< Juni • 2010 >
S M D M D F S
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30

L?

Report aus der Silbermine: Ilford Delta 100 Professional in Ilford Ilfosol 3

Montag, 7. Juni 2010, 23:27

Gestern hob ich also nach 15 Jahren wieder einen selbstentwickelten Silberfilm aus dem Netzmittelbad - hier das Endergebnis.

Meine (umfangreichen) Notizen dazu siehe im Anschluss.

Gleich vorab: Ich mache es sehr bald wieder! :-)

Salon de voiture - 

Wien im Juni 2010, Nikon F4 mit Nikkor 24/2.0 Ai-S

Salon de voiture  

Wien im Juni 2010, Nikon F4 mit Nikkor 24/2.0 Ai-S



Der Report

  • Die eingelernten Handgriffe funktionieren noch, aber die Sicherheit fehlt > daher einiges Nachdenken über Ablauf, einzelne Schritte und Zwischenkontrollen (sitzt der Film sauber in der Spule, ist die Entwicklungsdose verschlossen, habe ich nicht den Fixierer vor dem Entwickler eingegossen ...).
  •  
  • Ilfosol 3 als Einmalentwickler 1+9 angesetzt für
    Entwicklungsdauer = 6 min.
  •  
  • In einem Kübel (eigentlich Behälter fuer Bodenwischer) mehrere Liter "Arbeitswasser" mit exakt 20 °C angesetzt
  •  
  • Die erste Dosenbewegung irrtümlich doppelt ausgeführt, deshalb vermutlich auch das ziemliche dichte Negativ, welches
  •  
  • zwar ordentlich scanbar,
  •  
  • aber als Rohscan am Monitor unbequem zu bearbeiten ist, da es zu dunkel aus dem Nikon Super Coolscan 5000 ED kam,
  •  
  • also beim nächsten Mal weniger Bewegung und 30 Sekunden kürzer entwickeln.
  •  
  • Prozesszeiten peinlich genau eingehalten, um Referenz für die folgenden Entwicklungen zu haben.
  •  
  • Aha-Erlebnis: "Das Stoppbad (Ilfostop) sticht ja gar nicht in der Nase" ;-)
  •  
  • Fixierung mit Ilford Rapid Fixer 1+4, 5 min, Dose in Intervallen bewegt.
  •  
  • Schlusswässerung nach der von Ilford empfohlenen Dosen-Methode: Dose mit Wasser füllen, 5 mal kippen, Wasser wechseln, dann 10 mal und 20 mal.
  •  
  • Jost J. Marchesi empfiehlt die 20er-Sequenz insg. 3 mal durchzuführen*) für höchste Archivfestigkeit (ok, beim nächsten Mal dann ...).
  •  
  • Netzmittel Ilfotol 1+200
  •  
  • Film im Netzmittelbad ins Schlafzimmer verbracht und dort im entstaubten Schrank aufgehängt, kein Abstreifen!, Schranktür sanft geschlossen um Staubgewirbel möglichst zu vermeiden, Drang nach Erstinspektion erfolgreich unterdrückt.
  •  
  • Nach vier Stunden einmal nachgesehen wie's dem Film so geht > festgestellt, dass das Trägermaterial recht weich ist (ich bin vom IlfordHP5+ noch das Durchbiegen gewohnt).
  •  
  • Ueber Nacht trocknen gelassen und
  •  
  • in der Früh (vor dem Gang zur Arbeit ;-) erste Probescans gemacht.
  •  
  • Bez. Staubflecken positiv überrascht > durchaus Einiges zu Retuschieren aber keine Katastrophe wie befürchtet! (Silberfilme können ja - im Gegensatz zu chromogenen und Farbnegativfilmen - beim Scannen nicht mit dem ICE-Verfahren staubkorrigiert werden.)
  •  
  • Durchgängige Kette mit Luftblasen auf dem ganzen Film > beim nächsten Mal knalle ich die Dose also härter auf den Tisch ;-)
  •  
  • Netzmittelbad hat gut gearbeitet, fast keine Ablaufrinnen und auch keine Kalkflecken.
  •  
  • Scan im eigenen Standard-Workflow bearbeitet.
  •  
  • Photoshop-Filter "Staub und Kratzer" auf das ganze Bild als Ebene (Kopie Hintergrundebene) angewendet, Einstellung Radius = 4, Schwellenwert = 40, damit verschwanden die meisten Punkte ohne dass das Bild weichgezeichnet wird. Spitzlichter und kontrastreiche Kanten Stelle für Stelle mit Ebenenmaske zurückgeholt (Pinsel, Farbe schwarz, Deckkraft = 100 %)
  •  
  • Verbliebene Flecken mit dem Bereichsreparaturpinsel entfernt, ABER meinen Hang zum Perfektionismus unterdrückt! Da es wohl kein fleckenfreies Print aus der Duka gibt, muss das auch hybrid nicht der Fall sein, ein paar kleine Unregelmäßigkeiten unterstreichen sogar die "Authentizität"!
  •  
  • Insgesamt sehr gute Sache, die Bearbeitung dauert zwar inklusive Retusche länger, dafür aber auch intensivere Auseinandersetzung mit dem Bild und seinen Details. Auch schärfere Selektion, da sich der Aufwand nur für die besten Bilder lohnt.
  •  
  • Sammle weitere Erfahrungen, das nächste Mal dann der Ilford Delta 400 im gleichen Entwickler.
  •  
  • Und endlich erspare ich mir das frühe Aufstehen, um meine Filme ins Fachlabor zu bringen!

--
*) Marchesi Jost J.: Die Ilford Negativtechnik - Eine Anleitung fuer das Hobbylabor, Herrsching/Ammersee: vwi, 1981. 2. Auflage. 184 Seiten. Zahlreiche Abbildungen.