre Wünsche mehr oder weniger freundlich entgegennimmt, sie bedienen sich an Printterminals selbst. Entweder Vollautomatik oder lediglich ein paar Parameter vorgeben - fertig ist das Bild fürs Fotoalbum, das sich auch in digitalen Zeiten nach wie vor großer Beliebtheit erfreut. Und nicht nur bei den Großeltern, die es anders nicht mehr kennenlernen wollen, sondern auch bei der technisch durchaus aufgeschlossenen jüngeren Generation. Selbst die will nämlich bisweilen ihre Urlaubserinnerungen lieber bequem via traditionellem Album konsumieren, als sich dafür die Augen am Bildschirm zu ruinieren oder statt genußvollem Hin- und Herblättern hektisch mit der Maus zu agieren.


Für den "anspruchsvollen Fotografen"

- den Amateur - und natürlich für den Berufsfotografen, bedeutet das nun heraufziehende Ende der Analogfotografie jedoch viel mehr. Nun müssen auch die hartnäckigsten Digitalverweigerer ihre Haltung überdenken, wollen sie nicht den Anschluss an die fototechnische Realität verlieren. Für Analog wird wohl in absehbarer Zeit kein (brauch- und leistbares) Verbrauchsmaterial wie Filme, Fotopapiere, Laborchemie etc. mehr angeboten werden. Die letzten Vorräte werden verarbeitet - und dann ist Schluss.

Wer Fotos abzuliefern hat beim Kunden, kann dies in vielen Fällen schon jetzt nur mehr in digitaler Form tun. Einfach, weil für klassische Fotomedien vielerorts kein Workflow mehr existiert der diese verarbeiten kann. Medienbrüche wie Analogfilm eingescannt sind unbefriedigende Übergangslösungen, die schon bald nur mehr für dokumentarische Zwecke zum Einsatz kommen werden. Jeder, der schon einmal Film für die anschließende elektronische Bearbeitung am Computer eingescannt hat, weiß, wie zeitraubend und nervtötend die immer notwendige elektronische Retusche von Staubflecken, Kratzern und sonstigen Schäden am Film ist. Eine vollautomatische und zuverlässige Erledigung dieser Arbeit durch Hard-/Software die dabei auch die Qualität erhält, ist bis heute nicht erfunden.

Das Ende der Analogfotografie bedeutet für Amateure und Berufsfotografen natürlich auch, sich (endlich) von der vorhandenen und über die Jahre lieb gewordenen analogen Ausrüstung trennen zu müssen. Besser sind hier diejenigen dran, die dies bereits vor ein, zwei Jahren getan haben, als für den Verkauf der Ausrüstung noch ein Markt vorhanden war. Heute stellt man sich seine bewährte analoge Gerätschaft besser zu Hause ins Regal zur nostalgischen Erinnerung - ein vernünftiger Verkaufserlös wird sich nicht mehr erzielen lassen. Ausgenommen natürlich rare Sammlerstücke.

Wer weiterfotografieren möchte, ist somit gezwungen, sich mit der digitalen Bildaufname zu beschäftigen, die sich von der gewohnten analogen in vielerlei Hinsicht unterscheidet, aber dennoch relativ leicht zu meistern ist. Für viele schon schwieriger wird es, wenn die Dunkelkammer gegen den Computer ersetzt werden muss.


Digitale Bildbearbeitung -

etwa mit dem Branchenstandard Adobe Photoshop - ist für Anfänger (insbesondere ohne Computererfahrung) eine wirkliche Herausforderung. Wer seine Fotos und Bildergebnisse nicht irgendwelchen Softwareautomatiken ausliefern möchte, muss sich mit den Grundlagen der Programme vertraut machen, um die zur Verfügung stehenden Werkzeuge später kontrolliert einsetzen zu können. Das kann schon einmal eine anstrengende und frustrierende Sache sein bis man das am Bildschirm sieht, was man sich ursprünglich vorgestellt hat. Und dieses Ergebnis dann bei Bedarf auch möglichst eins zu eins auf Papier zu bringen, stellt auch lernbereite Digitalfreaks zuweilen vor große Probleme, Stichwort "Farbmanagement".

Ganz zu schweigen selbstverständlich von den Kosten, die die Umstellung von Analog auf Digital für den Einzelnen bedeutet. Angeschafft werden müssen nicht nur Kameras und Zubehör, sondern auch Computer und Software. Dann kommt natürlich noch der Zeit- und Lernaufwand dazu, sein System inklusive erstellter Bilddaten abzusichern und lauffähig zu halten, Fotos sinnvoll zu archivieren, "zukunftssichere" Bildformate zu definieren und richtig einzusetzen sowie einiges andere mehr.

Vielen macht dieser ganzer Umstellungsprozess Spaß, vielen graut davor, einige werden - so sie nicht berufsmäßig fotografieren - auf den ganzen Technikzirkus überhaupt verzichten und künftig ihre Bildvorstellungen mit Farbe und Pinsel auf echtem Papier realisieren. Befreit von technischem Ballast sowie dem ständigen Zwang, technisch up to date zu sein und zu bleiben, werden sie intuitiv und in einer bis dahin nicht mehr für möglich gehaltenen Freiheit ihre innere Bilderwelt visualisieren.

Freuen wir uns schon jetzt darauf!

Die Persönlichkeit des Fotografen

Montag, 16. Januar 2006, 11:56

Eine kurze Geschichte über Wege durch die Fotowelt

Safari

Safari



Ein Musikinstrument völlig intuitiv spielen, ohne nachzudenken über Technik und möglichen Verlauf des Spiels, ganz frei von reflektierendem Denken und Bewertung. Eine wunderbare Sache! Sicher der Traum und das Ziel vieler Musiker.

Bevor diese Art zu musizieren möglich ist, müssen Theorie und Grundlagen verstanden, eingeübt und bewusst angewandt werden. Ein mühsamer und oft schmerzvoller Weg mit vielen Enttäuschungen und wenigen Freuden. Viele geben hier auf, gehen einen anderen Weg, rechtfertigen sich - ein kleines bisschen Bitterkeit es nicht geschafft zu haben bleibt jedoch für immer bestehen.


Mit der Fotografie und Bildbearbeitung ist es nicht anders

Am Anfang steht die Neugier, vielleicht die Bewunderung für berühmte Fotografen und ihre Werke, so, genau so, will man auch fotografieren können! Eine Kamera - meist Modelle die Berufsfotografen bevorzugen - wird angeschafft, dazu Bücher, die ersten selbst aufgenommenen Fotos werden nach Hause gebracht und voll Erwartung mit den Vor-Bildern verglichen. Zuerst ungläubiges Staunen, dann schnell Ärger und Frustration: Die eigenen Resultate sind so entmutigend weit vom bewunderten Vorbild entfernt! Die Kontraste stimmen nicht, die Farben leuchten anders als man es sich bei der Aufnahme vorgestellt hat, Details ertrinken in den Schatten, die alte Kathedrale steht in Wirklichkeit gerade, alles dabei noch gnädig verdeckt durch einen kräftigen Unschärfeschleier.

Noch schlimmer die Kommentare von "fortgeschrittenen" Fotografen aus dem Bekanntenkreis, die einem neben technischen Fehlern zusätzlich noch Inhaltlosigkeit, mangelndes Motivgespür, Unverständnis für Raum und Proportionen und manch anderes fotografisches Defizit mehr vorwerfen. Viele legen nach einem solchen Erlebnis die Kamera für immer weg und suchen sich rasch eine andere Freizeitbeschäftigung, die mehr Freude und Anerkennung verspricht. Vielleicht wäre man ja ausreichend begabt, aber bis man in der Fotografie einmal zu etwas kommt ...

Viele derer die dennoch weitermachen, erschöpfen sich - mit Begeisterung - im Kopieren "großer Meister" oder fertigen über die Jahre hinweg mit bewundernswerter Hingabe tausende Aufnahmen an, die den Bedingungen des Golden Schnitts, der allgemeinen Fotokompositionslehre oder schlicht den Vorgaben des örtlichen Fotoclubs entsprechen, dem sie mit Stolz angehören. Die Bilder dieser Fotografen werden in bunten Fotomagazinen gezeigt und besprochen, gewinnen Pokale und Medaillen bei Wettbewerben und zeigen mit verblüffender Übereinstimmung und Regelmäßigkeit knallrote britische Telefonhäuschen vor grünen Hecken, venezianische Gondeln hinter milchigen Nebelschwaden, vier gelbe Zitronen und eine Orange auf blauem Seidenpapier, gähnende junge Hunde oder nackte (aber nichtsdestotrotz um Fassung bemühte) Damen, hingestreckt auf altem bröckelnden Gemäuer an dem sich der Efeu rankt.


Wenn man

als interessierter Leser dieser Fotomagazine und Betrachter solcher Aufnahmen Glück hat, gibt es unter jedem Bild noch einen Hinweis auf die zur Anwendung gekommene Zeit-/Blendenkombination, die eingesetzte Brennweite und natürlich die jeweilige Kameramarke. Im Begleittext kommt der Wortstamm "profess-" mindestens fünf Mal pro Seite vor und ein zugehöriges Portrait zeigt den erfolgreichen Fotografen in prall gefüllter Fotoweste wie er gerade ein langbrennweitiges Objektiv in Anschlag bringt, etwa auf ein wildes Tier im Käfig oder ein im Abendlicht leuchtendes barockes Kirchturmkreuz.

Wer will derart engagierten und unermüdlichen Fotografen ihren Erfolg neiden! Umso mehr wenn sie mit ihrer Fotografie auch Geld verdienen.

Durch einen Zufall - oder weil da doch immer leise eine Stimme raunt, dass es dahinter, hinter den großen Verlagshäusern, die die bunten Fotomagazine produzieren und den imposanten Projektionswänden der Foto-Vereinslokale, noch eine ganz andere Welt gäbe, eine, in der Zeit/Blende, britische Telefonhäuschen, gelbe Zitronen mit Orange, müde junge Hunde und nackte gefasste Akte keine Rolle spielen, entschließen sich einige Wenige, sich auf die Suche nach dieser so eigentümlich kargen aber gerade deswegen so verlockenden Welt zu machen.

Niemand sieht diese Fotografen wieder, weder auf dem Vorstandspodium des lokalen Fotoclubs noch vor seinen Projektionswänden, nicht im führenden Fotofachgeschäft der Stadt und auch nicht im Mittelteil der bunten Fotomagazine, in Fotoweste und mit langbrennweitigem Objektiv im Anschlag. Eine Zeit lang erzählt man sich noch merkwürdige Geschichten, etwa, dass diese Fotografen noch dann und wann in anderen Teilen der Stadt gesehen werden, wie sie Teile ihrer einst so stolzen und umfangreichen Fotoausrüstung verschenken. An Studenten oder Künstler ohne Geld. Was - und ob sie überhaupt - noch fotografieren, das wisse man nicht. Und so geraten sie rasch in Vergessenheit, andere rücken an ihre Stelle nach, im Fotoclub, im Mittelteil der bunten Fotomagazine und auch die nackten Damen finden rasch neue hoffnungsvolle Fotografen, denen sie Akt liegen können.


Jahre später -

nur die Älteren erinneren sich an den Namen - ist plötzlich große Aufruhr in den bunten Fotomagazinen und in den Fotoclubs und ganz besonders bei den nackten Damen aber auch - wenn auch verhaltener - bei ihren Fotografen. Das war doch - ist doch! - einer von uns (auch wenn er niemals Mitglied bei den diversen Vereinen und Vereinigungen war, so stammt er doch aus derselben Stadt, wer will das jetzt noch so genau nehmen!). Ja, also wirklich, wer hätte das gedacht! Applaus, Applaus, was heisst denn vergessen!! Hoch, hoch!!

Einer derer, die damals ausgezogen sind und über die man sich seltsame Geschichten erzählt hatte, hat eine große Fotoausstellung in der Stadt der Wolkenkratzer, Finanzmagnaten und vermögenden Kunstsammler. Eine sehr erfolgreiche Ausstellung, die Fotomagazine, Zeitungen und großen Fernsehanstalten berichten ausführlich. Ein ganz eigener fotografischer Stil sei es, einen, den man zuvor noch nicht gesehen habe, gerade das mache die Bilder des Fotografen so einzigartig und famos.

Nur eines wäre seltsam - und keiner der Redakteure der Fotomagazine, der großen Zeitungen und Fernsehanstalten weiß warum - der Fotograf, nun, er nennt keine Vorbilder und weiß auch über seine Technik und seine Fotoausrüstung nichts Besonderes und schon gar nichts Ausführliches zu berichten. Geradezu einsilbig sei er im Gespräch und auch seine Kleidung sei von keiner besonders ausgefallenen Art, so, wie sie eben bedeutende Künstler sonst zu tragen pflegen.
Schließlich einigt man sich darauf, dass der Fotograf eben ein ganz besonderer Künstler sei mit einem entsprechenden Geheimnis. Eines, das man nicht ergründen könne und auch nicht solle. Es liege vielmehr in der unerschließbaren Persönlichkeit des Fotografen begründet.

Und wieder finden sich viele, die versuchen, den Stil diesmal dieses Fotografen zu kopieren. Viele scheitern, eine große Zahl macht weiter, zeigt ihre Bilder im Mittelteil der Fotomagazine und bei Fotowettbewerben und nur einige wenige finden keine Ruhe und folgen der leisen Stimme die da raunt, dass es dahinten, hinter alledem, noch eine ganz andere Welt gäbe, eine, in der der Stil dieses Fotografen, seine Vorbildlosigkeit, seine Einsilbigkeit, unauffällige Erscheinung und unerschließbare Persönlichkeit keine Rolle spielten.

Sie ziehen aus und man wird von ihnen eines Tages sehen und hören.

Ganz sicher sogar.

Das Morgen bestenfalls als Zuschauer erleben?

Mittwoch, 11. Januar 2006, 23:33



Wer in der Digitalfotografie und in der digitalen Bildbearbeitung am Heute hängt wird das Morgen bestenfalls als Zuschauer erleben. Insofern keine gute Empfehlung, neue Technologien und Entwicklungen als "überflüssig" zu bezeichnen, nur, um damit die Angst vor Neuem und Veränderung zu kaschieren.

Was habe ich mir vor Dezember 2002 nicht alles gegen die aufkommende Digitalfotografie zusammenphantasiert um mich bloß nicht von meinem gewohnten fotografischen Werkzeug trennen zu müssen (analoge Spiegelreflexkameras mit allem möglichen Zubehör sowie eine Schwarz-Weiß-Dunkelkammer). Als ich dann, kurz vor Weihnachten, an der Kassa meines bevorzugten Supermarkts eine Zenturie Nikon Coolpix 2000 hübsch verpackt und für mich durchaus leistbar entdeckte, war ich einfach nur neugierig und wollte "es" einfach probieren - das Fotografieren ohne Film und Arbeit in der Dunkelkammer, sprich dem Badezimmer zu Hause.

Meine lächerlichen Vorurteile und Abwehrkonstrukte gegen das Neue schmolzen im Laufe eines fotointensiven Nachmittags dahin, am darauffolgenden Tag war ich nach einer langen Nacht am PC davon restlos befreit. Es folgten die ersten Versuche im Bildbearbeiten mit Adobe Photoshop Elements 1.0, viele Misserfolgserlebnisse, eine Reihe von Fachbüchern, die ersten sichtbaren Fortschritte, das Upgrade auf Photoshop 7.0, weitere Bücher, ein eigener Scanner zum Digitalisieren meiner Schwarz-Weiß-Negative (das war ein Hallo, als ich längst Verflossene plötzlich detail- und tonwertreich am Bildschirm wiedersah!), böse Frusterlebnisse beim Ausdruck meiner Fotos am Tintenstrahler - was beim Drucker rauskam stimmte farblich nicht mit dem überein, was ich mir am Monitor so mühsam erarbeitet hatte. Erste Gehversuche in Farbmanagement, Kalibrierungs- und Profilierungshardware für Bildschirm und Drucker, Bücher, lange Nächte mit Internetrecherchen, Versuche, Verzweiflung, Erfolge, Euphorie, Rückschläge. Photoshop CS, Photoshop CS2, ein neuer Bildschirm wie ihn Berufsbildbearbeiter verwenden, ein neuer PC mit Doppelprozessor, PlugIns zur Erweiterung von Photoshop, dazwischen neue Kameras und so weiter.

Ich meine, all das Neue, das Verzweifeln an der eigenen Unzulänglichkeit, die unverhofften Durchbrüche auf die nächste Entwicklungsstufe, das ständige Bemühen um mehr Verstehen und Können hat meinen Fotos und mir gut getan. Hätte ich mich weiterhin gegen den technischen Fortschritt gewehrt, würde ich wohl heute noch mit Chemie im Badezimmer planschen und mir dabei den Mitternachtskaffee über die Hände schütten. Nein, es war eine schöne Zeit in der Dunkelkammer, nur wer diese erlebt hat kann die digitale Bildbearbeitung und ihre Möglichkeiten wirklich schätzen, aber das ist vorbei, in allen Punkten von der Elektronik überholt und übertroffen. Und es ist gut so.

Nun dämmert am Horizont wieder etwas Neues größeren Ausmaßes herauf. "Adobe Lightroom", wohl die schnelle Antwort von Adobe auf Apples "Aperture" und noch in der Beta-Version, wirkt auf den ersten Blick vertraut aber dann doch wieder nicht. Vorgesehen wie es heisst für die Bearbeitung großer Mengen an digitalen Aufnahmen, richtet sich Lightroom an Berufsfotografen und "weniger versierte Anwender". Da drängt sich mir natürlich gleich die Frage auf, wie sich Lightroom gegenüber Photoshop aus gleichem Hause positioniert. Mein Eindruck (und meine Hoffnung) ist, dass Lightroom sich an eine andere Zielgruppe als die für Photoshop wendet. Berufsfotografen, die wenig Zeit haben, sich um einzelne Fotos zu kümmern, die große Mengen an "Shots" zu bearbeiten haben sowie Eleven der Bildbearbeitung, die noch nicht über die notwendigen Fertigkeiten zur Bildverbesserung verfügen (oder diese auch gar nicht erwerben wollen). Also Automatisierung, die dem einen hilft und den anderen vom Lernen und eigenständiger Arbeit abhält? Das könnte hinkommen aber wir werden noch sehen.

Ich jedenfalls gehe mit meiner Photoshopdisk jetzt noch sorgfältiger als sonst um. Ein bisschen Angst vor dem Neuen darf ich ja wohl noch haben.

Die Wegbegleiterinnen

Dienstag, 10. Januar 2006, 21:15

Je weniger desto besser

Je weniger desto besser


Erstaunlich wenig fällt mir zu meinen optischen Wegbegleiterinnen - meinen Kameras - ein. Wahrscheinlich deswegen, weil sie das tun was ich von ihnen erwarte und mir nicht dazwischenreden. So besteht kein Anlass, besonders über sie nachzudenken. Ich habe deren drei, jede mit ihren Vorzügen und Schwächen, mit jeder lassen sich "gute" Fotos machen.

Die eine ist mir ganz besonders ans Herz gewachsen. Sie hat eine ausgezeichnete und sehr lichtstarke Optik, liegt gut in der Hand und bietet die Möglichkeit, Aufnahmen im RAW-Format zu speichern. Mit ihr bin ich meistens unterwegs und ich halte sie für ein besonders gelungenes Werkzeug.

Die andere stammt aus derselben Familie, nur ist sie wuchtiger und erlaubt Aufnahmen mit einer höheren Pixelzahl. Auch sie verfügt über ein erstklassiges Objektiv und manche sagen, sie sei die beste ihrer Klasse. Ich will es gerne glauben.

Die dritte ist ein kleines Schmuckstück und vollgepackt mit sinnreichen Funktionen. Ich nehme sie oft nur so in die Hand und bewundere die Fähigkeit und Intelligenz ihrer Konstrukteure. Mit ihr fotografiere ich gerne Menschen. Weil sie so klein ist und nett aussieht, wird sie von ihren Opfern nicht ernst genommen und so gelingen nette und unbeschwerte Aufnahmen.

Jede der Damen hat ihre eigene Tasche (necessaire) aus gutem Hause, dazu noch Reserveakkus, Reinigungspapier für die Linse (nur für den Notfall!) aber sonst besitzen sie nichts. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass jedes Ausrüstungsstück mehr sich nachteilig auf die Konzentration auswirkt. Außerdem muss man ständig aufpassen nichts zu verlieren und das Tragen einer vollgepackten Fototasche über Stunden macht der Schulter wenig Freude. Last but not least ist man als Fotograf mit bescheidener Ausrüstung auch kein markiertes Ziel für Diebe und Räuber.

Einer der Großen der Fotografie, Andreas Feininger, hat in einem seiner hervorragenden Bücher einmal sinngemäß bemerkt, dass man Zubehör, dessen Funktion einem unbekannt ist, nicht brauche. Damit hat er sich höchstwahrscheinlich bei Handel und Industrie so manche Sympathien vertan, aber er hatte und hat mit dieser Aussage völlig Recht. Ähnliches gilt auch für die Bildbearbeitung am Computer, ein ganz faszinierendes Thema, welchem ich mich in einem Folgebeitrag widmen werde.

Profi-Backuplösung!

Sonntag, 8. Januar 2006, 21:12

So stolz war ich auf meine "Profi-Backuplösung" mit großartiger Software ("für Private aber auch für kleine Unternehmen") sowie mehreren Wechselfestplatten, dass es meine Fotofreunde schon nicht mehr hören konnten. Immer alles akribisch gesichert nach Plan, aktuelle Katalog- und Konfigurationsdateien der Backupsoftware stets nahe dem Herzen auf einem USB-Stick getragen, Desaster recovery in Form einer eigens erstellten CD-R mit Papierdoku feierlich in ein großes Kuvert eingesiegelt und im Schrank abgelegt. Soll die Platte nur krachen - was kostet's!

Ich hab seit gestern Vormitag nicht viel geschlafen. Mein Versuch, ein hartnäckiges Softwareproblem zu lösen, endete in einer torpedierten Systemplatte - mein stolzes Dualcore-System, sicher und hoffentlich (!) das stärkste im ganzen Haus, war drauf und dran, elend und unter dem Ausstoßen erschütternder Hilferufe auf Grund zu sacken. Das für mich wirklich Tragische: Ich habe es selbst so herbeigeführt. Denn erst meine Versuche, das zuerst nur kränkelnde System vom Backup wieder herzustellen führten zu diesem fatalen Ereignis. Nicht nur auf seiner Website, sondern auch im Handbuch zu seiner Profi-Backupsoftware verspricht ja der Hersteller, man könne einen derart vorgesorgten PC problemlos und sicher in einen früheren Zustand versetzen. So wollte ich denn auch dem ursprünglichen PC-Problem entkommen - einfach mit der Zeitmaschine in die noch heile Systemvergangenheit. Was mich dann letztlich vor einer Verzweiflungstat, begangen an mir selbst, bewahrt hat, war eine simple Kopie meiner wichtigsten Daten auf eine Wechselfestplatte, die ich vornahm, bevor ich unglücklich Hand an meinen Rechner legte.

Jetzt - 18 Stunden nach Desaster - läuft das System wieder ohne Datenverlust. Mein körperlicher Zustand hingegen ist schlimmer, als es meinem Alter entsprechen sollte. Aber, heute noch, als letzte Tat des Abends, ein einfaches Image der wiedererstandenen Systemplatte plus ein einfaches Kopieren meiner Fotos und sonstigen Schätze auf zwei einfache Wechselfestplatten. Eine für zu Hause, die andere für's Büro. Und künftig Hände weg von Profi-Backupsoftware, die mir offenkundig zu sophisticated beziehungsweise "zu steil" (wienerisch für vorgenanntes Fremdwort) ist.

Wohl dem, der seine Grenzen kennt.

Als Fotograf durch Wien

Samstag, 7. Januar 2006, 0:30

Bilder kann man nicht finden.

Bilder kann man nicht finden.


Oft sind es stundenlange Wanderungen durch die Stadt, ohne besondere Planung, ohne besonderes Ziel.

Im Sommer drückt die Hitze und stinkt es von den Straßen, bei klarem Himmel ist um die Mittagszeit das Licht ohne Leben, nahezu senkrecht fällt es über die Schatten her die sich in sich selbst verkriechen. Die Fassaden wirken flach und öde, man setzt sich also als Fotograf besser in ein Café und liest die Zeitung und wartet, bis das Licht wieder lebendiger und die Stadt fülliger wird.

Im Frühling blendet das Licht weil es schon recht kräftig strahlt aber doch noch ziemlich flach einfällt, man hat es deswegen lieber im Rücken aber dann reflektiert es einem von hellen Wänden und Fenstern schmerzhaft hell entgegen und mit Sonnenbrille fotografieren will keine rechte Freude machen. Man setzt sich im Frühling als Fotograf also besser in den Volksgarten und lässt die Verliebten an sich vorbeiziehen, am besten mit geschlossenen Augen, die Kamera in der Tasche, man muss nicht alles immer sehen, den Frühling riecht und fühlt man so auch am besten.

Bleiben Herbst und Winter und diese sind mir fotografisch gesehen die liebsten Jahreszeiten. Wien lebt in den grauen Monaten so richtig auf, alle Bezirke links des Gürtels, Währing, Döbling und Lainz sowieso, zeigen erst unter dem Hochnebel ihr eigenes Wesen (die Leopoldstadt ausschließlich). Was einen bei Sonnenschein trist und morbid anrührt und schnell in depressive Verstimmung führen kann, schimmert in den Herbst- und Wintermonaten in einer unvergleichlich tiefen und stillen Pracht. Moder und Sonnenschein treten nicht gegeneinander an, die Spannung fehlt und weil keiner von Beiden um die Vorherrschaft ringt ist es friedlich und die Geschichte des jeweiligen Ortes wird wie durch ein geöffnetes Tor sichtbar. Wer es nicht glaubt begebe sich jeweils einmal im Sommer und einmal im Herbst ohne besondere Absicht in einen der genannten Bezirke.

Oder eigentümliche Bauten wie die Höfe und Trutzburgen der Wiener Sozialdemokratie aus den zwanziger und dreissiger Jahren, etwa der Karl-Marx-Hof, was bieten die für den Fotografen im Sommer und was dagegen im Herbst und Winter?

Fotografieren kann man eigentlich nur alleine. Die Gegenwart eines Begleiters, um so mehr einer Begleiterin, lenkt ab, hindert daran, in diesen Zustand der unangespannten Aufmerksamkeit zu kommen, der einen Motive und Zusammenhänge erst erkennen und als Bild sehen lässt.

Bilder kann man nicht finden, sie kommen zu einem. Wenn man gerade bereit ist, sie auch zu sehen. Manchmal zwei drei an einer Stelle, manchmal keines in drei Stunden.

Ach ja, die Kamera. Zu der fällt mir jetzt gar nichts ein. Warum? Ich denke darüber vielleicht bei einem nächsten Eintrag nach.

Was brauche ich wirklich?

Freitag, 6. Januar 2006, 18:48

Keine "Fotografie" mit Kompakten?

Keine "Fotografie" mit Kompakten?


Meine Gespräche mit anderen Fotografen drehen sich natürlich immer wieder auch um die jeweilige Ausrüstung die zum Einsatz kommt. Darüber fällt es uns sichtbar leichter zu diskutieren als über die Bilder die wir machen. Technik ist objektiv, klar, berechen- und vergleichbar. Fotos sind subjektiv, emotional besetzt, entziehen sich Kategorien.

Klar jedenfalls, dass wirkliche Fotografie mindestens die Anwendung einer Spiegelreflexkamera voraussetzt. Ob digital oder doch noch analog ist dabei fast unerheblich. Hauptsache, wir sehen die Welt durch ein Prisma, eins zu eins durch das aufgeschraubte Objektiv. Dafür zahlen wir auch gerne Beträge, die unsere Frauen lieber auf den Sparbüchern für ein besseres - und vor allem größeres - Dach über dem Kopf sehen würden. (Aber das ist ein ganz anderes Thema.) Eine Reflex muss es sein, überhaupt keine Frage. Und schon dreht sich die Debatte um Lichtstärke, Korrektur der optischen Fehler, ulltraschallgetriebene Fokusiereinrichtungen, elektronischen Verwacklungsausgleich, prestigeträchtige rote Ringe zur sichtbaren Qualitätsauszeichnung und so weiter. Überhaupt: Canon gegen Nikon, das ewig alte Streitthema der Kleinbildfotografen seit die deutsche Kameraindustrie auf den Märkten abgedankt hat.

Bei diesen Diskussionen höre ich aufmerksam zu, warte ab, beobachte nicht ohne stillen Genuss, wie die Meinungen lautstark aufeinanderprallen. Wenn die Auseinandersetzung, schon viel mehr emotional als sachlich geführt, verebbt, sich in irgendwelchen nebensächlichen physikalischen Details verfahren hat und die zugehörigen Positionen nur noch aus Gründen der Ehre angegriffen und verteidigt werden, werfe ich nicht ohne Gehässigkeit die Frage ein, ob das alles für unsere Fotografie eigentlich notwendig sei. Dass man mit einer der unsäglichen "Prosumer Cams", also einer Kompaktkamera, doch auch gut zurechtkäme, weniger zu schleppen hätte, mehr Geld für das Sparbuch bliebe, man keinen Staub vom Sensor pusten müsse und die Welt genauso durch das Objektiv betrachten könne, nur halt elektronisch, wie durch eine Spiegelreflexkamera. Nachteile wie nicht gegebene Objektivauswahl, stärkeres Rauschen und Blooming würden nicht so sehr ins Gewicht fallen, Kriterium sei in der neuen, der digitalen Fotografie, ja ohnehin die digitale Nachbearbeitung am Computer, die dem Fotografen völlige Kontrolle über das Resultat seiner Bemühungen gebe. Wozu also wirklich eine "Systemkamera"?

Bis heute - und ich diskutiere dieses Thema schon sehr lange - habe ich noch keine schlüssige Antwort auf diese Frage bekommen. Und so fotografiere ich für die Subworld weiter mit meinen Kompaktkameras und konzentriere mich im Übrigen auf mein Fortkommen in Adobe Photoshop. Denn hier, am PC, werden heute die fotografischen Schlachten geschlagen - und gewonnen.

Glaube zumindest ich.