Abdrücken für Voyeure
Samstag, 9. September 2006, 12:31

Draufstürzen auf Schicksale zur Bedienung
des Voyeurismus
Ich habe in den letzten Wochen wenig fotografiert. Ein paar private Bilder zur Erinnerung an Ausflüge, Blick-in-die-Ferne-Richtung-Bratislava, grüne Wiesen und blauer Himmel, Sonnenflecken im stillen Mittagswald - nichts davon nahm ich aber bewusst auf um es auf subworld.at zu zeigen.
Flaute, Fadesse, Müdigkeit, Interesse am Werk verloren?
Nein, ich glaube, mein relativ fotoloser Sommer 2006 war für die eigene Ausrichtung wichtig und es ist gut, dass ich mir die Zeit dafür genommen habe. Es sind neue Ideen entstanden, andere verworfen worden, die Fotoausrüstung wurde im Sinne der "technischen Komplexitätsreduktion" durchforstet, nicht mehr benutzte Gerätschaft wurde ausgemustert. Es belastet mich, wenn leistungsfähige Technik im Schrank untätig dahindämmert und dennoch Aufmerksamkeit beansprucht, und sei es nur, nicht versehentlich das falsche Ladegerät hervorzuziehen.
Aber da war in den letzten Wochen noch etwas, das mich die Kamera nur selten in die Hand nehmen ließ.
Es war der Ekel vor dem, was Fotografen, die über die gleiche oder ähnliche Ausrüstung wie ich verfügen, damit anstellen.
Ja, ich meine diese Sensationsfotografie, dieses Draufstürzen auf Schicksale, wo es nicht um Anteilnahme, Mitfühlen oder zumindest respektvolles Interesse geht, sondern um gezieltes Abdrücken zur Bedienung des Voyeurismus jener, die bei der Betrachtung der Bildresultate wohlig erschauern und dabei genüsslich ihren Sonntagnachmittagkaffee schlürfen.
Aufgenommen wird genau mit den Kameras und "verfeinert" mit genau der Bildbearbeitungsoftware, die auch wir für unsere Fotografie verwenden, die wir achten und bisweilen heimlich auch lieben.
Dabei sollte jedoch nicht vergessen werden, dass man durch ein Objektiv immer von zwei Seiten blicken kann. Der Fotograf der glaubt, nur er sehe sein Motiv, belügt sich selbst. Genauso wird der Fotograf selbst durch sein Objektiv sichtbar und jedes Bild erzählt folglich auch etwas über die Beziehung von Motiv und Fotograf.
Und das lässt mich für die Fotografie hoffen und nicht an ihr verzweifeln.





