János Sebestyén spielt Bach
Donnerstag, 22. Juli 2010, 13:56
Eine unendlich weite Landschaft für Nachdenker, Träumer und am Alltag müde Gewordene:
János Sebestyén - [Johann Sebastian] Bach: Inventions and Sinfonias (Complete), Naxos, 1993
Hobby und Sammeln
Donnerstag, 22. Juli 2010, 13:37
Ich denke, das Sammeln gehört zum Hobby dazu, egal ob es sich jetzt um Kameras, Angelhaken, Bücher, Malpinsel, Bahnhofsschilder, Kochlöffel etc. handelt. Man beschäftigt sich eben gerne mit dem Thema und allem, was dazugehört. Und je intensiver und länger man das tut, desto mehr kommt man in die Feinheiten und legt sich - als Fotograf - dann halt zu seinem 28/2.8 Weitwinkelobjektiv noch die eine Blende lichtstärkere Version zu. Vielleicht weniger aus Bedarf als an Freude an der Optik, der dahinterstehenden Ingenieursleistung usw.
Die stereotype Analogie zum Kleiderschrank sei erlaubt.
Übrigens stehen Damen bisweilen lange vor diesem und können sich nicht so recht entscheiden, welches der feinen Stoffwerke sie heute anlegen sollen. Da wird dann anprobiert, ausprobiert, verworfen, geklagt, dass nichts zum Anziehen vorhanden sei, Wünsche entstehen oder werden rasch generiert, vorhandene und nicht vorhandene Sparschweine werden geschlachtet für die nächste Einkaufstour ... ;-)
Dem (fotografierenden) Kamera- und Optiksammler geht es da wohl nicht anders.
Das mit dem Sammeln fängt früh an ...
Ich war zum Beispiel bereits in jungen Jahren Oberbefehlshaber über eine Division Airfix-Figuren und kommandierte wohl die größte Luftstreitmacht Steyrs im Maßstab HO. Unterstützt von einem multinationalen Panzer-Korps, das ich selbst zusammengebaut und bemalt hatte. Zuvor war ich Bahnhofsvorstand und hatte immerhin mehrmals täglich fünf Lokomotiven und an die 20 Waggons abzufertigen, das war, obwohl Maßstab 1:72, ganz schön viel Arbeit - und Verantwortung - für einen damals noch lange nicht Volljährigen ... :-)
Solange man sich für sein Hobby nicht ruiniert, auf Essen und Trinken verzichtet oder eines Tages ganz im Sammelschrank verschwindet, sollte das in Ordnung gehen.
Sammeln ist höchst irreal - gerade das macht doch Spaß in einer mehr und mehr durch-dachten Welt ... Wobei ich unter Sammeln nicht das planlose Anhäufen von Dingen ("Vielhaben"), sondern gezieltes Suchen und Finden verstehe.
Herausforderung Sonnenschein?
Mittwoch, 21. Juli 2010, 18:15
Ich bin mir noch nicht sicher, ob ich das aktuelle Sonnenscheinwetter samt Hoch-Temperaturen als fachliche und sportliche Herausforderung oder doch eher als Belastung sehen soll.
Direktes Sonnenlicht bedeutet gegebenenfalls zu hohe Motivkontraste, das Gewicht einer gefüllten Wasserflasche - zusätzlich zu dem der Kamera samt Objektiv - auf der Schulter, ständig die Entscheidung zwischen Sonnenbrille auf und ab, ein durchgeschwitztes Polo pro Ausgang und permanent die Suche nach Schatten für mich und meine Kamera.
Jetzt bin ich wohl noch zu jung, um mich über das Wetter zu beklagen, aber ich freue mich dennoch schon jetzt auf den späten September, der wieder die lange Periode des Wiener Hochnebels einleiten wird.
Dann, bei vergleichsweise angenehmen Temperaturen und diffuser Motivbeleuchung, fällt das Fotografieren in jeder Hinsicht wieder
leichter ;-)
Operation Backlight - Maid of Orleans
Sonntag, 18. Juli 2010, 21:02
Gestern folgte ich der Künstlerin in den Wiener Untergrund, um die Durchführung der Operation Backlight mit der Kamera zu dokumentieren.
Ich war darauf wieder nur insoferne vorbereitet, dass mir Datum und Uhrzeit des Treffens bekannt waren, jedoch wusste ich nicht, um welche Aktion es sich handelte und wie sie ablaufen würde. Mit mir kam diesmal meine treue Canon PowerShot G9.
Die Operation wurde von der Künstlerin wie immer sorgfältig geplant sowie routiniert durchgeführt und von der Untergrundverwaltung offenkundig nicht bemerkt, ich konnte also ungestört fotografieren.
Begleitet wurde ich dabei innerlich von einer Bass- und Snare drum im 3/4-Takt: Orchestral Manoeuvres in the Dark, "Maid of Orleans", ein Song aus 1981, der mir in heiklen, aufregenden Situationen immer Sicherheit und Zuversicht gibt. Der Bandname passt im Übrigen hervorragend zum düsteren Ort tief unter der Stadt.
If Joan of Arc had a heart,Would she give it as a gift
To such as me who longs to see,
How a legend oughta be
Had dreams to give her heart away,
Like an orphan along the way
She cared so much,
She offered up her body to the grave

Mehr bin ich im Moment nicht befugt zu schreiben, die Künstlerin wird jedoch sicher alsbald über ihre Aktion im Detail berichten.
Kamerakauf gebraucht: "Wie neu, never used before, mint" - wirklich die beste Wahl?
Samstag, 17. Juli 2010, 14:38
Weil ich mich gerade wieder durch die elektronische Bucht treiben habe lassen und die hohen Preise für "minte" analoge Kameras gesehen habe: Ist ein neuwertiges, "ungebrauchtes" Gehäuse wirklich die beste Wahl? Nämlich dann, wenn man die Kamera nicht nur in die Vitrine stellen, sondern mit ihr auch arbeiten möchte.
Denn eine Kamera, die tatsächlich seit vielen Jahren, Jahrzehnten, nicht benutzt wurde, wird vermutlich "steif" geworden sein über die Zeit. Ich denke dabei an Verharzung mechanischer Teile oder oxydierte Kontakte - Probleme, die man in vielen Fällen nicht selbst kurieren kann oder nur mit Aufwand (zum Beispiel der lahm gewordene Blendenhebel meiner "wie neuen" Nikon F4).
Somit wäre mir als Arbeitsgerät eine moderat und regelmäßig benutzte Kamera lieber. Und ich frage mich, ob - so gesehen - die stattlichen Preise für "mint" tatsächlich gerechtfertig sind.
Ken Rockwell reviews Nikon F5
Montag, 12. Juli 2010, 22:07
Detaillierte Besprechung, unter anderem Informationen zum Data Reader MV-1 und Vergleich der Features mit der Nikon D3.
Ich bin sehr froh, dass heute noch Fotogerätschaft aus vergangenen Dekaden ausführlich rezensiert wird.
Ken Rockwells summary:
The Nikon F5 sold for thousands of dollars as the world's top professional camera in the late 1990s.Today, in 2010, it is just as good as it was when it was new, but sells for only a few hundred dollars. You can't go wrong; get one!
I was always afraid of the F5's gargantuan size, weight and astronomical price, but now that the F5 sells for less than my last CF card, and that I'm acclimated to this size camera after shooting the D3 since 2007, the F5 is a total winner for any sort of photography that doesn't need light weight.
For lighter weight, get the superb Nikon F6. If on a tighter cash or weight budget, try a Nikon N75, which weighs and costs just a tiny fraction, and does most of what the F5 and F6 do with all modern lenses, without the color meter, speed or durability.

Nikon F4s: Verabschiedung in den Reservestand
Freitag, 9. Juli 2010, 16:36
Ein trauriger Tag, habe eben feststellen müssen, dass das LCD im Sucher links oben (für Anzeige Belichtungskorrektur/Filmzähler) ausgelaufen ist. Ein fetter schwarzer Klecks hat sich ausgebreitet. Immerhin ist das Display noch ablesbar.
Da die treue 4er sehr viel geleistet hat (hauptsächlich in den Händen meines Vaters) versetze ich sie in den Reservestand ("Gnadenregal" im Schrank) und investiere in keine Reparatur mehr.
Adieu mon ami fidèle ...
Damit wir uns verstehen
Dienstag, 6. Juli 2010, 19:28
An alle im gemeinsamen Haushalte, die in Streit liegen und jeweils nicht verstehen können, was den jeweils anderen zu seinem Tun bewegt.
Ist es mit einer kleinen Sammlung ausgesuchter fotografischer Geräte im Schranke nicht so, wie im Kleiderkasten, der die schönsten Erinnerungen an vergangene Modesaisonen und launenhafte Momente birgt?
Fällt uns die Trennung von nur einem unserer liebgewordenen Stücke nicht ebenso schwer, wie unseren Herz-Damen, die kein Kleid, keine Bluse, kein Schmuckstück und kein Paar Schuhe missen möchten, weil es ein Teil ihrer Erinnerungen - und damit ihrerselbst - geworden ist?
Geben wir nicht manchmal Geld für Dinge, die wir zum Fotografieren und Bekleiden gar nicht notwendig brauchen, haben aber dennoch - oder gerade deswegen - eine so große Freude damit?
Kennen wir nicht, jeder für uns, verschwiegene Lokale und Boutiquen, in deren Verkaufsräumen uns innerhalb nur weniger Minuten die Sinne schwinden und Banknoten zu Schmetterlingen werden, die magisch im Licht über dem Tresen und in der Umkleidekabine schaukeln, als wären sie schwerelos?
Und ergeht es uns nicht allen gleich mit unseren Wünschen und Sehnsüchten, und muss es denn sein, dass wir uns diese gegenseitig vorhalten? Immerfort und jeden späten Abend aufs Neue, als gäbe es kein Gestern, Heute und Morgen?
Eben.
Darum:
Verstehen wir uns gegenseitig,
schließen wir Frieden im Haushalte und
bewahren wir dabei unseren kleinen - und großen - Geheimnisse!
Und loben wir - dann und wann - jeweils den Schrank des anderen.
Auch wenn wir es gar nicht so meinen ;-)
Was dem digitalen Schaltwart an Erleben fehlt
Sonntag, 4. Juli 2010, 18:31
Eine der schönen Seiten der Analogfotografie ist das Handwerkliche, der Umgang mit Messbechern, Thermometern, Fotochemikalien, Filmspiralen, Entwicklungstank etc. Haptisch kommt der, ansonsten digitale, Fotoarbeiter zu neuen Erlebnissen, Einsichten oder auch Erinnerungen.
Bis ein Schwarz-Weiß-Film verarbeitet ist, vergehen rund 30 Minuten. Mit dem Bereitstellen der Gerätschaft, deren abschließenden Reinigung und dem Verstauen kommt man da schon auf eine gute Stunde Beschäftigung. Und diese gute Stunde tut auch gut, man ist konzentriert, jongliert mit Zeitschaltuhr und Mensuren, weiß, dass manche Fehler beim Entwickeln nicht mehr rückgängig zu machen sind und gibt daher sein Bestes. Wenn dann alles gelungen ist, macht man sich zur Feier einen guten Kaffee und wirft sich tief zufrieden auf die Couch.
Anders der Umgang mit digitalen Aufnahmen
Ein digital aufgenommenes Bild muss man zwar nicht wie einen Film in mehreren Verabeitungschritten zur Welt bringen - man spart sich also viel Zeit und Aufwand - allerdings hat man dabei auch nicht diesen wunderbaren Konzentrations-, eigentlich schon fast Erholungseffekt.
Beim rein digitalen Arbeiten ist man doch immer auf die Rolle des Schaltwarts reduziert, der in Photoshop an virtuellen Reglern zieht und so aus schier zahllosen Varianten auswählt, entscheidet, aber eigentlich nichts "schafft". (Der RAW-Workflow ist dafür ein gutes Beispiel, wo man das von der Kamera unbearbeitete Bild stufenweise im RAW-Konverter am PC so lange einstellt bis es gefällt.) Dazu kommt, dass man in Photoshop stets auf das digitale Fangnetz vertrauen kann, sprich die History, mit der jede Eingabe ohne Schaden wieder rücknehmbar ist.
So viel Bequemlichkeit und Sicherheit wirkt sich natürlich auch auf das Erleben aus. Film hingegen fordert einen und bietet somit mehr "Kick" bis und wenn alles klappt.
Natürlich macht auch das rein digitale Arbeiten Spaß,
aber wenn man es mit der Analogfotografie zur hybriden Fotografie - also analoge Aufnahme plus digitale Weiterverarbeitung - kombiniert, dann erst hat man die maximale handwerkliche Befriedigung erreicht.
Selbstverständlich gilt das nur, wenn man das so möchte und darauf Wert legt. Denn viele, vermutlich sogar die meisten, ehemaligen Filmfotografen sind heilfroh, nie wieder mit Film hantieren zu müssen, geschweige denn ihre Zeit mit Filmentwicklung zu verbringen.
Nach vielen Jahren des digitalen Schaltwartseins kann ich mir allerdings Fotografie ohne Film nicht mehr vorstellen. Alleine schon wegen des haptischen Genusses beim damit Umgehen, den ich vermissen würde.
Und vielleicht richte ich mir eines Tages sogar wieder eine Dunkelkammer ein, wo die Sache mit der Haptik "hypermaximal" auf die Spitze getrieben wird.
Wer weiß ;-)
Zu Gegenwart und Zukunft der Analogfotografie ...
Sonntag, 4. Juli 2010, 11:15
... zeichnet Hartmuth Schroeder im APHOG-Forum unter dem Titel
"Was motiviert mich, auf eine Trendwende hinzuweisen?"
ein ermutigendes Bild. Demnach gehe es mit der Nachfrage nach Filmen, Fotochemie und Labormaterialien seit letztem Jahr wieder deutlich aufwärts. Die Trendwende - nach dem Ein- und Siegeszug der Digitalfotografie am Markt - hin zu einem "langanhaltenden Erfolg der filmbasierten Fotografie", sei geschafft.
Schroeder, Mitglied der Deutschen Gesellschaft für
Photographie e. V. (DGPh), schreibt aus der Perspektive eines Händlers, der im Analoggeschäft tätig ist, und setzt nüchterne Marktfakten vor Wunschdenken und Polemik.
Lesenwert!
Analogfotografie: vom bemerkenswert lebendigen Alltag einer Untoten
Samstag, 3. Juli 2010, 10:32
Donnerstag, 1. Juli 2010, frühmorgens
Es läutet am Haustor, an der Gegensprechanlage der freundliche Zusteller von UPS, meine vier 500 ml-Flaschen mit Druckluft sind da, Blitzzustellung Berlin - Wien, geliefert vom Internet-Fachhändler! Ich nehme das Paket entgegen, sauber verklebt, keinerlei Unwucht innen spürbar und zeichne die Übernahme ab. Perfekt, ich habe wieder ausreichend Vorrat an Dosenluft zur Reinigung meiner Negative und Kameras und alles ohne Aufwand an Zeit und Weg. Zufrieden blicke ich auf die Uhr - noch genug Zeit für ein Frühstück vor der Arbeit.
Freitag, 2. Juli 2010, frühmorgens
Es läutet am Haustor, an der Gegensprechanlage Herr T., Inhaber des Hi-Fi-Fachgeschäfts ein paar Häuser weiter. Er hat für mich ebenfalls ein Paket entgegengenommen und ist so freundlich, mir es vorbeizubringen. Fast beschämt über diesen freiwilligen Service bedanke ich mich herzlich und freue mich wiederum über den raschen und problemlosen Erhalt von Arbeitsmaterialien. Diesmal zwei 1000 ml-Mensuren aus hochwertigem Kunststoff für mein Negativlabor, Schutzhandschuhe sowie ein Zehnerpack Ilford HP5 Schwarz-Weiß-Negativfilme. Versand aus Hamburg-Stapelfeld, auch hier wieder das Know-how von Verpackungsprofis fühlbar - ein kompaktes, sauber beschriftetes und verklebtes Paket. Der Handwerker, Fotograf und Haptiker in mir freut sich und die überschaubaren Versandkosten für diesen Interneteinkauf trage ich gerne. In Wien hätte ich mindestens zwei Fachgeschäfte abgehen müssen, um diesen Posten einzukaufen und als autoloser Mensch, dessen Arbeitszeiten sich mit den Öffnungszeiten der Geschäfte decken, wäre für die Beschaffung ein Teil meines Wochenendes zu investieren gewesen.
Mensuren, Laborgeräte, Zeitschaltuhren,
Schutzhandschuhe, Chemikalien für die Verabeitung von Schwarz-Weiß-Filmen, Filme, Entwicklungsdosen, Filmhalteklammern ... Alles bestens sortiert und vorrätig bei verschiedenen Internet-Shops, übersichtlich am Monitor angeordnet und Datenblätter vom Hersteller als PDF zum Herunterladen verfügbar. Oder eine Einstellscheibe für meine Nikon F3, gebraucht in neuwertigem Zustand? Ein Ersatz-Batteriehalter für den zugehörigen Kameramotor MD-4? Objektive, Blitzgeräte, Ersatzteile, Fotoliteratur? Alles via Internet verfügbar, alles lieferbar, www.ebay.com heißt die Adresse.
Wie war das?
Die analoge Fotografie und ihre Geräte sind bald nur noch im Museum zu bewundern beziehungsweise zu belächeln? Analoge Fotografie stirbt aus? Analoge Fotografie wird heute nur mehr von ein paar Alt-Gestrigen und versonnenen Nostalgikern betrieben?
Wenn das tatsächlich so ist, ich jedenfalls merke nichts davon. Analoge Fotografie ist weiterhin genau so problemlos machbar wie Digitalfotografie, im Internet werden beide Spielarten gleichrangig bedient. Und bei der Fotokette in der Einkaufsstraße, die keine Filme mehr führt, dafür aber jedes lieferbare Speicherkarten-Modell, habe ich zum letzten Mal 1988 eingekauft, damals ein Minolta MD 28/2.8 Weitwinkelobjektiv.
Was allerdings zur Zeit nicht geschieht,
ist die breite Weiterentwicklung von analogem Fotogerät und Verbrauchsmaterial. Wir fotografieren heute in der Regel mit den Geräten und Filmen von gestern. Das muss kein Nachteil sein, aber es wäre schön, wenn die Hersteller sich ihres alten Hauptgeschäftes erinnerten und wir uns wieder einmal über die Neuvorstellung einer analogen Spiegelreflexkamera freuen dürften.
Bis dahin herrscht jedoch kein Mangel an preisgünstigem "Altglas und Altmetall" und ich wünschen Ihnen
ein produktives und entspannendes Fotowochenende - analog oder digital!
Herzlichst,
Andreas Thaler







