![]() |
April • 2012 | ![]() |
||||
| S | M | D | M | D | F | S |
| 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 |
| 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 |
| 15 | 16 | 17 | 18 | 19 | 20 | 21 |
| 22 | 23 | 24 | 25 | 26 | 27 | 28 |
| 29 | 30 | |||||
Durch alle Zeiten
Sonntag, 29. April 2012, 11:14
Die Wochen sind ausgefüllt mit Broterwerb, privaten Verpflichtungen, neue Interessen sind dazugekommen und irgendwann sollte man auch sein Schlafdefizit ausgleichen - Lebens-Management, Interessensausgleich, Suche nach Balance, wie es für jeden gilt.
Heute aber möchte ich mich wieder der Pflege meines, inzwischen ein bisschen vernachlässigten, Schrankbestandes widmen. Mein Vorhaben, alle anwesenden analogen Kameras alle drei Monate zu begutachten, zu bewegen (Verschluss spannen, auslösen, Schalter betätigen etc.) konnte ich nicht einhalten, jetzt sind es eben sechs Monate seit dem letzten "Wartungsdurchgang".
Vor mir auf dem Schreibtisch stehen F3 auf MD-4, F4 und F5 in trauter Familieneintracht. Metallflächen und Kunststoffbeschichtung schimmern matt im seitlich einfallenden Tageslicht, es riecht vertraut nach kühlem Metall und Schmieröl, die Geräte liegen schwer in der Hand. Hier etwas Staub wegpusten, dort einen kleinen Schmutzrand unter dem Einstellrad beseitigen, den ich beim letzten Mal wohl übersehen haben muss. Und jetzt - es ist immer ein kleines bißchen Aufregung dabei, ob auch alles funktioniert - Batterien einsetzen, Belichtungsmesser prüfen und, nach ein klein wenig Zögern, den Auslöser durchdrücken!
Und als ob die Kameras gerade erst aus dem Werk kämen, springen die Systeme verzögerungsfrei an, in einem Moment klackt der Spiegel nach oben, der Verschluss läuft leise surrend ab, geschmeidig und elegant wie ein flacher Schlitten auf kaltem Schnee, kaum wahrnehmbare Erschütterung - und schlagartig ist es wieder still in meinem Zimmer. Als ob es keine Jahrzehnte des Alterns gäbe, liegen die einstigen Flaggschiffe Nikons ruhig und fest auf See, als wären sie für eine Fahrt durch alle Zeiten gebaut und gedacht.
Fast gerührt ob dieser Treue und Zuverlässigkeit, drehe ich nacheinander die Verschlusszeiten ein, löse jeweils zwei Mal aus, prüfe auf Funktion, höre in die Geräusche hinein, ob alles wie gewohnt klingt und läutet, und lasse die Schiffe danach behutsam in ihren festen Hafen zurücklaufen.
Diese Kameras werden vermutlich noch dann funktionieren, wenn niemand die Kunst des Filmkamerabaues mehr beherrscht und wenn die letzten Fotografen, die mit diesen Kameras zu ihrer Zeit die Welt entdeckten, friedlich in die Zukunft gegangen sind.
Welch große Ingenieursleistung, die da vor Jahrzehnten auf Japans Inseln geschah.





