< Juni • 2010 >
S M D M D F S
1 2 3 4 5
6 7 8 9 10 11 12
13 14 15 16 17 18 19
20 21 22 23 24 25 26
27 28 29 30

L?

"f3 | japan - tokyo". ein essay ueber das reisen in die vergangenheit

Freitag, 11. Juni 2010, 19:27

I

vor zwei jahren war es, dass ich mich in diese zeitmaschine gesetzt hatte und damals noch nicht wusste, dass es eine rueckreise in etappen sein wuerde.


II

es war ein tag, digital wie schon viele andere zuvor, und ich koennte nicht sagen, dass mir die ankunft der zeitmaschine besonders aufgefallen waere oder dass ich mir ueber ihr ploetzliches dasein gewundert haette. sie stand einfach da und ich bemerkte es. mehr war da nicht.


III

an diesem fruehsommerabend war es kein abschied, da war auch keine grosse bewegung oder gar unruhe oder reisefieber: "rueckreise acht jahre, zieldatum das jahr 2000 im juni" las ich und klickte zur bestaetigung mit der maus. das war alles - kein summen oder brausen durch die zeit, keine sich biegenden waende, keine verzerrungen, keine lichtblitze wie man es aus science-fiction-filmen kennt. alles blieb so um mich, wie ich es verlassen hatte - und dennoch war ich nicht mehr da, wo ich gestartet war.


IV

canon eos-1vhs | japan | 2000 las ich und freute mich ueber die ankunft am ersten ziel meine reise. so rasch ging das, so einfach und ohne jede muehe!

mir gefiel dieses reisen durch die zeit, ich dachte mir neue ziele aus: guenter richter | foto-guide canon eos-1v | gilching | 2000 war die naechste station und wieder unterschied sich der ort an dem ich ankam so ueberhaupt nicht von dem jahr 2008, in dem ich mit meinen reisen in die vergangenheit begonnen hatte.


V

immer unternehmungslustiger wurde ich und so gab ich eines tages in der zeitmaschine nikon f3 | japan - tokyo | 1980 ein. wieder reiste ich in die vergangenheit als waere es nicht geschehen. eine schwarze f3 stand ueber den moment vor mir auf dem schreibtisch, den ich scheinbar nicht verlassen hatte, so neu und unberuehrt, als waere sie eben gerade aus der kamerafabrik in tokyo gekommen.

wie grossartig dieses reisen doch ist! freute ich mich und war seitdem fast jeden tag mit meiner f3 unterwegs.


VI

weitere ziele und reisen folgten, bis zurueck in die 1970er-jahre, und ich kann sagen, dass ich bei keiner dieser reise etwas aussergewoehnliches bemerke. jederzeit kann ich wieder zurueck in die gegenwart und ich finde es nichts besonderes, dass viele buecher in meinem regal bereits etwas angegilbt sind und verkaufsprospekte aus den 1980er-jahren bisweilen leicht modrig riechen. selbstverstaendlich drehe ich blendenwerte mit schmalen ringen um objektive ein und eine drei-volt-knopfzelle haelt meine kamera lange in betrieb. auch im internet sehe ich stets kameras und zubehoer aus dieser zeit und wiener fotogeschaefte bietes auch nichts anderes als schwarze und silberfarbene kameras und objektive mit silbernen greifringen in ihren schaufenstern an. ich denke, in deutschen fotolaeden ist es nicht anders.

abends unterhalte ich mich im nikon-fotografie-forum mit anderen zeitreisenden und wir alle finden an diesen unternehmungen nichts aussergewoehnliches.


VII

die 1980er- und 1990er-jahre sind, nach zwei jahren reisen, jetzt keine erinnerungen mehr, sondern taegliche realitaet, ich freue mich ueber die faehigkeit, jederzeit aus der vergangenheit in die zukunft blicken zu koennen. so war das erscheinen der legendaeren af-d nikkor-reihe keine ueberraschung fuer mich und meine reisekameraden, und den advent der nikon f6 sahen wir alle gemeinsam voraus - auf den tag genau.


VIII

es hat sich nichts veraendert, ich bin sicher, in der gegenwart zu leben und nur in die vergangenheit zu reisen - nur meine kleidung passt irgendwie nicht zu der, die andere leute tragen. mir gefallen weisse tennissocken, zitronengelbe lambswoolpullover, weisse poloshirts und schmale seidenkrawatten mit paisleymuster. aber das war schon immer so - und warum sollte es heute anders sein?